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17. Dezember 2007, 14:58 Uhr

Wer bekommt alles einen Mindestlohn?

Arbeitsmarkt

In mindestens zehn Branchen will die SPD Mindestlöhne über eine Ausweitung des Entsendegesetzes durchsetzen. stern.de stellt einige davon vor und sagt, in welchen es wirklich zu einer Lohnuntergrenze kommen könnte.

Verdi will deutschlandweiten Mindestlohn von 7,50 Euro© Wolfgang Kumm/dpa

Der Mindestlohn in der Post-Branche ist erst der Anfang. Die SPD möchte in mindestens zehn Branchen über eine Ausweitung des Entsendegesetzes Mindestlöhne durchsetzen. Als nächstes sind die Zeitarbeiter dran: Die Sozialdemokraten wollten die Zeit- und Leiharbeit als Instrument beibehalten, die Arbeitnehmer aber schützen, sagte SPD-Chef Kurt Beck in Berlin. Es gehe um den Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit".

CSU-Chef Erwin Huber kritisierte den Vorstoß der SPD, den Mindestlohn auf weitere Branchen auszuweiten. "Es kann nicht sein, dass in einer Art Salami-Taktik jetzt Branche für Branche drankommen soll», sagte Huber. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ist besorgt: "Nach dem Post-Mindestlohn ist der nächste Dammbruch bei der Zeitarbeit zu befürchten", schrieb Glos in einem Brief an die Unionsfraktion. Sollte die Deregulierung der Zeitarbeit wieder rückgängig gemacht werden, "droht der Verlust vieler Arbeitsplätze".

stern.de stellt verschiedene Branchen und den Stand der Verhandlungen vor.

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Fleischerverarbeitung

Immer wieder gibt es Schlagzeilen über osteuropäische Billig-Areitskräfte, die am Tag zwölf Stunden arbeiten und 3,50 Euro pro Stunde verdienen. Der Deutsche Fleischerverband ist auch deshalb grundsätzlich für einen Mindestlohn. "Wer qualifiziert ist, muss auch entsprechend entlohnt werden", sagt Sprecher Gero Jentsch. Eine deutschlandweit einheitliche Lohnuntergrenze hält er jedoch für nicht praktikabel. Es muss zwischen Ost und West und auch regional differenziert werden.

"Wenn eine Wettbewerbsverzerrung verhindert werden soll, sind wir offen für Gespräche", so Jentsch. Zu einer möglichen Höhe wollte sich der Verband jedoch nicht äußern. Die Gewerkschaft NGG hat bereits um Verhandlungen gebeten - erste Treffen wird es jedoch erst 2008 geben.

Entsorgungswirtschaft

Der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft macht sich für einen eigenen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde stark. "Wer den ganzen Tag arbeitet, muss von seinem Lohn leben können", heißt es vom Verband. Zudem könnten Aufträge nicht mit Lohn-Dumping an Land gezogen werden. Die Gewerkschaft Verdi will jedoch mehr als zehn Euro pro Stunde durchsetzen. Die Gespräche sind deshalb weit davon entfernt, breits in einem Kompromiss zu münden.

Um einen bundeseinheitlichen gesetzlichen Mindestlohn über das Entsendegesetz zu erreichen, müssen die kommunalen Entsorger zudem zwingend beteiligt sein. Voraussetzung ist ein Tarifvertrag, der für mindestens die Hälfte der Arbeitnehmer einer Branche gilt. Bei den Kommunen arbeiten 90.000 der insgesamt 160.000 Mitarbeiter der deutschen Entsorgungsbranche.

Wachdienste

Gerade den Wachdiensten wird oft Lohn-Dumping vorgeworfen. Der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) zeigt sich offen für einen Mindestlohn. Was fehlt, ist ein bundesweit geltender Tarifvertrag. Erste Gespräche hat es mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aber schon gegeben.

Derzeit verdient ein Wachmann zwischen 4,40 Euro in Sachsen-Anhalt und 7,88 Euro die Stunde in Baden-Württemberg. Die Arbeitgeber sind bereit, diese Stundenlöhne – nach bestimmten Regionen differenziert – auf 5,20 bis acht Euro anzuheben. Ob dies Verdi reicht, ist ungewiss. "Die politische Forderung nach 7,50 Euro bundesweit können wir nicht zahlen", sagt BDWS-Hauptgeschäftsführer Harald Olschok.

Garten- und Landschaftsbau

Hier möchte die IG Bau gerne einen branchenweiten Mindestlohn durchsetzen. Die Arbeitgeber haben aber bisher jeglichen Gesprächswunsch abgelehnt. "Wir brauchen keinen Mindestlohn", heiß es vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau.

