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6. September 2007, 11:39 Uhr
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Schäuble nennt Vorbereitungen professionell

Offenbar waren die drei verhafteten Terrorverdächtigen mit den Vorbereitungen für einen Anschlag weit gediehen. Laut Generalbundesanwältin Monika Harms wollten sie derzeit mit dem Bau einer Bombe beginnen. Innenminister Wolfgang Schäuble beschrieb das Vorgehen der Verdächtigen als "professionell".

Die verhafteten mutmaßlichen Terroristen wurden per Hubschrauber zur Vernehmung nach Karlsruhe gebracht© Uli Deck/DPA

Es war ein guter Tag für Deutschland", sagte Generalbundesanwältin Monika Harms am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Karlsruhe zur Festnahme dreier Terrorverdächtiger im kleinen Örtchen Oberschlehdorn im Hochsauerlandkreis. Seit Wochen seien 300 Beamte Tag und Nacht im Einsatz gewesen, um die Terror-Zelle zu observieren. Als die drei Verdächtigen zum Bombenbau ansetzten, griffen Beamte der Einsatztruppe GSG9 am Dienstag Nachmittag zu. Neben den drei festgenommenen Terrorverdächtigen stehen sieben weitere im Fokus der Ermittler. Davon sind fünf namentlich bekannt, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

"Bislang schwerwiegendste Anschlagsplanung"

"Wir haben massive Bombenanschläge von islamischen Terroristen in Deutschland vereitelt", so Harms weiter. Die drei Festgenommenen hätten einer deutschen Zelle des internationalen Terrornetzwerks Islamische Dschihad-Union angehört. Sie hätten Terroranschläge gegen US-Einrichtungen in Deutschland vorbereitet. Im Visier hatten die Verdächtigen angeblich besonders von US-Bürgern besuchte Einrichtungen wie Discos, Pubs und Flughäfen. Bei den Anschlägen sollte es demnach "viele Tote und Verletzte geben. Es war die bislang schwerwiegendste Anschlagsplanung in Deutschland", so Harms. Nach Angaben von US-Behörden hatten die drei festgenommenen Terrorverdächtigen den Flughafen Frankfurt und die US-Luftwaffenbasis Ramstein als Hauptanschlagsziele im Visier. Die drei Männer hätten aber auch Anschläge auf andere Einrichtungen erwogen, sagte ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums in Washington. Er berief sich auf Angaben deutscher Ermittler.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lobte besonders Polizei und Sicherheitsbehörden. "Die Verhaftungen haben gezeigt, dass die Bürger auf die gute Arbeit der Sicherheitsbehörden vertrauen können. Daher stimmt mich der Tag trotz der konkreten Bedrohung positiv", sagt Schäuble auf einer Pressekonferenz in Berlin. Weder die Staats- noch die Religionszugehörigkeit seien ein Indiz, ob jemand terroristische Absichten hege oder nicht. Obwohl die Verdächtigen in starkem Maße moderne Kommunikationstechnologien wie das Internet genutzt hätten, haben Onlinedurchsuchungen laut Schäuble keine Rolle bei den Ermittlungen gespielt: "Dazu fehlt die gesetzliche Grundlage und ich halte mich an die bestehenden Gesetze", sagte er. Dennoch sprach er sich dafür aus, entsprechende Gesetze zu schaffen.

Terrorverdächtige waren hoch professionell

Die Terrorverdächtigen seien - anders als im Fall der so genannten Kofferbomber im vergangenen Jahr - hoch professionell gewesen."Sie wussten, dass sie den Behörden aufgefallen waren und haben trotzdem ihre Anschlagsvorbereitungen fortgesetzt", sagte Schäuble. Auch deuten die Ausbildung in pakistanischen Terrorcamps und die aufgefundenen militärischen Zünder auf eine internationale Verflechtung der Verdächtigen hin. Obwohl die Behörden bisher keine gesicherten Erkenntnisse über die Befehlsstrukturen hätten, sei es laut Schäuble möglich, dass die Anregung zu den Anschlägen aus Pakistan gekommen sei.

Dazu hatten sich die Verdächtigen nach Angaben der Behörden im Zeitraum von Februar bis August 2007 insgesamt 12 Fässer mit 730 Kilogramm Wasserstoffperoxid aus dem Raum Hannover besorgt und in einer Garage im Raum Freudenstadt im Schwarzwald gelagert. Aus Wasserstoffperoxid lassen sich Bomben mit hoher Sprengstoffwirkung herstellen. "Das Sprengmaterial hätte ausgereicht, um Bomben mit einer höheren Sprengkraft als bei den Anschlägen in Madrid und London zu bauen", sagte der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke.

Zugriff als Bombenbau begann

Als die Beschuldigten damit begannen, die Fässer aus dem Schwarzwald in die angemietete Wohnung im Sauerland zu schaffen und sich außerdem Zünder und andere elektronische Bauteile besorgten, verdichteten sich die Hinweise auf den beginnenden Bombenbau. Das Know-How dazu hatten sich die Festgenommenen in Ausbildungslagern demnach in Pakistan angeeignet.

Harms betonte, dass für die deutsche Bevölkerung dennoch zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden hätte. "Die Gruppierung war über viele Monate im Blickfeld der Ermittler, die Sicherheitsbehörden waren über die Aktivitäten der mutmaßlichen Terroristen ständig informiert", so Harms. "Außerdem ist es der Polizei gelungen, den Inhalt der Fässer - von den Islamisten unbemerkt - durch eine harmlose, dreiprozentige Wasserstoffperoxid-Lösung zu ersetzen."

Nach den verhaftungen seien bei Razzien in 41 Objekten in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen seien Schriftstücke, Computer, Bargeld und Datenträger sichergestellt worden, sagte Ziercke. In Ulm durchsuchte die Polizei das Islamische Informationszentrum. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 28-jährige Rädelsführer der Verdächtigen - einer der Konvertiten - aus der Ulmer Islamistenszene kommt. Das Anschlagsziel könnte in Baden-Württemberg liegen. Laut Ziercke stammt einer der festgenommenen aus diesem Bundesland und "es liegt nahe, dass sie einen Ort aufsuchen, den er genau kannte".

Dschihad-Union "Die Dschihad-Union ist eine in Zentralasien aktive sunnitische Gruppierung", so Harms. Die deutsche Zelle sei im Winter 2006 gegründet worden. Die Dschihad-Union stehe in engem Kontakt mit dem Terrornetzwerk El Kaida, ergänzte Ziercke.

Karin Spitra, Mitarbeit: Thomas Krause
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