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27. April 2009, 11:33 Uhr

Hartz wirkt

Positive Signale für Ältere und Ostdeutsche, keine Besserung für Langzeitarbeitslose: Die arbeitgebernahe "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" hat die Wiedereinstiegschancen von Erwerbslosen in den Job untersucht. Von Torben Waleczek

Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Hartz

Arbeitsagentur in Dresden: Laut einer neuen Studie haben sich die Chancen für ostdeutsche Arbeitslose verbessert© AP/Matthias Rietschel

Die Krisenprognosen klingen bedrohlich: Auf bis zu 4,7 Millionen könnte die Zahl der Arbeitslosen 2010 angesichts des massiven Konjunktureinbruchs ansteigen. Eine neue Studie der arbeitgebernahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) zeigt aber, dass die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt gewachsen ist - die Hartz-Reformen aus der Ära Schröder scheinen zu wirken. Besonders profitieren konnten davon ältere und ostdeutsche Arbeitslose - ihnen gelang der Wiedereinstieg in den Job zuletzt deutlich besser als vor den Reformen. Die Ergebnisse könnten darauf hinweisen, wie es um die Arbeitsvermittlung in Deutschland bestellt ist - und sie zeigen, welche Chancen verschiedene Gruppen von Arbeitslosen auf eine neue Beschäftigung haben. Das Papier der "INSM" ist also auch für viele hunderttausend Menschen interessant, die infolge der Krise von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Mit Blick auf den Urheber der Studie ist aber zunächst eine gewisse Vorsicht geboten. Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" gilt als Lobbygruppe der Arbeitgeber, die die Öffentlichkeit für marktliberale Reformen begeistern will. Von ihr stammt der Slogan: "Sozial ist, was Arbeit schafft." Finanziert wird sie durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie, deren Interessen sie so auch vertritt. Gut möglich also, dass die Vordenker des freien Marktes, die im Zuge der Krise in arge Erklärungsnot geraten sind, jetzt die publizistische Gegenoffensive antreten wollen. Aber immerhin: Grundlage der Untersuchung ist eine als seriös und aussagekräftig anerkannte Langzeituntersuchung deutscher Haushalte, die schon seit 1983 durchgeführt wird: das so genannte sozio-ökonomische Panel. Die Zahl der befragten Personen ist hier deutlich größer als bei herkömmlichen Umfragen - deshalb gelten Studien, die darauf basieren, als besonders zuverlässig. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin erstellt wurde, verwendet Zahlen von 2002 bis 2007. Aktuellere Zahlen aus dem Panel sind noch nicht verfügbar. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist also noch nicht abgebildet.

Ein Erfolg der Arbeitsmarktpolitik

Ein erfreuliches Fazit zieht die "INSM"-Studie jetzt für zwei chronische Problemgruppen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Wiedereinstiegschancen von ostdeutschen wie auch von älteren Arbeitslosen haben sich in den letzten Jahren demnach spürbar verbessert. Fraglich bleibt zwar, ob das ein Ergebnis der Hartz-Reformen darstellt - oder ob das der damals guten konjunkturellen Entwicklung zu verdanken ist. Schließlich erlebte die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2006 und 2007 ein kräftiges Wachstum. Doch die Autoren der neuen Studie schreiben der Politik immerhin einen gewissen Anteil an der verbesserten Situation für ostdeutsche und ältere Menschen zu. "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass mit Blick auf diese beiden Problemgruppen den entsprechenden politischen Maßnahmen in der Summe ein gewisser Erfolg beschieden war", heißt es in dem Bericht. Dabei sind die klassischen Vollzeitbeschäftigungen tendenziell rückläufig, immer häufiger dagegen steigen Arbeitslose in Teilzeitstellen oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse ein. Und das, obwohl die meisten von ihnen gern länger arbeiten würden, als es ihr Arbeitsvertrag vorsieht.

