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15. Juli 2007, 11:51 Uhr

"Schäuble schürt bewusst Hysterie"

Die Kritik an den neuen Vorschlägen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zur Terrorbekämpfung wird immer harscher: SPD-Politiker werfen ihm vor, die Große Koalition zu gefährden und nennen sein Verhalten "schäbig". Sogar Bundespräsident Wolfgang Köhler mischt sich ein.

Schäuble sieht sich harter Kritik ausgesetzt© Arnd Wiegmann/Reuters

Die Kritik der SPD an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wird immer schärfer. Der schleswig-holsteinische Innenminister Ralf Stegner warf dem CDU-Politiker vor, mit überzogenen Vorschlägen zur Terrorabwehr die große Koalition zu gefährden. "Was Schäuble betreibt, hält eine Koalition nicht ewig aus", sagte der SPD-Politiker "Bild am Sonntag". Stegner forderte Regierungschefin Angela Merkel zu einem Machtwort auf: "Die Kanzlerin und Parteivorsitzende der CDU darf sich nicht länger vornehm zurückhalten. Frau Merkel muss sagen: Jetzt ist hier aber Schluss!" Der Sprecher der sozialdemokratischen Innenminister unterstellte Schäuble parteipolitisches Kalkül: "Nach einem Terroranschlag in Deutschland will er sagen können: Hätte mich die SPD nicht gebremst, hätte es diesen Anschlag nicht gegeben." Wenn Schäuble so kalkuliere, entwickele sich das Ganze zur Koalitionsfrage, warnte Stegner. "Sein Verhalten ist schäbig und kommt an die Grenze dessen, was man verantwortungsvolle Amtsführung nennen kann. Es stellt sich die Frage nach Schäubles Eignung als Verfassungsminister", fügte er hinzu. Gerade weil er mit dem Bundesminister bislang in der Ausländerpolitik gut zusammengearbeitet habe, irritiere ihn die Maßlosigkeit sehr. "Was Schäuble vorschlägt, ist kaum zu glauben: Wenn deutsche Polizisten dazu eingesetzt würden, Terrorverdächtige umzubringen, wäre das nichts anderes als Auftragsmord."

"Bewusstes Schüren von Hysterie"

SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Jörg Tauss warf Schäuble und der Union vor, bewusst Hysterie zu schüren. "Jeder geplante oder ausgeführte Terroranschlag irgendwo führen zu Anschlägen der Union auf Grundgesetz, Bürgerrechte und Pressefreiheit", kritisierte er. "Es ist an der Zeit, dass sich Demokraten gegen Schäuble und den rechten Flügel der Union vernehmbar zur Wehr setzen." Nachdrücklich widersprach Tauss der Auffassung, es könne keine Denkverbote im Bereich der inneren Sicherheit geben: "Doch, Herr Schäuble. Es gibt in einer Demokratie Denkverbote, wo es um Folter, Todesstrafe durch die Hintertür, die Bedrohung von Grundrechten einschließlich der Pressefreiheit oder um die informationelle Selbstbestimmung geht."

CSU-Chef Edmund Stoiber ermahnte die Sozialdemokraten zur Fairness. In "Bild am Sonntag" erinnerte er daran, dass die Union nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 aufs Engste mit dem damaligen SPD-Innenminister Otto Schily zusammengearbeitet habe. "Jetzt ist die SPD am Zug, anständig mit Unions-Innenminister Wolfgang Schäuble zusammenzuarbeiten."

Bundespräsident mahnt zur Zurückhaltung

Bundespräsident Horst Köhler hat Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu mehr Zurückhaltung bei der Präsentation seiner Vorstellung von Terrorabwehr ermahnt. Zwar habe Schäuble als zuständiger Ressortchef die Aufgabe, "sich den Kopf zu zerbrechen" über geeignete Maßnahmen zum Schutz der Bürger. Allerdings halte er "die Art, wie die Vorschläge kommen", nämlich in einer Art Stakkato, für nicht optimal, sagte Köhler im ZDF-Sommerinterview. Damit würden die Bürger unnötig verunsichert, befürchtet Köhler.