Die Arbeitgeber verweisen auf die aus ihrer Sicht schon jetzt hohen Stundenlöhne. Ein ungelernter Aushilfsgärtner verdient demnach 8,32 Euro pro Stunde. Die Gewerkschaft den Kampf aber noch nicht aufgegeben und will im neuen Jahr den Druck verstärken.

Einzelhandel

Die Gewerkschaft Verdi will im deutschen Einzelhandel einen Mindestlohn von 1500 Euro pro Monat durchsetzen, beißt aber bei den Arbeitgebern auf Granit. In laufenden Tarifgesprächen - bei denen es hauptsächlich um die Zuschläge für Arbeit am Abend und am Wochenende geht - spielt der Mindestlohn nur eine untergeordnete Rolle.

Nach Ansicht des Branchenverbands HDE sind gesetzliche Mindestlöhne nicht beschäftigungsfördernd. "Die populistische These, dass jeder von seinem Arbeitseinkommen leben können muss, führt in dieser Debatte nicht weiter", sagt HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Zu vielschichtig seien die Zusammenhänge zwischen der staatlichen Sozialpolitik und den Arbeitsmarktbedingungen für die Wirtschaft.

Zeitarbeit

In der Zeitarbeitsbranche haben die Arbeitgeberverbände BZW und IgZ mit den Gewerkschaften bereits einen Branchen-Tarifvertrag, der auch einen Mindestlohn enthält, geschlossen. Er sieht eine Lohnuntergrenze von 7,15 Euro vor, die im kommenden Jahr auf 7,38 angehoben werden soll. "Der Branchenmindestlohn ist aus unserer Sicht marktverträglich, wirtschaftlich vertretbar und mit Augenmaß abgeschlossen", sagt BZA-Präsident Volker Enkerts.

Ein Antrag auf eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung liegt beim Bundesarbeitsministerium, ist aber noch nicht entschieden. Grund sind weitere Tarifverträge, die der Christliche Gewerkschaftsbund geschlossen hat. Der DGB will nicht mit den anderen Gewerkschaften zusammenarbeiten.

KOMMENTARE (10 von 13)
 
