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5. Januar 2010, 18:07 Uhr

Das langsame Verlöschen der Hannelore Kohl

Bekam Hannelore Kohl eine Lichtallergie, weil sie kein Penicillin vertrug? Oder hat ihr Mann sie in die Depression getrieben? Eine ARD-Doku schildert die grausamen Zwänge einer Polit-Ehe. Von Hans Peter Schütz

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Schwierige Beziehung: Altkanzler Helmut Kohl und seine 2001 verstorbene Gattin Hannelore© Steffen Kugler/DPA

Im Prinzip passt in der ARD-Dreier-Serie "Liebe an der Macht" nichts zusammen. Was haben schon Hannelore und Helmut Kohl gemeinsam mit Nicolas Sarkozy und Carla Bruni, wenn sie öffentlich miteinander turteln? Oder mit Michelle und Barack Obama, wenn die im Weißen Haus vor den Medien flirten?

Natürlich hat eine Hannelore Kohl niemals öffentlich gejubelt, wie dies Carla Bruni tut: "Mein Traumann hat die Macht.", Michelle und Barack am Montagabend, Nicolas und Carla am Mittwoch, 21.45 Uhr - das ist leichte fröhliche TV-Kost. Wie Macht und Politik eine Beziehung tatsächlich beeinflussen können, wie tragisch für beide Seiten das Leben dabei oft geprägt wird, lässt sich sehr viel einprägsamer erleben, wenn Hannelore und Helmut heute Abend 21.45 Uhr porträtiert werden.

Der Filmemacher Michael Wech ging mit Skepsis an diese Beziehung. Vor seinen Augen die "bleierne Zeit" des Kanzlers Kohl mit der verkündeten geistig-moralischen Wende, die dann in immerwährenden PR-Ferienfahrten an den Wolfgangsee bestand. Sein Urteil über Hannelore Kohl, so Wech zu stern.de, nach diesem Film: "Sie ist immer wieder als Opfer Kohls dargestellt worden. Doch sie hat sich aufgeopfert."

Vieles bleibt nur vage

Wer ihre Rolle in dem Film erkennen will, muss genau hinsehen. Und zum Beispiel wahrnehmen, wer aus der engsten Umgebung des Altkanzlers nicht zu Äußerungen bereit war. Etwa die beiden Söhne Walter und Peter. Noch zu früh komme dieser Film für sie, um mitzuwirken, sagten sie. Weil ihr Urteil den Vater, schwer angeschlagen im Rollstuhl, verletzen könnte? Horst Teltschik und Theo Waigel, beide intime Kenner des Machtpolitikers Kohl, lehnten Kommentare zur Beziehung des Ehepaars Kohl ab.

Viel wird nur vage ausgesprochen. Etwa die Rolle, die Kohls langjährige Sekretärin Juliane Weber spielte. Erwähnt wird Hanns Martin Schleyers Forderung an Kohl, er müsse das "Zigeunerlager" ausräumen, "einschließlich der Marketenderin". Der von der RAF ermordete Arbeitgeberchef spielte damit auf eine Liaison an, die Kohl angeblich mit Weber gehabt haben soll. Nähere Analyse aber trauen sich die Filmemacher nicht zu. Bemerkenswert der Satz des Journalisten Maynhardt Graf von Nayhaus: "Ohne Hannelore wäre Kohl nicht so weit gekommen."

Gattin des Machtmenschen zu sein, darin sah Hannelore Kohl ihre Pflicht. Dass man das mit Einsamkeit bezahlen muss, erkannte sie vielleicht zu spät. Einige bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen aus dem Garten des Bonner Kanzlerbungalows zeigen eine Frau, wie sie bisher nicht zu sehen war. Das zentrale Rätsel ihres Lebens an der Seite Helmut Kohls - ihr Selbstmord - bleibt dennoch ohne überzeugende Antworten.

Die perfekt funktionierende Gattin

Weil sie sich ihrer Pflicht als "Gattin", die sie in 50 Jahren an der Seite Kohls ausgefüllt hatte, nicht mehr gewachsen fühlte? Man wisperte und flüsterte damals in den Bonner und Berliner CDU-Zirkeln. Nichts ließ Hannelore Kohl sich anmerken. Ihre Maske als Frau des mächtigsten Mannes der Republik saß. Sie funktionierte perfekt. Auch dann, wenn sie lange Zeiten alleine leben musste, weil Eroberung und Verteidigung der Macht ihren Mann von ihr fernhielten. Sie ist jedenfalls sehr oft sehr alleine gewesen. Und die erhoffte späte Nähe ihrer Partnerschaft fand sich nicht, weil Kohl auch nach seiner Abwahl in Berlin im politischen Netzwerk weiter mitmischen wollte.

Es trifft schon zu, dass Hannelore Kohl im letzten Jahr vor ihrem Tod jeden Sonnenstrahl zu meiden suchte. Ging sie joggen, dann bei Dunkelheit. Die Fensterläden des Hauses in Oggersheim blieben geschlossen. Ihre "Lichtallergie", sagte auch sie, sei eine späte Folge ihrer Penicillin-Unverträglichkeit.