Der Bundespräsident ging konkret auf einen Denkanstoß ein, den Schäuble vor einer Woche in einem "Spiegel"-Gespräch geäußert hatte: "Persönliche Zweifel" habe er daran, dass etwa "die Tötung eines vermeintlichen Terroristen ohne Gerichtsurteil so von der leichten Hand" gemacht werden könne. In diesem Punkt stünden noch Diskussionen aus. Doch am Ende, da sei er sicher, finde man "eine Lösung, die unseren rechtsstaatlichen Prinzipien Genüge tut", sagte Köhler.

Warnung vor Einschränkung der Bürgerrechte

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, hat sich gegen die Einschränkung von Bürgerrechten zur Terrorabwehr ausgesprochen. "Bin Laden hat nicht das Recht, über die Rechte der Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland zu bestimmen", sagte Gysi zu den jüngsten Vorstößen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Anti-Terror-Kampf. So sei eine "prophylaktische Todesstrafe völlig undenkbar".

"Wir brauchen einen hohen Grad an Bürgerrechten, einen hohen Grad an Demokratie. Nur dann sind wir Diktaturen weltweit überlegen", so Gysi am Sonntag in Chemnitz beim ersten Landesparteitag der neuen Partei Die Linke in Sachsen. Schäuble hatte vor einer Woche in einem "Spiegel"-Gespräch gesagt, die rechtlichen Probleme bei der Terrorabwehr in Deutschland reichten bis zu Extremfällen wie der gezielten Tötung, etwa im Fall einer Entdeckung des Terroristenführers Osama bin Laden. Er regte eine "möglichst präzise" verfassungsrechtliche Klärung und neue Rechtsgrundlagen an.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
allias (17.07.2007, 09:21 Uhr)
Bombendrohnug
das passt Schäuble wunderbar ins Konzept, oder war es von ihm gar inszeniert.
shine (16.07.2007, 15:46 Uhr)
@Terroristen zu erschießen
>> Ich glaube, dass es durchaus rechtens ist,
>> einen Terroristen zu erschießen
Wer legt - wohlgemerkt ohne Gerichtsverfahren! - fest, daß jemand ein Terrorist ist?? Und ist die Todesstrafe in Deutschland und in ganz Europa aus guten Gründen abgeschafft worden???
atride (16.07.2007, 06:20 Uhr)
alles klar?!
schäuble, dieser erfahrene politische kampfsportler wird missverstanden... bullshit!! - schäuble ist seinem amt deshalb nicht gewachsen, weil er nicht zwischen freiheit und sicherheit abwägen kann. schäuble muss weg!
hevosenkuva (16.07.2007, 01:20 Uhr)
Glück gehabt, alles nur ein Missverständnis!
die Anderen haben ihn alle falsch verstanden, durch die Bank alle, sie haben seine absolut richtigen Bemerkungen fehlgedeutet! Wolfgang Schäuble hat Recht! er hat Recht und alle Anderen haben sich geirrt, nicht richtig zugehört oder... ihn einfach missverstanden! Wolfgang Schäuble ist ein Opfer! dabei hat er doch Recht! er hat doch nur! und er will doch nur Gutes! die Anderen sind schuld!
juergenkalaehne (15.07.2007, 23:45 Uhr)
Die Welt der Herrn Schäuble...
Welchen Staat will Schäuble ? Gewalttaten lassen sich nicht durch Abschreckung, zum Beispiel mit der Todesstrafe, verhindern. Auch mit der " Ausschaltung" potentieller Gewalttäter durch gezielte Tötungen oder durch präventive Inhaftierungen kann man das Problem des Auftretens von Gewalt nicht lösen. Zudem, wir haben in Deutschland Gesetze, die in dieser Hinsicht eindeutig sind. Gut,nun rudert Schäuble unter dem Druck der Meinung der Mehrheit der Deutschen und der Auffassung des Bundespräsidenten zurück. Zudem, Überlegungen des Ministers über den Entzug des Handy oder über ein Internetverbot für potentielle Gewalttäter zeugen von großer Realitätsferne des Ministers, denn der Zugang zu diesen Medien ist Jedem zu jeder Zeit problemlos möglich. Deshalb, mehr Engagement für Freiheit, mehr Überzeugungsarbeit und mehr Einsatz für Gerechtigkeit sind überzeugendere und damit bessere Mittel, um Gewalt in unserer Gesellschaft zu minimieren. Allerdings dürfen die Mittel für die Polizei im Bund und in den Ländern nicht weiter sinken....Jürgen Kalähne, BGM
