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Briefwahl: Das müssen Sie tun, wenn Sie den Wahlbrief noch nicht abgeschickt haben

Für die Bundestagswahl können Sie ihre Stimme auch per Briefwahl abgeben. Wenn Sie vergessen haben, den Wahlbrief abzuschicken, haben Sie auch noch am Sonntag die Möglichkeit, ihn abzugeben.

Briefwahl zur Bundestagswahl 2017: Ein roter Wahlumschlag wird in einen Briefkasten in Berlin gesteckt

Immer mehr Deutsche entscheiden sich für die Briefwahl. Wer sicher gehen will, dass seine Stimme gezählt wird, sollte die Unterlagen bald abschicken. 

Der Anteil der Wähler, die ihr Kreuzchen auf dem Postweg machen, steuert in diesem Jahr auf ein Rekordhoch zu. Die Nachfrage nach Briefwahl-Unterlagen ist in vielen Deutschen Städten so hoch wie nie zuvor, wie eine dpa-Umfrage ergab. Wer die Unterlagen bis Sonntag vergessen hat abzuschicken, hat trotzdem noch eine Option: Der Wahlbrief kann auch persönlich abgegeben werden. "Wahlbriefe mit dem ausgefüllten Stimmzettel für die Bundestagswahl 2017 müssen spätestens am Wahltag, also am kommenden Sonntag, dem 24. September 2017, bis 18 Uhr bei der zuständigen Stelle eingegangen sein", teilt der Bundeswahlleiter dazu mit. Die für Sie zuständige Stelle steht auf dem Wahlbriefumschlag. Mit dem Wahlschein aus Ihren Briefwahlunterlagen können Sie aber auch einfach in Ihrem Wahllokal abstimmen gehen.

Immer mehr Deutsche nutzen Briefwahl

Seit 1957 ist es möglich, bei der Abstimmung über den nächsten Bundestag auf postalischem Weg teilzunehmen. Mit den Jahren hat der Anteil der Briefwähler unterm Strich stetig zugenommen: Während sich vor 60 Jahren keine fünf Prozent der Wahlberechtigten für diese Option entschieden, gaben 2013 genau 24,3 Prozent, also rund ein Viertel der Wähler, ihre Stimme auf dem Postweg ab.

In diesem Jahr wird der Anteil wohl noch größer sein: Laut einer aktuellen Umfrage planen 30 Prozent der Bürger, die wählen wollen, dies per Briefwahl zu tun. Vor allem in den größeren Städten setzt sich der Trend durch:

  • Köln rechnet mit einem Rekord von 200.000 Briefwählern.
  • In Düsseldorf liegen bereits 50.000 Anträge vor, die Stadt rechnet mit insgesamt 100.000. Das wären 10 Prozent mehr als bei der letzten Bundestagswahl.
  • Die Hamburger haben bis Ende vergangener Woche bereits mehr als 270.000 Briefwahlunterlagen beantragt. 


Durch die hohe Zahl der Briefwähler wird ein erheblicher Teil der Stimmen schon vor dem eigentlichen Wahltermin abgegeben. Die Entwicklung führt Bundeswahlleiter Dieter Sarreither auf die "immer mobilere und flexiblere Gesellschaft" zurück. Das Angebot gebe vor allem der steigenden Zahl älterer Wähler und Menschen, die sonntags arbeiten, die Möglichkeit, zu wählen, sagte er dem Nachrichtensender " aktuell".

Wenn auch Sie die Möglichkeit der Briefwahl nutzen möchten, finden Sie hier alle relevanten Informationen.

Vor der Wahl: Wie kann ich Briefwahl beantragen?

Wer postalisch wählen möchte, muss einen Wahlschein beantragen. Der Bundeswahlleiter empfiehlt auf seiner Website, dies so früh wie möglich zu tun. Der Wahlschein mit den beigelegten Briefwahlunterlagen kann jedoch erst ausgegeben werden, wenn die teilnehmenden Parteien und Direktkandidaten für die Bundestagswahl endgültig feststehen. 2017 endete die Zulassung am 8. August.

Die Wahlbenachrichtigung enthält bereits einen Antragsvordruck, der bei der Gemeinde des Hauptwohnortes gestellt wird. Auch persönlich, per E-Mail - und in manchen Gemeinden sogar online - ist die Beantragung möglich, die in der Regel bis 18 Uhr am Freitag vor der Bundestagswahl erfolgen muss. Seit 2009 muss dem Antrag keine Begründung für die Entscheidung zur Briefwahl mehr beiliegen.