Keine Besserung für Langzeitarbeitslose

Schlechter als bei Ostdeutschen und Älteren ist die Bilanz für die Gruppe der Langzeitarbeitslosen. Deren "Aktivierung" für den Arbeitsmarkt war eines der erklärten Ziele der Hartz-Gesetze. Doch laut "INSM" haben sich die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose trotz der Reformen nicht spürbar verbessert. Sie konnten von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht profitieren. Neben den einzelnen Arbeitslosengruppen untersucht die Studie auch die Wege, auf denen Menschen einen neuen Job gefunden haben. Generell gilt: Die wichtigste Informationsquelle auf der Suche nach Arbeit sind Freunde und Bekannte. Am zweitwichtigsten ist die öffentliche Arbeitsvermittlung, dicht gefolgt von den Zeitungen. Das Internet landet als Informationsquelle insgesamt auf einem hinteren Platz, für jüngere und hochgebildete Arbeitslose gewinnt das Web aber immer mehr an Bedeutung. Für die Krisenjahre 2009 und 2010 bietet die Studie aber immerhin einen gewissen Orientierungspunkt: Die verantwortlichen Politiker bekommen eine Ahnung davon, welchen Gruppen die Hartz-Reformen von Gerhard Schröder geholfen haben - und davon, wo es noch viel zu tun gibt.

Von Torben Waleczek
 
 
KOMMENTARE (10 von 48)
 
Countryjoe (30.04.2009, 11:03 Uhr)
Statistikschwindel und Massenarmut.
Dank Hartz4 lassen sich die Statistiken noch besser verfälschen als vorher schon und da man ja seine Altersvorsorge in den Wind schreiben kann ist die Massenarmut auch gesichert. Hauptsache den Bonzen gehts gut.
Westerle.Merkwelle (29.04.2009, 17:48 Uhr)
Die Wahllügen von CDU/CSU, SPD und FDP - Hier: Hartz IV hilft den Arbeitslosen
Seit Wochen will man uns einschläfern mit der Behauptung, dass die Wirtschaftskrise nicht so schlimm sei und bis zum Jahresende alles wieder so weiter gehen können wie früher. Leider fallen darauf die meisten Leute herein und geben ausgerechnet denjenigen im Herbst wieder ihre Stimme, die durch ihre neoliberale Politik der letzten Jahre die Wirtschaftskatastrophe zu verantworten haben.
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Bis heute belügen uns die Politiker über das wahre Ausmaß der Katastrophe. Sie tun alles, um bis zur Bundestagswahl die Ursachen und Folgen zu vertuschen und schön zu reden.
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Staatsbankrott droht in mehreren Ländern
Da hier auch EU Länder betroffen sind, könnte dies das Ende des Euro sein - mit unübersehbaren Folgen für unsere Ersparnisse!
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,7527184,00.html
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Verbrennt der Staat unser Geld?
Während für Bildung, Gesundheit, Arbeitslose und Rentner kein Geld da ist, werden mehrere Billionen € bzw. $ für die Alimentierung von Banken bereitgestellt. Machen wir uns nichts vor: Das kann nur in einer Hyperinflation enden.
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Die große Rechnung der Politiker kommt noch: Am Montag nach der Bundestagswahl. 08:00 Uhr!!
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Schamlose Lügen und Schönfärbereien. Zum Beispiel: "Harz IV hilft den Arbeitslosen. "
Das wichtigste Enteignungs- und Versklavungsgesetz der jüngeren deutschen Geschichte wurde bezeichnenderweise nach einem der korruptesten Industriemanager benannt. die Hartz-IV Gesetzgebung ist für viele Menschen zum Albtraum geworden. Denn Harz IV enteignet diejenigen, die durch Arbeitslosigkeit öffentliche Unterstützung benötigen. Inzwischen gibt es 9 Millionen Arbeitslose (inkl. Dunkelziffer) - Tendenz stark steigend in den nächsten Monaten. Die meisten dieser Menschen werden keine Aussicht mehr auf einen neuen Job haben, denn die Deindustrialisierung Deutschlands findet schon seit Jahren statt. Wenn die Menschen einen Job bekommen, dann nur einen, der deutlich schlechter bezahlt wird. Wer mehr als 4 Jahre ohne Job ist, muss erleben, dass sein Beruf nicht mehr anerkannt wird.
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Mehr gibt es hier:
http://www.die-linke.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=4174&tx_ttnews[backPid]=9&no_cache=1
ganzbaf (28.04.2009, 09:33 Uhr)
Hömma....

