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21. Juli 2010, 19:10 Uhr

Sonne im Herzen, die Macht fest in der Hand

Die Kanzlerin in der Krise, war da was? Von wegen. Strahlend hat sich Angela Merkel am Mittwoch in der Bundespressekonferenz präsentiert - und jeden Zweifler an ihrem Machtwillen verstummen lassen. Von Hans Peter Schütz

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Bundeskanzlerin Angela Merkel verlässt die letzte Bundespressekonferenz vor der Sommerpause: Ihr mache die Politik noch Spaß, hatte sie zuvor verkündet© Markus Schreiber/AP

Da sitzt eine Kanzlerin, die sich an diesem Mittwoch von der Berliner Journaille in den Urlaub verabschiedet und strahlt, als käme sie soeben aus demselben zurück. Sitzt da und lächelt und lächelt und lächelt. Im elfenbeinfarbenen Jackett. Ein Silberkettchen um den Hals. Die Mundwinkel auf beste Laune gestellt, was in den vergangenen Wochen bei ihr eher selten zu besichtigen gewesen war.

Und natürlich kommt auch die Frage, die in die Selbstinszenierung der Angie Merkel maßgeschneidert passt. "Haben Sie noch, Frau Bundeskanzler, einen Wunsch, der bei ihrem 59. Geburtstag vor wenigen Tagen nicht erfüllt worden ist?" Diese Vorlage nutzt sie zu einem politischen Bilderbuchtor: "Ich habe mir", antwortet sie geradezu entzückt, " ja schon den Wunsch erfüllt, dass Christian Wulff jetzt Bundespräsident ist". Und lächelt und lächelt. Sie gibt die im hier und heute wunschlos glückliche Angie Merkel: "Ich habe ja noch zu Weihnachten einen Wunsch frei."

Chaoskanzlerin? Von wegen

Von wegen Chaoskanzlerin, die sich seit Monaten von einer Krise zur nächsten Schlappe schleppt. Der in allen Medien, ob regierungstreu oder regierungskritisch, die dickste Pannenspur einer neuen Bundesregierung seit 1949 bescheinigt wird. Deren schwarz-gelber Koalition die Wähler haufenweise weglaufen - nur noch zwei Drittel der Wähler von der Bundestagswahl würden laut jüngster Forsa-Umfrage noch einmal CDU/CSU wählen, nur noch ein Fünftel wieder die FDP.

Und laufen dieser Kanzlerin nicht auch wichtige politische Männer weg? Etwa in Hamburg ein Ole von Beust, in Hessen ein Roland Koch. Beide mit der schönen Begründung, sie suchten in neuen beruflichen Umfeldern außerhalb der Politik neue Lebenschancen. Wieder lächelt die Kanzlerin und bekennt sich auf ihre Art zur Männer-Massenflucht aus ihrer Nähe. Sie habe, lächelt sie, die Chance neuer beruflicher Erfahrungen schon zwischen ihrem 26. Und 35. Lebensjahr genutzt. Sie wisse ja längst, wie es außerhalb der Politik aussehe. Will heißen: Die "Zukunft" der Kochs und von Beusts habe ich bereits als Physikerin im Dienst der DDR-Wissenschaft hinter mich gebracht. Zudem: Was werde da denn von Abstiegen geredet, wenn ein Günther Oettinger oder ein Christian Wulf neue Chancen wahrnehmen? "Das ist besser als am Stuhl zu kleben."

Von wegen angeschlagene Kanzlerin. Eine Regierungschefin präsentiert sich, die eine Zukunft wie die CDU-Männer sich derzeit suchen, längst hinter sich hat. Ihrer eigenen sieht sie in gelassener Zuversicht entgegen. Ob sie Fehler gemacht habe, wird sie gefragt. Ob sie in drei Jahren, im Bundestagswahljahr 2013, noch an der Macht sei? "Da bin ich mir ganz sicher", antwortet eine Kanzlerin, die tief in sich und der Beherrschung des Machtspiels zu ruhen scheint.

Vom zitternden Mädchen zur Kanzlerin

Wer diese Frau noch erlebt hat, wie sie vor 20 Jahren hat nach ihrer Berufung zum "Mädle" von Kanzler Helmut Kohl Bundesministerin werden durfte, kann sie in dieser absoluten Gelassenheit von heute nicht wieder erkennen. Zitternd saß sie damals in Pressekonferenzen. Im Kabinett flossen bei ihr schon mal die Tränen. Und sie selbst erinnert sich noch sehr genau daran, wie sie einräumt, wie groß das Lamento gewesen sei, als sie Umweltminister Klaus Töpfer Anfang der neunziger Jahre ersetzt habe. Zeit sei es jetzt, Männern wie Stefan Mappus oder David McAllister, "ein großes Talent", eine Chance zu geben. Sie seien durchaus fähig, "die Union zu verkörpern."