So läuft die Briefwahl ab 

Die anschließend versandten Briefwahlunterlagen enthalten neben dem Wahlschein einen amtlichen Stimmzettel, einen blauen Stimmzettelumschlag und einen roten Wahlbriefumschlag. Ein beigefügtes Merkblatt fasst alle Hinweise für die Briefwahl zusammen.

Das Ausfüllen des Stimmzettels erfolgt wie bei der Stimmabgabe im Wahllokal: In der linken Spalte wird ein Kreuz für den Direktkandidaten gesetzt, die Zweitstimme für eine Partei gibt der Briefwähler in der rechten Spalte ab. Der Stimmzettel muss anschließend in den blauen Umschlag gelegt und zugeklebt werden. Dieser Umschlag wird wiederum mit der unterschriebenen eidesstattlichen Erklärung auf dem Wahlschein in dem roten Umschlag verstaut. Porto fällt für Wahlbriefe nur dann an, wenn Sie die Unterlagen aus dem Ausland versenden. In jedem Fall müssen die Briefwahlunterlagen bis spätestens 18 Uhr am Wahlsonntag bei der zuständigen Stelle eingehen. Daher sollten Sie den Wahlbrief innerhalb Deutschlands spätestens am 21. September abschicken.

Sollten Sie sich schließlich aber doch dafür entscheiden, lieber in ein zu gehen: Mit dem erhaltenen Wahlschein können Sie ihre Stimme in einem beliebigen Wahlbezirk Ihres Wahlkreises abgeben.

Haben Briefwähler einen Nachteil? 

Damit das Wahlgeheimnis gewahrt wird, trennen ehrenamtliche Helfer bei allen gültigen und fristgerecht eingegangenen Wahlbriefen Wahlschein und verschlossenen Stimmzettelumschlag voneinander. Nach Ende der Wahlzeit werden die Ergebnisse ausgezählt. Diese können dann bereits in das vorläufige Wahlergebnis einfließen.

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen erheben sich immer wieder kritische Stimmen gegen die Briefwahl. Der Göttinger Staatsrechtler Dr. Alexander Thiele befürchtet eine Verfälschung der Wahlergebnisse durch den vorgezogenen Abstimmungszeitpunkt. In einem Interview mit der "Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA) stellt er die provokante Frage: "Was ist, wenn Frau Merkel morgen stirbt, der Wähler aber schon sein Kreuz für sie und die CDU gemacht hat?". Worauf der Privatdozent hinaus will: Per Briefwahl ist eine Abstimmung bereits Wochen vor dem Wahltermin möglich - in dieser Zeit kann vieles passieren, was die Wahlentscheidung beeinflusst. So zum Beispiel der Tod eines Spitzenkandidaten. Der Kenntnisstand der Wähler ist zum Zeitpunkt der Wahl also nicht zwangsläufig der gleiche. 

Um dem entgegenzuwirken fordert Thiele eine Beschränkung der Briefwahl in Ausnahmefällen wie Krankheit oder geschäftlichen Reisen. Den Wahltag will der Jurist außerdem auf einen Mittwoch verlegen und ihn zum bundesweiten Feiertag erklären: "Die Menschen bekommen dann frei, nur wegen der Wahl. Dann treibt einige schon das schlechte Gewissen zur Abstimmung." 

Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Der Trend zur Briefwahl war auch vor Thiele schon staatsrechtlich umstritten. Das Problem: In den eigenen vier Wänden kann die Einhaltung der Wahlgrundsätze nicht kontrolliert werden. Nach Artikel 38 des Grundgesetzes sind die Parlamentswahlen allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim. Ob der Wähler daheim jedoch wirklich selbst, unbeobachtet und unbeeinflusst den Wahlschein ausfüllt, kann niemand prüfen oder gewährleisten.

Im Jahr 2013 wurde sogar vor dem Bundesverfassungsgericht um das Für und Wider der Briefwahlen gestritten - allerdings mit Blick auf die Europawahlen. Die obersten Richter erklärten die Briefwahl ohne Angaben von Nutzungsgründen für verfassungskonform. Die Grundsätze der freien und geheimen Wahl sowie der Öffentlichkeit der Wahl würden hierdurch nicht verletzt.


Ob Briefwahl oder nicht: Sie sind noch unschlüssig, welcher der mehr als 40 antretenden Parteien Sie ihre Stimme geben werden? Der stern stellt Ihnen einige Entscheidungshilfen vor:

fri/sve mit Agenturen

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