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Inszeniertes Kuscheln mit der Kanzlerin

Angela Merkel hält Hof - im Internet: Sechs Bürger durften im Google-Hangout mit der Bundeskanzlerin über ihre Integrationspolitik diskutieren. Am Ende hatten sich alle lieb.

Von Eric Hofmann

  Friede, Freude, Eierkuchen: Angela Merkel (CDU) im Google-Hangout

Friede, Freude, Eierkuchen: Angela Merkel (CDU) im Google-Hangout

  • Eric Hofmann

Strikte Choreographie statt Interaktivität: Die Inszenierung des neusten Bürgerdialogs mit Angela Merkel begann schon mit den Teilnehmern. Denn die sechs Teilnehmer waren allesamt vom Bundespresseamt auserkoren, ihre Fragen an die Kanzlerin zu stellen.

Immerhin bestand die Möglichkeit, im Vorfeld per E-Mail Anregungen in das Gespräch einzubringen. Bis Montag konnten Interessierte über die Homepage der Bundesregierung Kontakt mit dem Presseamt aufnehmen. 198 Zuschriften gab es, von denen 116 dem Amt als geeignet erschienen. Doch in der Diskussion selbst spielten sie eine untergeordnete Rolle: Nur eine Handvoll Fragen aus der Bevölkerung beantwortete die Regierungschefin.

Durchgeplantes Frage-Antwort-Spiel

Dass diese Fragen die Kanzlerin überraschen konnten, darf bezweifelt werden. Selbst die Fragen der per Webcam zugeschalteten Diskussionsteilnehmer waren bekannt. Das verriet Moderator Marc Weiß, Nachrichtenchef von "Radio NRW" selbst, indem er eine Teilnehmerin bat, ihre Frage in der Live-Diskussion noch einmal zu wiederholen, damit auch der Zuschauer folgen könne.

Nicht verwunderlich, dass die Kanzlerin bestens vorbereitet war und auch bei kritischem Nachhaken nicht die Ruhe verlor. So fand Nina Aleric vom Projekt "Teach First" einen Widerspruch: Merkels Aussage, dass Zuwanderung immer eine Bereicherung sei, passe nicht dazu, den Zuzug von Roma verhindern zu wollen.

Routiniert antwortete die Kanzlerin, dass man nur Menschen aus humanitären Gründen oder wenn sie in der Wirtschaft gebraucht werden, einwandern lasse. Es könne ja nicht das Ziel sein, so viele wie möglich wieder zurückzuschicken.

Kuschelatmosphäre statt Schlagabtausch

Bei so guter Choreographie hatte die Kanzlerin auch genügend Gelegenheiten auf die eigenen Erfolge hinzuweisen. "In den vergangen Jahren haben wir …" war einer ihrer beliebtesten Satzanfänge. Ein Schelm, wer hier so kurz vor der Wahl an eine Werbeveranstaltung denkt.

Doch trotz Kuschelatmosphäre schien sich Merkel im neuen Medium nicht richtig wohlzufühlen: Steif, fast regungslos saß sie vor der Kamera und sprach von Anstrengungen, die man noch unternehmen müsse. Dabei lässt sich das Hangout nur schwer mit einem normalen Video-Chat vergleichen. Sowohl Fragen als auch Antworten waren eher auswendig gelernte Kurzreferate. Doch ganz so einfach kann auch die Kanzlerin unerwartete Tücken des Internets nicht verbannen.

Eine Technik-Panne brachte die Planung bereits zu Anfang der Konferenz in Turbulenzen: Ismail Öner, der mit dem Projekt "Mitternachtssport" Jugendliche von der Straße holen will, war für den Großteil der Veranstaltung nicht zu hören. "Haben Sie denn Ihr Mikrofon eingeschalten? Leuchtet irgendwo ein rotes Lämpchen?", fragte Merkel unbeholfen.

Friede, Freude, Eierkuchen

Später trat bei Öner ein Techniker ins Bild, der die Anlage überprüfte. Trotzdem konnte der Sozialarbeiter erst in den letzten Minuten am Gespräch teilnehmen - der einzige Moment in dem Merkel tatsächlich spontan Freude zeigte und einmal ihre Sitzposition änderte.

Allerdings weilte die Freude nur kurz, denn der Moderator drängelte, dass langsam das Ende der 45-Minuten-Merkel-Show gekommen sei. Gnädigerweise durften alle sechs Teilnehmer noch ein Schlusswort sprechen. Auch die Kanzlerin zog ein Fazit: "Ich nehme mit, dass es ungeheuer viel Engagement gibt." Also alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Ob es eine weitere Konferenz dieser Art geben wird, will das Bundespresseamt jetzt prüfen. Dazu eine kleine Anregung: Verkappten Wahlkampf auf offiziellen Regierungskanälen, finanziert durch Steuergelder, braucht außer der CDU wohl niemand.

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