Wo es in der Sache heikel wird, schönt die Kanzlerin die Lage nicht, weicht aber konsequent Festlegungen aus. Bundeswehrreform und Wehrpflicht? "Da wird man breit denken müssen." Das Problem der Zeitarbeit? "Damit müssen wir uns noch einmal beschäftigen." Neue Quertreibereien durch den CSU-Vorsitzenden Seehofer? "Der ist nicht in meiner Regierung, aber eine wichtige Figur der Koalition." Die CSU stänkere doch fortwährend? "Wesentliche Zeit verbringt Seehofer nicht mit Polarisieren." Eine Streicheleinheit samt Ohrfeigeneffekt.

"Es hat noch keiner nach der Gesundheitsreform gefragt"

Sich selbst sieht Merkel keineswegs im medialen Schlagwetter. "Schauen sie, was die Medien über mich schreiben", rät sie den Schreibern vor sich. Da sei doch "ab und an eine gewisse Anerkennung da". Und weil sie sich so gut in Form fühlt, stachelt sie die Journalisten mit kessem Lächeln an. "Es hat noch gar keiner nach der Gesundheitsreform gefragt!" Keiner fragt. Wenigstens will jemand wissen, ob denn noch mit Steuersenkungen vor 2013 zu rechnen sei, dem Herzenswunsch der Liberalen. Angela Merkel antwortet nicht mit Worten. Sie schüttelt den Kopf, sie blickt zur Decke des Konferenzsaals der Bundespressekonferenz und schweigt lange. Wichtiger sei die Konsolidierung der Staatsfinanzen, sagt sie schließlich. Das ist keine direkte Antwort und doch eine. Dazu passt ein anderer Satz aus dieser Pressekonferenz maßgeschneidert: "Die Macht, die mir gegeben ist, spiegelt sich in jedem meiner Worte wieder". Könnte Guido Westerwelle über sein Bett hängen.

Ihr jedenfalls, signalisiert diese Kanzlerin dutzendfach, "macht die Politik jetzt noch Spaß." Und verabschiedet sich auf unmissverständliche Weise in den Urlaub: "Sie können ganz sicher sein, dass sie mich noch nach diesen Ferien wieder sehen."

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
Administrator (22.07.2010, 12:15 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Diskussion an dieser Stelle. Eine sachliche Auseinandersetzung ist an dieser Stelle offenbar nicht möglich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Tempelhofer (22.07.2010, 12:14 Uhr)
Merkel ist beliebt
Ich finde, die Bundeskanzlerin ist weltweit völlig zu recht als entschiedene, führungsstarke und erfolgreiche Regierungschefin geschätzt. Sie stellt sogar Obama in den Schatten.

In fast allen Ländern beneidet man uns sehr um eine so qualifizierte Politikerin.
keinheiliger (22.07.2010, 12:13 Uhr)
Einige
Foristen geben sich der Illusion hin, dass Frau Dr. Hosenanzug vor Ablauf der Legislaturperiode das Amt aufgeben wird, bzw. muss, das wird aber nicht passieren.
Unser MalÖkologieFokussierteBundesAußenkanzlerin macht ausschließlich Politik für sich.
Selbst die eigenen, z.T. einflussreichen Parteifreunde sind nicht in der Lage an Merkels innerem Machtzirkel zu kratzen und das wird sie auch noch lange durchhalten und verbessern.
Sie macht nichts anderes.
Und in den Augen einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Wählern, trifft sie ja auch die ?richtigen? Entscheidungen, obwohl die entweder falsch sind oder ausgesessen werden, in finanzieller Hinsicht aber immer die ?Richtigen? treffen.
Mit der Dame und der personifizierten Freiheitsstatue werden wir noch viel Spaß haben.
MfG
zivilcourage (22.07.2010, 11:56 Uhr)
@administrator
ich stelle hier noch mal die Frage nach welchen Kriterien sie löschen und rausschmeissen ?