Freundchen, mach´ hier Deutschland nicht schlecht!
Dat heißt "TAFELN", nich Suppenküchen, OK???
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;-Ä
pitterdo (28.04.2009, 09:16 Uhr)
Hartz wirkt wirklich
Nirgendwo in Europa gibt es so viele Suppenküchen wie in Deutschland.
aeternitas (28.04.2009, 08:51 Uhr)
Ein Fallbeispiel
"Wernshausen/Schmalkalden - Zwei Jungs nutzen ihre Schulferien, um arbeiten zu gehen. Sie wollen Geld verdienen, um sich etwas leisten zu können, was für viele Gleichaltrige nichts Besonderes ist: Neue Kleidung und mal ins Kino gehen. Die beiden Brüder aus Wernshausen reinigten im Sommer vergangenen Jahres Parkanlagen in Schmalkalden, strichen Geländer und erneuerten Bänke. Nach zwei Wochen nahmen sie stolz ihren wohlverdienten Lohn entgegen: 246 Euro für jeden von ihnen. Nun, Monate später, soll ihnen ein Großteil dieses Geldes wieder weggenommen werden: Von der Agentur für Arbeit.
[...]
"Es ist zu begrüßen, wenn Jugendliche aus Familien mit Bezug von ALG II durch Ferientätigkeit etwas verdienen und sich auch so auf eine Ausbildung vorbereiten. Die Enttäuschung, dass das Arbeitseinkommen der Söhne teilweise auf das an die Familie gezahlte ALG II und Sozialgeld angerechnet werden muss, kann ich auch menschlich gut verstehen", sagt Frank Fleischmann, Sprecher der Agentur für Arbeit in Suhl, zu der die Außenstelle in Schmalkalden gehört. "Die Eltern aber hätten wissen müssen, dass sie verpflichtet sind, die Tätigkeit der minderjährigen Söhne und das daraus erzielte Einkommen der Arbeitsagentur mitzuteilen. "
(aus der Südthüringischen Zeitung http://www.stz-online.de/nachrichten/thueringen/seite3thueringenstz/art2448,925441)
Ist das nicht zynisch und böse? Liebe Sternredaktion? Lieber Autor?
DAS ist Hartz4! Die Menschenwürde wird mit Füßen getreten und noch bespuckt durch die Chefzyniker vom Amt.
Übrigens können Hartz4 Empfänger auch nicht einfach so mal wegfahren. Sie müssen sich immer zur Verfügung halten und sich, wenn sie in den Urlaub gehen, abmelden. Am Tag nach der Rückkehr wird man dann auffallend häufig zum Gespräch bestellt, damit auch keiner auf die Idee kommt, noch einen Tag dranzuhängen... aber versucht mal einen Termin eurer Wahl dort zu bekommen!
aeternitas (28.04.2009, 08:38 Uhr)
Hartz4-Empfänger
- bekommen ihr Kindergeld auf die Hartz4- Sätze angerechnet, ebenso die Kindergelderhöhung
- bekommen ihre Abfindung auf Hartz4 angerechnet, d.h. so lange sie ihre Abfindung verbrauchen: kein Hartz4
- dürfen ihr altes Auto nicht abwracken, weil auch das angerechnet wird
- Kinder von Hartz4 Empfängern dürfen/sollen keine Ferienjobs annehmen, da ihr Lohn auf das Hartz4 der Eltern angerechnet wird
- Kinder von Hartz4 dürfen weder Geld- noch Kleidergeschenke annehmen, weil auch das als Zugewinn gilt und mit dem Hartz4-Satz verrechnet wird
- trauriger Höhepunkt war, als einem Hartz4-empfangenden Bettler sein Hartz4 wegen Zugewinn gekürzt wurde (wurde zum Glück wieder zurückgenommen!)