Daher der Selbstmord? Für das Büro Kohl gab es damals keinen Zweifel: "Aufgrund der Hoffnungslosigkeit ihrer gesundheitlichen Lage entschloss sie sich, freiwillig aus dem Leben zu scheiden."

Zweifelhafte Erklärungen

Medizin-Experten haben diese Erklärung nie akzeptiert. Lichtallergie in so dramatischer Form, dass man nur nachts das Haus verlassen könne, sei ihnen nicht bekannt, erklärten sie damals übereinstimmend auf Anfragen des stern. Bei Kindern gebe es die Lichtstrumpfhaut - und sie sterben alle früh. Der Lichtbiologe Professor Hönigsmann: "Es gibt keine Hauterkrankung, die zu dem passt, was ich über Hannelore Kohl gehört habe."

Was bleibt, ist die berechtigte Vermutung, dass sich in die letzten Jahre ihres Lebens depressive Gefühle gedrängt haben. Eine seelische Talfahrt, die gewiss auch dadurch beschleunigt wurde, dass ihr Lebensdenkmal Kohl in die Abgründe seiner Schwarzgeldaffäre rutschte.

Im Bungalow in Oggersheim

Die Frau, die sich nie eine Schwäche hatte anmerken lassen dürfen; die Frau, die nicht an der Hochzeit ihres Lieblingssohns Peter in der Türkei hatte teilnehmen können; die Frau, deren Eltern großbürgerliche Wertmaßstäbe bei ihr verankert hatten - die Seele dieser Frau war irgendwann überlastet. Sich selbst aufzugeben, widersprach im Grunde ihrer Lebensauffassung. Vielleicht war sie in ihrer größten Not zu viel allein. Sie im dunklen Bungalow in Oggersheim, Helmut Kohl in Berlin in einer Lebenssituation, die nach ihren moralischen Wertmaßstäben unglaublich erniedrigend gewesen sein dürfte. Auch für sie selbst.

War ihr Suizid somit eine Art emanzipatorischer Akt? Die Befreiung von einem Leben, das sie nicht länger ertragen wollte? Die Frage, ob Hannelore Kohl so gesehen letzten Endes gestorben ist, weil Helmut Kohl ihre innere Verletzung nicht gesehen hat, darf weiterhin gestellt werden. Beantwortet wird sie auch in diesem Film nicht.

Teil zwei der dreiteiligen Dokumentation "Liebe an der Macht" wird heute abend um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Administrator (06.01.2010, 10:53 Uhr)
@Doshi
Sie können unsere Autoren und deren Arbeit gern kritisieren - aber sachlich. Diese als "Abschaum" zu bezeinen verstößt gegen unsere Regeln und wird gelöscht.
tannebaum (06.01.2010, 10:20 Uhr)
@Knuffiman
er hat uns in keine rezession getrieben, die stand eh in ganz europa vor der haustür. die deutschen im westen waren satt und verloren die kauflaune. und das trotz der starken d-mark...

dann kam die wiedervereinigung und es gab vorerst keine rezession. denn plötzlich brauchten 17 millionen ossis versicherungen, autos, videorekorder, möbel, etc... das hat bei uns die rezession verschoben und es gab weiter aufschwung, als andere eu-länder echt schlimme probleme hatten.

und die reformen, die er vorhatte, wurden gestoppt. von einem herrn lafonatine, der damals noch in der spd war.
bis heute ist nicht mal ansatzweise ein solches reformprogramm je wieder aufgetaucht. ob 2010 oder merkels mischmasch... keines davon hatte je wieder einen solchen umfang.
und dabei wäre es wichtig gewesen. weil wir den sozialstaat und das steuersystem bis heute nicht umgebaut haben, haben wir diese probleme. er wollte es ändern, aber man liess ihn nicht. ob es besser geworden wärem, dass weiss keiner. aber das es bei reformlosigkeit so bescheiden wie heute kommen muss, dass wusste damals jeder! aber keiner wollte es zugeben!



tannebaum (06.01.2010, 10:14 Uhr)
@Mule
allein die tatsache wie sie von kohl reden und ihn bezeichnen zeigt, dass sie gar nicht in de rlage sind, neutral ein urteil abzugeben.
sie sind einer der fraktion der kohlhasser, obwohl er ihnen sicher nicht mal was getan hat. ein mitläufer, der dummheiten nachplappert und sich dann für einen revolutionären geist hält.

aber es ist dabei nur albern. sehr albern...
tannebaum (06.01.2010, 10:12 Uhr)
kohl war ein großer staatsmann
...daran ändern auch nichts die schwarzkassen. die haben ja andere auch gehabt und alleinig der grund, dass kohl immer eine projektionsfläche von hassgegnern war, trägt immer noch zu den bis heute anhaltenden beschimpfungen bei...
aber spätestens beim verhandlungsgeschick mit den russen zur wiederverinigung, hat sich gezeigt, was er draufhat.
das brandt so viel besser war, mag ich kaum bestätigen. die unruhen hat er nicht gemeistert, seine frauen zigfach betrogen, die ostpolitik machte ihn teilweise auch leichtsinnig und ein stasimann an seiner seite war dann auch das ende.
da war mir schmidt lieber in in seiner konsequenten, ehrenhaften und gradlinigen art.