algernon (20.12.2007, 23:38 Uhr)
... 5 Euro ...
Sorry ... habe ich vergessen ...
Kann sich denn einer unserer im internationalen Vergleich unterbezahlten Manager vorstellen wie das ist, für 10 Stunden Arbeit 50 Euro Lohn zu bekommen und dann noch im Weihnachts-Konsum-Terror Weihnachtsgeschenke auszusuchen ???
algernon (20.12.2007, 23:30 Uhr)
Hochqualifiziert für 5 Euro ...
Meine Frau arbeitet als Tagesmutti für 5 Euro die Stunde.
Offiziell und angemeldet.
Sie ist für diesen Job 'höchst-qualifiziert' auch ohne
Abitur und Studium und ermöglicht so einer 'höherqualifizierten'
Frau ihrem Beruf nachzugehen - was diese bei 10 Euro die Stunde
nicht finanzieren könnte.
Wer hilft da jetzt wem ...
Da ist er wieder unser Solidaritätspakt. Respekt und Anerkennung für
Jedermann (-frau) ist gefordert !
Die Schande ist nicht für 5 Euro die Stunde zu arbeiten, sondern
das damit in Deutschland niemand glücklich leben kann.
Roy05441 (20.12.2007, 20:14 Uhr)
Eins, Zwei, Drei..
wer hat ihn schon, einen christlichen Merkel-Mindest-Lohn?
Mein Gott, was sind die Alle christlich, schon bei den nächsten Qualen ist Alles vermisslich!
redunicorn (20.12.2007, 19:14 Uhr)
ich fasse es nicht,
die Zeche zahlt also der "normale" Bürger. Soweit sind wir also schon, dass die, die von Mindestlöhnen profitieren würden, keine normalen Bürger mehr sind. Armes Deutschland.
undjetztnochder (18.12.2007, 10:19 Uhr)
Wer Mindestlöhne fordert
muss sich auch darüber klar sein, welche Konsequenzen das hat. Da, wo es praktikabel ist, werden die Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Ja, dann gibt es zwar den Mindestlohn, aber es gibt im Extremfall niemanden, der den auch bekommt. Weil die entsprechenden Arbeitsplätze dann einfach mal weg sind. - Oder, die Jobs können nicht ins Ausland verlegt werden. Dies ist z.B. bei vielen Dienstleistungen der Fall (Frisör, Müllabfuhr, Postzustellung etc. kann man eben nur "vor Ort" erledigen). Konsequenz: die Preise für diese Dienste werden steigen. Das muss man ehrlicherweise auch sagen, wenn man das will. Die Zeche dafür zahlt dann wieder der normale Bürger - und je weniger Einkommen er hat, um so stärker wird es ihn treffen. Ich erinnere da nur an das große Stöhnen über die gestiegenen Preise für Energie oder Lebensmittel in den letzen Monaten.
Knuffiman (18.12.2007, 10:19 Uhr)
@ _SCT_ noch einer
der nicht überlegt bevor er schreibt. Es kommt ja wohl immer noch auf die Branche an.... Was bitte soll man denn falsch machen, wenn es vor 7-8 Jahren noch gut gelaufen ist, die Preise für das tägliche Leben aber plötzlich explodiert sind und somit die Kaufkraft zurück gegangen ist - ergo dessen, die Umsätze geringer geworden sind ? Manche Ausfälle sind nicht so einfach zu kompensieren.Man kann sicherlich die Preise anpassen, das alles wieder teurer wird,dann kommt aber vllt. keiner mehr zum kaufen. Das geht nur in den Branchen die sich nicht so viel Gedanken machen müssen wie z.b. Politik, Bäcker, Metzger oder Energieversorger,
Dies kann man aber nur nachvollziehen wenn man jeden Monat eine Betriebswirtschaftliche Auswertung vor sich liegen hat - und diese auch lesen kann.
_SCT_ (18.12.2007, 10:04 Uhr)
@CheSmittyVara
Herr/Frau CheSmittyVara, dann läuft irgendwas in Ihrer Firma schief. Konkursverschleppung?? Wenn Sie sowas sagen, dann denken Sie bitte auch daran, daß ihre Konkurrenz diese Löhne bezahlen muß, wen der totale Mindestlohn kommt. Dadurch kommt auch wieder mehr Geld unter die Leute die sich Ihre Produkte leisten können. Meine Eltern haben auch einen Kleinbetrieb. Ihr Ctredo lautet: "Eure Armut kotzt mich an". Dabei sind sie selber dran Schuld.
Mahlzeit
SCT
Knuffiman (18.12.2007, 10:04 Uhr)
die Lohnnebenkosten
dabei nicht vergessen. Für viele Kleinbetriebe hieße das, auf einen oder sogar 2 Mitarbeiter verzichten zu müssen. Für die, die nur mit Trillerpfeife und Warnweste rumlaufen mal auf den Punkt gebracht:
Bei sinkenden Umsätzen noch höherer monatlicher Belastung für die Betriebe, bleibt der Arbeitnehmer auf der Strecke. Wenn nicht sogar der gesamte Betrieb. Dieses Gewäsch ist nicht mehr mit anzuhören.
Hier wird wieder einmal das Pferd von hinten aufgezäumt. Erst denken, dann schreiben. CheSmittyVara hat es schon auf den Punkt gebracht.Alles reine Stammtischparolen, die mit betriebswirtschaftlichem Denken, (ich meine nicht Profitgier EON, RWE, Vaattenfall usw.)nichts zu tun haben. Das System gehört restauriert, nicht die Lohnstruktur. Die generiert sich dann automatisch von allein. Wenn genug Geld in die Kasse kommt, kann man auch anständige Löhne zahlen, vorrausgesetzt, man findet qualifizierte Mitarbeiter die für Ihr Geld auch etwas tun wollen.........
CheSmittyVara (18.12.2007, 09:32 Uhr)
Schwätzer
Alle, die hier so klug daherreden, mussten noch nie dafür Sorge tragen, dass am Monatsende oder Monatsanfang die Löhne zur Verfügung stehen. Ich habe schon oft auf mein Geld verzichtet, damit meine Mitarbeiter ihren Lohn bekommen.
Mindestlohn zahlt man doch nur für nicht hoch qualifizierte Arbeit und für Mitarbeiter(innen), die sich erst wieder an Arbeit gewöhnen müssen.
Die hier vertretenen Thesen sind Sozialismus pur, von Leuten, die nur fordern, ohne darüber nachzudenken, wo die Kohle herkommt.
exutiva (18.12.2007, 08:07 Uhr)
deutschland und generalstreik?
lol sicher doch.... der wäre schon längst überfällig gewesen! aber es ist allgemein bekannt das die deutschen nicht zu den widerstandskämpfern sondern zu den mitläufern gehören....
 
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