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21. Mai 2007, 07:08 Uhr

Diskussion über den Afghanistan-Einsatz

Der Anschlag auf die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hat in Deutschland zu einer Debatte über den Auslandseinsatz geführt. Besonders der Vorsitzende des Bundeswehrverbands Gertz will die Sinnfrage stellen - und die Strategie ändern.

Vor dem Bundesverteidigungsministerium in Berlin weht die Bundesdienstflagge auf Halbmast© Tim Brakemeier/DPA

Nach dem tödlichen Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan ist der Ruf nach einer breiten gesellschaftlichen Verständigung über den Sinn des Einsatzes laut geworden. Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold verteidigte zwar den Einsatz. Mit Blick auf die Entscheidung über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats im Herbst forderte er in der "Frankfurter Rundschau" (Montag) aber "eine breite Debatte über die deutsche Verantwortung in der Welt".

"Man muss die Sinnfrage stellen"

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, in der "Mitteldeutschen Zeitung" (Montag). "Man muss die Sinnfrage nach dem Einsatz in Afghanistan noch deutlicher stellen - so deutlich, dass sie nicht mehr überhört wird. Wenn es nicht eine radikale Änderung der Gesamtstrategie gibt, dann laufen wir Gefahr, in Afghanistan zu scheitern."

Bei dem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt in der nordafghanischen Stadt waren am Samstag drei deutsche Soldaten und sechs afghanische Zivilisten getötet worden. Fünf Soldaten wurden verletzt. Zu dem Selbstmordanschlag hatten sich die radikal-islamischen Taliban bekannt. Vier der fünf verletzten Soldaten wurden mit einem Lazarett-Flugzeug nach Deutschland ausgeflogen. Sie landeten am Sonntagabend auf dem Militärflughafen Köln-Bonn und wurden von dort ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz gebracht. Die beiden schwer Verletzten unter ihnen wurden nach Aussage eines Bundeswehr-Sprechers für den Transport in ein künstliches Koma versetzt.

WASG fordert Ende des Einsatzes

Die getöteten Soldaten stammen aus Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hessen, Sie sollen nach den Worten von Verteidigungsminister Franz Josef Jung voraussichtlich am Mittwoch nach Deutschland überführt werden. Am gleichen Tag sei ein Trauergottesdienst geplant, sagte der CDU-Politiker.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte allerdings vor einer Debatte über ein Ende des Einsatzes, wie es die Linkspartei und die WASG verlangt hatten. "Es darf keinen aktuellen Rückzug geben", sagte er am Sonntagabend in der ARD. Auch der SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow sagte in der "Berliner Zeitung" (Montag): "Die Bundeswehr muss auch aus deutschem Interesse am Hindukusch bleiben." Wenn die Taliban wieder die Macht in Afghanistan übernähmen, gäbe es dort auch wieder Ausbildungslager für Terroristen. "Damit würde auch die Terrorgefahr in Deutschland steigen."

Keine "polulistischen Entscheidungen"

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), warnte vor "populistischen Forderungen" nach einem Rückzug. Er berichtete zudem von einer Zunahme von Störungen infolge der psychischen Belastung bei den eingesetzten Soldaten. In der "Thüringer Allgemeinen" (Montag) regte er "die Einrichtung eines Zentrums für derartige Störungen" an.

Der Haushaltsausschuss-Vorsitzende Otto Fricke (FDP) empfahl, die finanziellen Hilfen für Hinterbliebene auszuweiten. Sie dürften angesichts der besonderen Aufgaben und Gefahren der Bundeswehr im Auslandseinsatz "nicht auf die üblichen Regeln" verwiesen werden, sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Montag).

Einsatz hat auch Erfolge vorzuweisen

Der Anschlag vom Samstag war der schwerste auf die Bundeswehr in Afghanistan seit 2003. Dennoch ließ die Bundesregierung keinen Zweifel am Einsatz aufkommen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Vertreter aller Parteien mit Ausnahme der Linken sprachen sich für eine Fortsetzung aus. In der ARD verwies Jung auf die Erfolge: So könnten auch dank des Einsatzes sechs Millionen Kinder, darunter 40 Prozent Mädchen, wieder in die Schule gehen.

Ihre Meinung

Nach dem schweren Anschlag auf die Bundeswehr: Sollte der Einsatz neu überdacht - und womöglich beendet werden?