Wer seit Monaten die -nach ihren Kommentaren zu vermuten - offensichtlich im äussertsten, kritischenRechtssprektum einzuordnen ist, permanent alle andersdenkenden beleidigt, polemisiert , darf sich austoben - andere, die kritisch u. ehrlich mit von einigen Medienkonzernen - nicht nachvollziehbar - hofiert, protegiert werden (obwohl sie in zweifelhaftem Umgang mit Lobbyisten stehen, rechtlich/moralisch zweifelhafte Positionen vertreten) - verschwinden plötzlich aus den Blogger - Listen.

Wollen sie sich dazu mal äussern ???
Kasperltheater (22.07.2010, 11:47 Uhr)
@zivilcourage
Tempelhofer hat nur eine andere "Perspektive" als die meisten hier. Und aus einem gewissen Blickwinkel hat er absolut recht. Wobei ich mir nicht so sicher bin, ob er nicht manchmal bewusst provoziert*lach*
Prologo (22.07.2010, 11:42 Uhr)
@Templerrhofer, Stimmt, der Wind hat sich gedreht,.....

.....allerdings ist das keine Wind mehr, sondern ein Orkan, und der bläst Merkel ins Gesicht, und hoffentlich bläst er Merkel endlich noch Osten hinweg,....

....und das haben die Medien sehr wohl gemerkelt, falls Sie verstehen, was die Medien so schreiben. Siehe Django Asül im Stern.

MfG,
T.
Kasperltheater (22.07.2010, 11:37 Uhr)
Die Emotionalität....
in allen Foren, nicht nur hier zeigt doch, dass eine Sachbezogene Diskussion nicht mehr möglich ist. Einen Grossteil trägt unsere Elite, allen voran Angela Merkel selbst dazu bei.

Wer die Pressekonferenz gesehen hat und die Körpersprache der Kanzlerin analysiert, dem wird angst und bang.

Die derzeitige Situation in der Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit einen Grossteil der Menschen belasten, ist nicht die richtige, um eine solche flappsige Pressekonferenz abzugeben.

Es mag sein, dass ein Grossteil selbst schuld an der eigenen Situation ist, aber vergessen wir nicht, dass es auch für einen Grossteil unmöglich erscheint an der eigenen Realität etwas zu ändern.

Die Schärfe in manchen Kommentaren spiegelt nur die Verfassung der Volksseele wider, die meines erachtens bereits kocht.

Früher gab es keine Kommentarfunktion und die Mehrheit informierte sich über die üblichen Kanäle. Wie Angela Merkel bereits in einerm anderen Zusammenhang erwähnte, informieren sich Menschen heutzutage differenzierter als in der Internetlosen Zeit.

Wenn Politiker sich in Pressekonferenzen so gebaren, brauchen sie sich nicht wundern wenn der Wind ins Gesicht weht.

Andererseits ist es jedem möglich selbst Politiker zu werden. Aber wahrlich nicht einfach Moral und Zielsetzung unter einen Hut zu bringen. Das gilt für alle hogen Ämter.
Tempelhofer (22.07.2010, 11:26 Uhr)
Ein überzeugender Auftritt der Bundeskanzlerin
Die Frau Bundeskanzlerin hat mit Ihrem glänzenden Auftritt gestern alle Kririker eines Besseren gelehrt.

Sie ist wieder da, und sie ist besser und stärker, denne je. Und sie kann auch durchaus auf Erfolge verweisen: Der kommende Wirtschaftsaufschwung, die Rettung der Banken, die Sanierung des Euro.

SPD und Grüne mögen glauben, Sie seien obenauf. Aber die linken Kräfte haben ihr Pulver verschossen. Das kommende Jahr wird Merkels Jahr !

Es freut mich, dass auch die Kommentare bei Merkel-kritischen Blättern wie Bild, Spiegel und Stern schon wieder sehr viel freundlicher werden. Die Medien merken es eben am ehesten, wenn sich der Wind dreht.
bR4iNST0RM (22.07.2010, 11:23 Uhr)
Liebe stern.de Admins
Was war an meinem Kommentar denn nun sooo schlimm, dass er gelöscht werden musste?? Ich bekomme ganz langsam den Eindruck, dass hier willkürlich gelöscht wird, wenn jemandem in der Redaktion meine Meinung nicht passt.
M.E. war mein Kommentar den Forenregeln entsprechend geschrieben. Was war hier nun das Problem?
Administrator (22.07.2010, 11:06 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen. Bei dem derzeitigen Verlauf der Debatte müssen wir überlegen, ob wir sie abstellen müssen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
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