3. Januar 2013, 17:17 Uhr

CDU und Linke nehmen Augstein in Schutz

Die Muslimbrüder, das iranische Regime und der deutsche Verleger Jakob Augstein sind für das Simon-Wiesenthal-Zentrum Antisemiten. Doch Augstein wehrt sich, mit Unterstützung aus CDU und Linken.

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Weil Jakob Augstein Israel kritisiert hat, setzte ihn das Simon-Wiesenthal-Zentrum auf eine Liste der schlimmsten Antisemiten©

Politiker von CDU und Linken haben den Journalisten und Verleger Jakob Augstein gegen Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz genommen. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte den Herausgeber der linken Wochenzeitung "Freitag" wegen Israel-kritischer Äußerungen auf einer Rangliste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt auf Platz neun gesetzt. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner und Linksfraktionschef Gregor Gysi kritisierten die Entscheidung. Augstein selbst sprach von Diffamierung.

Das Wiesenthal-Zentrum verteidigte dagegen die Rangliste, die von den ägyptischen Muslimbrüdern und dem iranischen Regime angeführt wird. Als Beleg für die Aufnahme Augsteins listet die nach dem Holocaust-Überlebenden und Nazi-Jäger Simon Wiesenthal benannte Organisation Israel-kritische Zitate Augsteins auf. Darin schließt sich der 45-Jährige der Einschätzung des Literatur-Nobelpreisträgers Günther Grass an, die Atommacht Israel sei eine Gefahr für den Weltfrieden. Zudem vergleicht er die ultraorthodoxen Juden in Israel, die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachten, mit islamischen Fundamentalisten.

Das Wiesenthal-Zentrum zitiert auch den aus einer jüdisch-polnischen Familie stammenden Publizisten Henryk M. Broder mit den Worten, Augstein sei ein "lupenreiner Antisemit", ein Überzeugungstäter, der die Chance auf eine Karriere bei der Gestapo nur verpasst habe, weil er nach dem Krieg geboren sei.

Regierungen zu kritisieren sein sein gutes Recht

Klöckner sagte dagegen, wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiere, sei das sein gutes Recht. "Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt." Ähnlich äußerte sich Gysi. Augstein sei ein herausragender kritischer Journalist, der teils berechtigte, teils unberechtigte Kritik an der Politik der israelischen Regierung übe. "Deshalb aus ihm einen Antisemiten schmieden zu wollen, geht völlig fehl und unterstützt den schleichenden Antisemitismus."

Der Sohn des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein zollte dem Wiesenthal-Zentrum, das sich vor allem dem Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus verschrieben hat, zwar seinen Respekt, fügte aber hinzu: "Umso betrüblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwächt wird. Das ist zwangsläufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird."

Antisemitismus-Vorwurf als "pauschale Keule"

Der für die Erstellung der Rangliste zuständige Mitarbeiter des Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, blieb bei seiner Auswahl. "Wenn jemand in dieser Position ein Bild zeichnet, wonach zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel, die ja auch eine religiöse Bevölkerung ist, von den Deutschen genauso gesehen werden sollten wie islamische Extremisten und Terroristen, dann ist das nicht nur komplett unrichtig und falsch, sondern dann überschreitet er die Grenze, was Dämonisierung angeht", zitierte ihn die ARD.

Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Klaus Holz, warf dem Wiesenthal-Zentrum dagegen vor, den Antisemitismus-Vorwurf zu einer "pauschalen Keule" zu machen. Den Augstein-Kritiker Broder bezeichnete er laut Deutschlandradio Kultur als "Pöbler". Viele Intellektuelle duckten sich bei solchen Debatten weg und räumten damit das Feld für "die Broders dieser Welt", sagte Holz.

DPA
 
 
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