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DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Meinbeitrag (22.05.2007, 19:55 Uhr)
Bundeswehreinsatz in Afghanistan
Es ist ja so herrlich naiv, dass es einem eigentlich am Herzen ruehren muesste, waere es nicht so tragikomisch. Die deutschen Truppen in Afghanistan sollen also nach dem Willen unserer mit hoeherer Einsicht gesegneten Regierenden Afghanistan dadurch befrieden helfen, dass sie mit der Bevoelkerung Kontakt aufnehmen und sprechen. Militaerische Staerke zu zeigen ist nicht gewuenscht, denn man will ja Vertrauen gewinnen. So weit, so gut. Aber ist es denn nicht eine atemberaubend groteske Idee, diese sozialtherapeutische Aufgabe der Bundeswehr zu uebertragen? Militaerische Praesenz wird niemals Vertrauen schaffen - und wenn man noch so lieb und nett Small Talk praktiziert. Wir sollten endlich mit diesem hochgradig naiven Unfug aufhoeren und unsere Truppen schnellstmoeglich aus Afghanistan abziehen. Wenn diejenigen, die den derzeitigen Wahnwitz zu verantworten haben, einen Rueckzug als unverantwortlich bezeichnen, dann geht es ihnen in Wahrheit einzig und allein um Machtsicherung. Wir sollten machtgeilen Politikern nicht erlauben, auf dem Ruecken unserer Rekruten ihre Profilneurosen zu pflegen.
Krakatoa41 (22.05.2007, 09:02 Uhr)
Interessen
Ich frage mich ernsthaft, was die wirklichen Interessen der deutschen Wirtschaft in Afghanistan sind, das die Menschen besser leben können? das Frieden herrscht? doch wohl kaum. Schließlich interessiert sich niemand aus der Politik dafür, das Menschen in Deutschland in Würde leben können, wie z.B. Hartz IV Empfänger.
Ständig höre ich in Deutschland, das kein Geld da ist, egal für was auch immer. Aber nach Afghanistan können wir trotzdem Milliarden pumpen. Warum können die Menschen in diesen ganzen Ländern nicht Ihr eigenes Leben leben, nach Ihren Vorstellungen. Warum muss die westliche Welt dort überall Ihren Lebensstil geltend machen?
Hier geht es eindeutig nur um wirtschaftliche Interessen, um viel Geld und um Macht, die Menschen bleiben so und so auf der Stecke, siehe Irak wo unter fadenscheinigen Gründen einmarschiert wurde und das Land in einen gigantischen Bürgerkrieg versetzt wurde, nur um Zugriff auf die Ölreserven zu bekommen.
Wenn es wirklich um die Menschen geht, liebe Politiker, dann fangt hier in Deutschland an, jedem Bürger ein Leben in Würde zu ermöglichen und wenn das funktioniert, dann kann man schauen, was woanders notwendig ist.
schuetze1 (22.05.2007, 01:16 Uhr)
Die waren Terroristen
Diese sitzen in Tel Alviv, Washington, London und in Berlin
an den Schaltzentralen der Macht.
Auch heute wurde in Israel von dessen Regierung wieder gemordet.Deshalb kam es auch zu den Anschlägen in Amerika.
worried (21.05.2007, 16:26 Uhr)
Pech gehabt Jungs
Tja, die haben nunmal diesen Job gewählt. Wenn sich die Bundeswehr von der Politik für solche Abenteuer entführen lässt, müssen sie damit rechnen, dass nicht alle heil zurückkommen.
blog-kade (21.05.2007, 14:09 Uhr)
@CaptnCrunch
Tja mein Lieber... jetzt hast du gerade deinen Monatslohn verloren. Ich habe meine Eltern nämlich nicht ins Altersheim gesteckt. Allerdings frage ich mich, was ich mit den paar Euro nun machen soll. Denn so wie du drauf bist, wird man dir ja wahrscheinlich nicht viel geben. ;-)
Ich ibn durchaus dafür, dass wir (die westliche Welt) Afghanistan helfen. Aber: Eine Hilfe zeichnet sich dadurch aus, dass wir dort nicht tun und lassen was wir wollen, sondern den Menschen dort bei dem helfen, was sie wollen. Ich jedenfalls habe nicht den Eindruck, dass die derzeitige Form der Hilfe wirklich gut ist. Naja, irgendwo Soldaten hinzuschicken ist immer der falsche Weg.
Wirklich erschreckend finde ich allerdings, dass Menschen wie "CaptnCrunch" die Meinung vertreten, dass "wir" in Afghanistan bleiben sollen. Menschen, denen es so schwer fällt, sich vernünftig auszudrücken, gehören genau zu der Gruppe, die man besser nicht ins Ausland schickt. Die richten nämlich mehr Schaden an als gut ist und blamieren nicht nur sich, sondern auch alle anderen Deutschen.