ach: das thema war ja die liebe zwischen den beiden und nicht seine politik. und dazu habe ich, als gebürtiger berliner, nichts wahres im beitrag gehört...
anfangs wurde hier viel gemunkelt, später war es gewissheit. hannelore war wohl nie die einzige und ihre schlimme krankheit konnte nie von einem arzt offiziell bestätigt werden... das lässt auch der stern in seinem aktuellen artikel durchblicken und man hält eben bis zu seinem tode die klappe.

Mule (06.01.2010, 09:49 Uhr)
an Vincent Vega
Bleiben Sie schön mit Ihren Puschen hinter dem Ofen. Ich habe Helmut Schmidt und Willi Brandt bewußt erlebt. Bimbes-Birne fällt dazu nur in die allerunterste Schublade, daher auch soviel Unmut über den, den Sie so hätscheln. Außerdem ist er ein Gesetzesbrecher!
Vincent_Vega (06.01.2010, 09:34 Uhr)
Erinnerungen an Kohl
Meine Erinnerugen an die Politik setzen so um 1981 ein, als ich 11 Jahre alt war. Die Arbeitslosenzahlen waren auf über 2 Millionen gestiegen und mein Vater kam abends heim und berichtete meiner Mutter, wenn ich schon im Bett lag, dass Gerüchte über eine neue Entlassungswelle im Betrieb die Runde machten. Nach der kleinen "Wende" 1982 kam dies nie wieder vor. Im Gegenteil, mein Vater konnte bis zur Rente arbeiten und mir und meinen drei Geschiwstern das Studium mitermöglichen, auch als "nur" Angestellter, und nicht etwa als Manager.
Als meine nach Beginn meiner Ausbildung 1989 die DDR zusammenbrach, kamen Fachleute aus dem Osten in "unser" Werkk und wunderten sich, ob die Anlage lief, weil nirgendwo Dampf oder Wasser leckte bei uns waren die Leitungen dicht.
Es mag zwar sein, dass Kohl mit seiner Schwarzgeldaffäre eigentlich verurteilt werden sollte, aber wenn man sich viele Kommentare in den Medien anhört, meint man, 16 Jahre Kohl (im Westen, 8 Jahre mit dem Osten) seien verheerender gewesen, als 40 Jahre DDR.
Dabei kann ich mich noch gut erinnern, wie in einem Beitrag des Kanals11/99 oder wie der DDR-Jugendsender hiess, ein DDR-Bürger wutentbrannt darüber ausliess, dass er stundenlang für den Kauf EINER Hose anstehen müsse.
Mit der "Sanierung" der Ostgebiete haben wir uns schlicht überhoben; essind aber auch unsere Ansprüche und erwartungen zu hoch.
Hamskibamski (06.01.2010, 08:16 Uhr)
Ich verstehe die Aufregeung einiger User hier absolut nicht.
Die Kohls haben sich in der Öffentlichkeit gesonnt, die Öffentlichkeit hat ihnen zur Macht und zum Wohlstand verholfen und somit hat die Öffentlichkeit auch das Recht zu urteilen, beurteilen und verurteilen. Den Leidensweg von Frau Kohl bedaure ich persönlich, nur sehe ich keinen Anlass diesen der Öffentlichkeit verschlossen zu halten und auch nicht die kritischen Anmerkungen zum Leben von Frau Kohl. Die Kohls haben sich selber zu Personen der Zeitgeschichte gemacht und waren sich dessen bestimmt auch immer bewusst. Was unseren Exkanzler betrifft, so bin ich immer noch der Meinung, dass er es verdient hätte, seine Memoiren hinter schwedischen Gardinen zu lesen.
stern-user (05.01.2010, 23:50 Uhr)
Ganz mies
Jetzt über die Motive des Selbstmordes von Hannelore Kohl sogar filmisch zu spekulieren, ist ein neuer ethischer Tiefpunkt (auf der nach unten offenen Skala).

"Die Würde des Menschen ist unantastbar" sollte auch post-mortem gelten!
Xennia (05.01.2010, 21:18 Uhr)
heimliche Beziehungsprobleme
Es liegt in Helmut Kohls Persönlichkeit, dass er eine Tendenz hat, andere Menschen auszunutzen.
Seine Frau war ihm mehr oder weniger nette Staffage, um die Macht zu halten und auszubauen. Als sie nicht mehr in seinem Sinne funktionierte, hat er sie alleine gelassen. Ich nehme an, dass bei Helmut Kohl eine narzistische Persönlichkeitsstörung besteht, die ihn zu einem sehr schwierigen Partner in einer Beziehung macht.
crestflight (05.01.2010, 20:14 Uhr)
Meine Achtung vor dieser Frau,
ist genau so groß wie die Verachtung ihres Mannes!
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