RichardRoe (15.07.2007, 19:59 Uhr)
4 Fragen
Ich würde Herrn Schäuble gern einmal 4 Fragen stellen:
1. Halten Sie Terroristen für intelligent oder strohdumm?
(wahrscheinliche Antwort: intelligent. Die dummen Terroristen sind ausgestorben worden...)
.
2. Angenommen Ihr Telefon oder PC würde von einer grössenwahnsinnigen Staatsmacht abgehört werden (z.B. von Amerika (kleiner Scherz am Rande) ;-)
würden Sie dann
a) weiterhin sensible Gespräche führen oder Daten speichern wie zuvor?
b) das Telefon oder den PC gar nicht mehr nutzen?
c) bewusste Falschinformationen über das Telefon und den PC verbreiten um Verwirrung zu stiften?
(das würde mich jetzt wirklich interessieren)
.
3. Glauben Sie das sich die Terroristen diese Fragen nicht auch gestellt, und entsprechende Schlüsse gezogen haben?
.
4. Warum wollen Sie die Überwachung trotzdem so radikal ausweiten?
killes (15.07.2007, 17:13 Uhr)
Ein Problem
Ich halte Herrn Schäuble menschlich für eine sehr angenehme und sympatische Persönlichkeit.
Jedoch drängt sich mir in letzter Zeit immer mehr der Gedanke auf, dass Herr Schäuble ein psychologisches Problem im Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Anschlag auf Ihn hat.
Auch Herr Schäuble ist kein "Übermensch" der eine extreme lebensbedrohende Situation nicht ohne Nebenwirkungen "wegsteckt".
Ein Entscheidungsträger in dieser Funktion und mit diesem Schicksal läuft leider daher auch Gefahr selbst zum Risiko zu werden.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Wehner
dyonisos75 (15.07.2007, 15:47 Uhr)
herr schäuble,
bitte rufen sie george"w"bush an,
er soll uns doch bitte etwas demokratie bringen!
dyonisos75 (15.07.2007, 15:30 Uhr)
@nostradamus
lieber nostradamus,sie sprechen mir
von der seele!
staalich gefördertes denunziantentum,jeder deutsche unter generalverdacht,abgehöhrt und überwacht;gefilmt,auf der autobahn automatisch verfolgt und fotogafiert,geruchsproben und das militär gegen bürger,staatlicher mordauftrag und militär- bzw bnd-akten die "versehentlich gelöscht"wurden,HALLO!?!?wo bitte sind wir? es erinert stark an 1933
nur sind noch die erfarungen der stasi und die moderne technik dazu gekommen!unsere konten werden offengelegt,aber die hohen herrn sind nicht bereit ihre nebeneinkünfte zu veröffentlichen.
aus unserem schönen land ist eine farce geworden! UND der oberste scheriff trug mögliherweise koffer voller schwarzgeld über die grenze.
die menschen werden ausgebeutet mit
57%steuern!mit dem geld wird dann dafür gesorgt,dass die kindersoldaten in siera-lione deutsche g3 gewehre bekommen und israel u-boote.für unsere alten und kranken bleibt da nicht viel im SOZIALSTAAT.in dießem sinne;ich bin so frei!wehret den anfängen
stasi2.0 (15.07.2007, 15:13 Uhr)
@mramorak: Kleine Nachhilfe in Staatskunde
Herr Schäuble wird zu recht kritisiert. In Deutschland herrscht nach den Erfahrungen unserer Geschichte Konsens, dass wir die Grundfesten unseres Staates die Demokratie und der Rechtsstaat sind. Schäuble wischt diesen Konsens mit seinen Vorschlägen beiseite- dafür muss man ihn kritisieren dürfen- auch mit stärkeren Worten! Wenn Leute auf "Verdacht" erschossen werden, so stellt sich der Staat auf die gleiche Stufe wie die Terroristen. Vor allem, was willst Du den Angehörigen erzählen, wenn es trotz aller Sorgfalt einen Unschuldigen getroffen hat? Schäubles Vorschläge sind reiner Aktionismus- während sich die Polizei mit analogen Funkgeräten herumschlägt...
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