- wenn heute eine noch so unseriöse Firma der Bundesagentur ein Jobangebot abgibt und der betroffene Arbeitslose den Job nicht annehmen will, wird gekürzt.
Das wirkt prima! Die Frage ist: wofür? Die Antwort: Millionen von gefügigen Arbeitnehmern! Heute wird man schon wegen 1,30 unterschlagener Pfandbons, die dem Arbeitgeber noch nicht einmal gehören von einer Richterin gekündigt, die im Nebenjob Seminare anbietet, wie man unkündbare Mitarbeiter loswird. Wer wird da noch irgendwie negativ auffallen wollen, wo man doch täglich das Hartz4-Elend und die Schlangen vor den Suppenküchen sieht?
Wer nimmt nicht jede Arbeit zu jedem noch so schäbigen Lohn an, solange einem die totale Arbeitslosigkeit erspart bleibt?
Die Frage lautet doch: wem nützt Hartz4? Nicht den ArbeitNEHMERN sondern nur und einzig den ArbeitGEBERN, die gute Leute zu Spottpreisen bekommt, die Differenz zu 7,50 Stundenlohn zahlt ja der Staat...
Frank44 (28.04.2009, 07:43 Uhr)
Propaganda für den Wahlkampf
Die Wahlen stehen vor der Tür und die Zahlen müssen stimmen!
Natürlich wird uns seit Jahren vorgegaukelt,daß Hartz-IV ne gute Sache ist,denn es traut sich niemand in der SPD/CDU/CSU/FDP/Grüne die Wahrheit zu sagen und zuzugeben,daß H4 nicht der richtige Weg war!
Ein SPDler hat mal gesagt "Wir können Hartz-IV nicht abschaffen,weil wir die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes nicht entlassen können und irgendwo beschäftigen müssen"-Was das wohl zu bedeuten hat!?
Desweiteren ist Hartz-IV eine "gute" Methode,die Menschen unter Druck zu setzen und zu kontrollieren,da brauchste keine STASI!
Warum sollte man Hartz-IV also abschaffen?!
Außerdem ist eine gewisse hohe Anzahl von Arbeitslosen wichtig für das Arbeitgeberlager,denn so kann man die Arbeiter und Angestellten,sowie die Arbeitslosen selbst, prima unter Druck setzen!
Die Arbeiter und Angestellten lassen sich den Lohn kürzen,arbeiten auch gern länger unbezahlt,denn draußen stehen ja 100 andere Leute,die die Arbeit gern machen würden und die Arbeitslosen kann man herrlich zu Billigjobs oder unbezahlter Praktika zwingen,da sie ansonsten das ALG 2 gestrichen bekommen.
Das ist toll,was!?Der Stern macht sich zum Sprachrohr der "Mächtigen"!
utospatz (27.04.2009, 23:56 Uhr)
Hartz-Puff wirkt dank Schröder
immer! So sang Putin mit nackter Brust, im Beisein von Gaz-Prom-Gerd die Waldeslust! Oh Herr, was ein sozialpolitischer Verlust!
Hat irgend ein Arschloch tatsächlich sozialpolitisch gewählt? Was für armselige Arschlöcher!
walhalla (27.04.2009, 21:11 Uhr)
Ja, so ist es.
Arbeitgeber geben Arbeit, oder auch nicht.Sternredakteure sind blöd, oder auch nicht.Suchen wir es uns einfach aus.
Hartmut1959 (27.04.2009, 20:55 Uhr)
HarzIV wirkt
als hervorragendes Eigentor der SPD. Wer weiß, ob sich diese sPD jemals wieder von ihrer größten Fehlentscheidung erholen wird ...
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