schmidin (21.05.2007, 13:08 Uhr)
Das kanns ja nicht sein...
Ich frag mich CaptnCrunch- wenn du so der Meinung bist, dass unsere Soldaten dort soooo hilfreich sind- was machen Sie dann noch hier??
Mal im Ernst. Haben Sie mal drüber nachgedacht wie sich die Familien der getöteten und verletzten Soldaten fühlen? Glauben Sie die halten diesen Einsatz für Sinnvoll? Kann es Sinnvoll sein unsere Ehemänner, Väter, Söhne und Töchter in einen so ungewissen Auslandseinsatz zu schicken?
Mein Ehemann ist derzeit in Afghanistan und hält seine "Kopf" dafür hin, damit die Menschen dort ein anderes Leben führen können. Aber wollen die überhaupt ein anderes Leben? Wollen sie nach den westlichen Werten leben, so wie unsere Politiker es versuchen ihnen aufzuzwingen? Ich glaube nicht!
Und wo war der Herr Verteidigungsminster gestern abend als die Schwerverletzten in Köln gelandet sind? Er saß im ARD Studio und hat große Reden geschwungen. Ist es etwa nicht seine Aufgabe den Familien der Verletzten und Getöteten beizustehen, anstatt immer nur große Reden zu schingen während man im sicheren Deutschland sitz?
Denkt mal drüber nach!
Taifun (21.05.2007, 12:28 Uhr)
@CaptnCrunch
Ich teile zwar in mehreren Punkten deine Meinung. Aber:
- die Rechtschreibung geht mal garnicht (zu aufgeregt beim schreiben?)
- Forumsteilnehmer mit diversen Beschimpfungen zu beleidigen ist keine Art der Diskussion sondern ein Zeichen mangelnden Respektes. Wenn man deine Meinung respektieren soll, musst Du auch anderen Respekt gegenünber erweisen.
Das einzige was Du mit deinem Kommentar erreicht hast, ist dich lächerlich zu machen.
DeFrank (21.05.2007, 12:25 Uhr)
CaptnCrunch hat Recht
ich hätte zwar hier und da eine etwas gewähltere formulierung gefunden - aber er trifft den nagel auf den kopf
wenn wir hier in deutschland von irgendwelchen gruppen mit waffengewalt mit folter und mord in deren ansichten und lebensweisen gezwängt werden sollen - dann sind auch wir froh von anderen ländern unterstützung zu erhalten.
den meisten hier gehts nur zu gut - können nicht um die ecke denken und nörgeln an allem rum
Deutschland war mal das Land der Dichter und Denker - heute wohl mehr ein Land der Nörgler und Besserwisser.
An dieser Stelle mein aufrichtiges Beileid den hinterbliebenen Familien und Freunden !
CaptnCrunch (21.05.2007, 11:02 Uhr)
gehts noch ?
einigen lesern hat man wohl ins hirn geschissen !!!!
natürlich gehts irgendwo um die wahrung der westlichen interressen.. ABER (und das ist das grosse stichwort) ..DAS INTERRESIERT DIE STATIONIERTEN SOLDATENUND DEREN BEFEHLSHABER (achtung: gilt wahrschinlich nur für die deutschen) wenig.. denn das oberste gebot der deutschen soldaten heisst, DIE UNSCHULDIGEN ZU SCHÜTZEN !!!!!
ihr glaubt wir haben da nichts veroren ?? ihr glaubt wenn wir uns da verpissen dann können wir (und die afghanen) in frieden leben ?
WACHT MAL AUF !!!! die interresiert es n scheissdreck ob das n russe oder pole oder ami oder deutscher oder gar ein afghane ist!!! die wollen nur töten !! töten um ihr eigenes terror-regime an die macht zu bringen !! DESHALB SIND WIR DA !!
UM DIES ZU VERHINDERN !!!
wenn einer von euch kleinen pissern mitten auf der strasse vermöbelt wird, würdet ihr euch auch wünschen dass euch jemand hilft!! WARUM ! WEIL IHR UNSCHULDIG SEID !! RICHTIG ! DAS SIND DIE MENSCHEN DORT AUCH !!
aber wegen solchen leuten wie euch gibt es nur probleme auf der welt weil jeder nur auf seinen eigenen arsch guckt..
ich wette meien gesamten monatslohn, dass alle die hier die meinung vertreten, die bundeswehr sollte sich zurückziehen, ihre eigenen eltern ins altersheim gesteckt haben...
also .. FUCK YOU
K.Weber (21.05.2007, 10:43 Uhr)
Verteidigungsarmee?
Sofortiger Abzug aller Besatzer.
Ohne wenn und aber und sofort!
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