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Murmeln über neue Politik

Sie stehen für einen neuen Politikstil, inhaltlich, aber auch organisatorisch. Für ihre vernetzte und transparente Parteiarbeit nutzen die 23.000 Piraten vor allem sechs Tools.

Von Anieke Walter

Nichts geht über die Parteibasis: Die Piraten wollen, dass jeder sich an Entscheidungen beteiligen kann. Mit Hilfe des Internets ist das auch möglich. Kommunikation ist da ein Leichtes, der direkte Kontakt dafür oft gar nicht nötig. Welche Arbeitswerkzeuge bei der täglichen Parteiarbeit besonders genutzt werden und welche man auch als Nicht-Pirat gebrauchen kann, erklärt stern.de.

  Mit Liquid Feedback kann ein Meinungsbild innerhalb der Partei abgefragt werden

Mit Liquid Feedback kann ein Meinungsbild innerhalb der Partei abgefragt werden

Liquid Feedback

Hierarchien sind unter Piraten verpönt - die Basis entscheidet: Mit der Abstimmungssoftware Liquid Feedback ("Fließende Rückmeldung") werden Meinungsbilder innerhalb der Partei abgefragt. Jeder Pirat kann online über diese Plattform selbst Initiativen einbringen, einen Vorschlag unterstützen oder seine Stimme an den Piraten seines Vertrauens weitergeben. Besonders stark nutzt der Berliner Landesverband das Tool. Beispiel: Ein Pirat möchte, dass auch Kinder in Berlin wählen gehen können. Er stellt seine Initiative online auf Liquid Feedback vor, dann wird über den Vorschlag diskutiert. Wenn mindestens zehn Prozent der im Themenbereich "Wahlalter" angemeldeten Piraten mitmachen, kommt es zur Abstimmung. Die Berliner Piraten-Abgeordneten sind zwar nicht an das Ergebnis gebunden, entscheiden sich aber selten gegen das Meinungsbild bei Liquid Feedback. Es ist das einzige Tool der Piraten, bei dem nur Parteimitglieder mitmachen können.

  Für alles gib es in der Piratenpartei Mailinglisten

Für alles gib es in der Piratenpartei Mailinglisten

Mailinglisten

Ein Basis-Tool in der Piraten-Kommunikation sind die Mailinglisten. Es gibt Bundeslisten, Länderlisten und Listen bis hinunter in die Kreisverbände. Die Saar-Piraten organisierten ihren Wahlkampf über diese Listen: Wer hängt wo Plakate auf, wer macht den Infostand, welche Piraten kommen aus anderen Bundesländern und helfen? Auf anderen bundesweiten Listen wird über Themen wie das Urheberrecht oder Bildung diskutiert. Jeder kann die Mailinglisten der Piraten abonnieren und auch selbst mitdiskutieren. Aber Vorsicht, der Posteingang kann schnell verstopfen: Auf manchen Mailinglisten kommen über 100 Mails pro Tag an. Wer da noch die Übersicht behalten und alles lesen will, braucht Zeit und Geduld. Mailinglisten sind gut für Diskussionen und Ankündigungen. Dagegen ist es schwierig, schnell einen gemeinsamen Termin darüber zu finden.

  Mumble, die Sprachkonferenz der Piraten, ist für jeden zugänglich

Mumble, die Sprachkonferenz der Piraten, ist für jeden zugänglich

Mumble

Mumble (murmeln) heißt die Sprachkonferenz der Piraten. Die schalten sich meist per Headset in Diskussionen ein und können in Echtzeit miteinander sprechen. Innerhalb von Mumble gibt es verschiedene Chaträume zu unterschiedlichen Anlässen und Themen: etwa Terminabsprachen zum Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein oder die Bundesvorstandssitzung der Piratenpartei. In dem Raum "Kandidatengrillen" können Anwärter auf Parteiposten regelmäßig allen Chat-Teilnehmern Rede und Antwort stehen. Die Teilnahme der Kandidaten ist zwar freiwillig, eine Absage wird unter Piraten aber nicht gerne gesehen. Und wer abends einfach nur tratschen will, geht in die virtuelle Kneipe "Dicke Engel". Die Chaträume sind öffentlich: Jeder kann zuhören, mitdiskutieren oder ein virtuelles Bierchen trinken.

  Im Piratenpad können mehrere Verfasser zeitgleich schreiben

Im Piratenpad können mehrere Verfasser zeitgleich schreiben

Piratenpad

Protokolle in einem Textdokument schreiben und dann an den nächsten Piraten zur Korrektur schicken - für die Piraten gehört das längst zur alten Schule. Sie nutzen ein Tool namens Piratenpad, um gemeinsam Dokumente zu verfassen: Wenn auf Parteitagen Protokolle geschrieben werden, sitzt zwar jeder Verfasser an seinem eigenen Laptop, aber alle schreiben gemeinsam am Online-Dokument - zeitgleich. Wer welche Zeilen geschrieben hat, wird mittels unterschiedlicher Farben sichtbar. Dazu gibt es noch eine Chatfunktion, in der sich die Protokollanten absprechen können, wer welchen Redner protokolliert. Das ist wichtig in ruhigeren Sitzungen, in denen man nicht sprechen kann. Jeder kann auf das Piratenpad zugreifen: Namen von Rednern kontrollieren, Ergänzungen hinzufügen, Fehler korrigieren - und auch welche machen.

   In den Tiefen des Piratenwikis finden sich alle Infos über die Partei

In den Tiefen des Piratenwikis finden sich alle Infos über die Partei

Piratenwiki

Das Herzstück - und die Müllkippe zugleich. Ins Piratenwiki kommt alles rein, was die Piraten je gemacht haben. Das funktioniert ähnlich wie Wikipedia. Hier steht, wie die Partei tickt. Man findet Benutzerprofile von Piraten oder Informationen über Arbeitsgemeinschaften, aktuelle Termine, wie Bundes- oder Landesparteitage. Ein Problem: Die Website ist für den Laien sehr unübersichtlicht: Die meisten Informationen sind zwar vorhanden, aber über die Suchfunktion kaum zu finden. Die Piraten nutzen das Wiki auch zur Organisation: Wer am Landesparteitag in Nordrhein Westfalen für die Landeslisten kandidieren wollte, konnte sich im Vorfeld im Piratenwiki auf die Bewerberliste eintragen. Auch hier ist alles öffentlich: Jeder kann sich im Piratenwiki anmelden und selbst mitbasteln.

  Den Kurznachrichtendienst Twitter nutzen fast alle Piraten

Den Kurznachrichtendienst Twitter nutzen fast alle Piraten

Twitter

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist eigentlich keine Arbeitstool, sondern Immer- und Überall-Kommunikation. Jeder kann seine Meinung, Gefühlslage oder Informationen kurz und zackig in bis zu 140 Zeichen äußern und in das Twitter-Universum schicken. Jeder kann mitlesen. Bei den Piraten twittert die Mehrzahl der Mitglieder - jederzeit über die internetfähigen Smartphones oder über den Laptop im Büro und zu Hause. Mit Twitter kann man viel erfahren über die neuesten Nachrichten in der Piratenpartei, über Veranstaltungen, oder wer wen nicht so gut findet.

Mitarbeit: Simon Straetker
täglich & kostenlos
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