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31. Oktober 2009, 14:11 Uhr

Nato-Bericht sieht Fehlverhalten bei Bundeswehr-Oberst

Der NatoBericht zu dem umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklaster nahe Kundus hat offenbar klare Fehler der Bundeswehr ausgemacht. Die Bundesregierung soll zuvor versucht haben, das Ergebnis zu beeinflussen.

Zoom
Afgahnistan, Kundus, Tanklaster, Bundeswehr,

Oberst Georg Klein, der Kommandeur des deutschen zivil-militärischen Wiederaufbauteams in Kundus© dpa

Die Deutschen hätten ihre Forderung nach Luftunterstützung mit Feindberührung begründet, obwohl sich keine Soldaten der Nato-Truppe Isaf in der Nähe der Tanklaster aufhielten, berichtete der "Spiegel" am Samstag unter Berufung auf den geheimen Untersuchungsbericht. Der deutsche Kommandeur des Feldlagers Kundus, Oberst Georg Klein, habe es auch abgelehnt, die US-Kampfflugzeuge vor Ort als niedrigere Eskalationsstufe zunächst im Tiefflug über die Tanklaster fliegen zu lassen. Zudem sei es wegen der unübersichtlichen Lage möglicherweise nicht ausreichend gewesen, sich auf eine einzige menschliche Quelle und die Live-Bilder der Luftunterstützung zu verlassen, berichtete das Magazin.

Klein war in die Kritik geraten, nachdem er den Luftangriff auf die beiden von den radikal-islamischen Taliban entführten Tanklaster angeordnet hatte. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen dabei neben 69 Taliban auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanks zapften. Im Ausland löste das Bombardement Empörung aus, da Deutschland die Nato-Partner häufig für Luftangriffe mit zivilen Opfern kritisiert hatte. Auch im Inland wurde über die Berechtigung des Bombardements gestritten.

Der Nato-Bericht schildert indes auch die militärisch angespannte Lage in Kundus vor dem Luftangriff und entlastet damit den deutschen Kommandeur. "Der Bericht liefert Argumente für die Verurteilung von Oberst Klein genauso wie zu seiner Entschuldigung", zitierte das Magazin einen Kenner des Reports. Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal lehnte dem Magazinbericht zufolge eine Stellungnahme ab. "Der Bericht liegt nun bei den Deutschen, die selbst entscheiden müssen, welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen", sagte einer seiner Sprecher.

Die Bundesregierung habe die Nato zuvor gedrängt, sich in dem Untersuchungsbericht mit einer Beurteilung zurückzuhalten, berichtete der "Spiegel". Am 15. Oktober hätten Vertreter der Bundesregierung dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, Admiral James Stavridis, bei seinem Besuch in Berlin zu verstehen gegeben, dass eine deutliche Verurteilung Kleins durch die Nato in Deutschland zu juristischen Problemen führen könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.

Das Verteidigungsministerium wollte sich zu dem "Spiegel"-Bericht nicht äußern. Die Bundeswehr-Führung sieht das deutsche Militär durch den Nato-Bericht entlastet. Klein habe in einer schwierigen Lage militärisch angemessen gehandelt, als er das Bombardement in der Nacht zum 4. September befohlen habe, hatte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Donnerstag in Berlin erklärt. Daran habe er nach Lektüre des Untersuchungsberichts keinen Zweifel. Der geheime Nato-Report bestätige auch nicht, dass durch den Luftangriff Unbeteiligte getötet wurden.

KOMMENTARE (6 von 6)
 
rockyciano (01.11.2009, 07:53 Uhr)
Dieser Vorfall zeigt doch
ganz deutlich, wie wir ganz bewusst getäuscht werden sollen.-Fakt ist: Es gab keinen direkten Angriff auf das Lager - es gab noch nicht mal einen Tiefflug zur Abschreckung.Sollten unsere Politiker nicht mal sehr genau die "Aufgaben" der Bundeswehr überdenken?!- Warum schippert unsere Marine vor Libanon- oder warum muß unsere Marine die Seewege für den In- und Export sichern?!- Die Bundeswehr ist jetzt autherisiert worden Piratenschiffe zu versenken-siehe Fernsehbericht vom SWF. Als Begründung und Rechtfertigung werden dann die Bündnispartner vorgeschoben, denen wir verpflichtet seien. Damit muß endlich schluß sein!!!
hamburg123 (31.10.2009, 22:37 Uhr)
@oppenwehe
Wußte gar nicht, dass Sie so ulkig sind! Nein, aber jetzt mal im Ernst! Es stimmt wirklich, die Frauen in Afghanistan haben so viel Freiheit, dass sie gar nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Eine völlig neue Situation. Die sind schon zu beneiden da hinten, da scheints ja das größte Paradies zu geben. Danke, Georg Klein, die Afghanen haben Ihnen sehr viel zu verdanken und jeder Afgahne, der diesen Angriff nicht zu schätzen weiß, ist einfach nur undankbar. Und auch bombardierte Hochzeitsgesellschaften mit über 100 Toten sind positive Signale fü ein Land, in dem die Frauen so viel Freiheit haben, von der wir hier nur träumen könnten......
oppenwehe (31.10.2009, 21:20 Uhr)
Georg Klein
Georg Klein hat als Soldat gehandelt. Das war sein Job. Ihm ist nichts vorzuwerfen.

Zu kritisieren sind die Gutmenschen, die noch immer nicht begriffen haben, dass durch den Einsatz in Afghanistan Frauen wieder Rechte haben, es wieder Schulen gibt und das Land von einer Terrorherrschaft befreit wurde.


jetrabbit (31.10.2009, 20:30 Uhr)
in anderen medien werden
von weit über hundert toten berichtet... das verbrechen ist einfach... es wurde (durch falschinformation) entschieden, ein tanklaster zu bombadieren, mit wissentlich über hundert menschen im umkreis des lasters. erst nachher wurde bekannt, das die wenigsten taliban waren, das ist das eigentliche problem, wenn es denn überhaupt ein problem darstellt für die regierung und militär.
Peter_Mueller (31.10.2009, 19:14 Uhr)
Schande
Amerikaner bombadieren ganze Hochzeitsgeselschaften und kommen straffrei davon, die Bundeswehr bombadiert ein potentiel gefährliches Ziel mitten in der Nacht und treffen mitten in der Afgahnischen Pampa zufällig 30 Zivilisten, wollten die am Tanklaster ihre Esel tanken? Dieser Fall ist das Exempel was statuiert werden soll. Dieser Oberst ist ein Bauernopfer.
flyingfree (31.10.2009, 16:50 Uhr)
Merkels Machtwort
"Am 15. Oktober hätten Vertreter der Bundesregierung dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, Admiral James Stavridis, bei seinem Besuch in Berlin zu verstehen gegeben, dass eine deutliche Verurteilung Kleins durch die Nato in Deutschland zu juristischen Problemen führen könnte."
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