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Was nun, Frau Pauli?

Nach ihrem politischen Auffahrunfall auf dem CSU-Parteitag saß Gabriele Pauli in der ARD-Talkshow "Beckmann" - direkt neben Horst Seehofer. Er schmierte ihr Honig ums Maul, sie plädierte für eine andere Politik, für eine expressionistische sozusagen.

Von Lutz Kinkel

Man weiß nicht, wer verbohrter ist. Horst Seehofer, Landwirtschaftsminister der CSU, dem der Ruf anhängt, ein rückgratloser Opportunist zu sein, und der deswegen im Machtpoker immer wieder gewinnt. Oder Gabriele Pauli, CSU-Rebellin, die alle Jetons auf das "Authentische" gesetzt hat, und dafür auf dem Parteitag am Wochenende brutal abgestraft wurde. Beide saßen am Montagabend in der ARD-Talkshow "Beckmann" und blieben sich fremd - was für die Sendung kein Schaden war.

Zunächst bat Moderator Reinhold Beckmann Seehofer an den Tisch und unterzog ihn einem peinlichen Verhör über sein privates Doppelleben und das Machtgerangel an der CSU-Spitze. Seehofer sagte, dass er es nicht habe hinnehmen können, dass sich Erwin Huber und Günther Beckstein einfach so das Erbe Edmund Stoibers aufgeteilt haben - "ohne mit mir darüber zu sprechen". Deswegen habe er für den CSU-Vorsitz kandidiert, was er als einen Akt der Selbstbehauptung charakterisierte: "Ich wusste, dass meine Chancen überschaubar waren." Zum Skandal um seine Berliner Affäre und das gemeinsame uneheliche Kind schwieg sich Seehofer größtenteils aus. Aber zu Gabriele Pauli fiel ihm Erstaunliches ein: "Sie ist couragiert, sie ist qualifiziert - wir sollten in der CSU alles tun, sie an uns zu binden." Das sagte er, nachdem er auf dem Parteitag daran mitgewirkt hatte, Pauli wie eine Untote der CSU aussehen zu lassen.

Auftritt Gabriele Pauli. Sie ließ sich von Seehofer nicht eine Sekunde umgarnen. Sondern rechnete zunächst mit dem Verhalten der CSU auf dem Parteitag ab. "Ich hatte schon das Gefühl, dass im Vorfeld Dinge besprochen wurden", sagte sie zu dem eisigen Schweigen, dass ihr aus dem gesamten Saal entgegen schlug. Sie forderte Beckstein auf, auch öffentlich seinen Satz, sie müsse zum Psychiater, zurückzunehmen. Dass ihr Generalsekretär Markus Söder das Mikro abdrehen ließ, als sie Beckstein in München attackierte, kommentierte sie mit den Worten: "Es war für mich immer undenkbar, dass so etwas in einer demokratischen Partei passiert." Auf die Nachfragen Beckmanns, ob sie mit ihren überdrehten Selbstinszenierungen und ihren kuriosen Vorschlägen nicht auch selbst zu ihrer Isolierung beigetragen habe, reagierte Pauli trotzig. Sie habe viel in den Köpfen bewegt - aber das brauche eben Zeit.

Orakelhafte Äußerungen

Faktisch spielt Pauli seit dem Wochenende keine offizielle Rolle mehr in der CSU: Sie verlor ihre Wahl zum Parteivorsitz, flog aus dem Parteivorstand, scheiterte mit ihren Anträgen - und hatte zuvor schon verkündet, dass sie 2008 von ihrem Amt als Fürther Landrätin zurücktreten wolle. Und dann? "Ich werde mich in der CSU weiter so einbringen, wie ich es für richtig halte", sagte Pauli. Und: "Was ich tun werde, das werde ich auf mich zukommen lassen." Beckmann musste sich mit diesen orakelhaften Aussagen zufrieden geben.

Pauli erklärte in ihren Antworten allerdings, dass sie Politik im traditionellen Stil nicht mehr praktizieren wolle. Sie wolle ihrem Lebensgefühl Ausdruck geben - wie mit den Fahnen-Fotos für die "Bunte" geschehen - und Vorschläge machen, die ihrer Erfahrung entsprächen. Deswegen sei auch ihr Vorschlag, eine Ehe auf sieben Jahre zu begrenzen, richtig. "Haben die Bürger es nicht langsam satt, dass Politiker Vorschläge machen, nur um Abstimmungen zu gewinnen?"

Bombast der CSU-Inszenierungen

Sätze wie diese ließen Seehofer, Beckmann und die inzwischen hinzugestoßene ZDF-Moderatorin Maybritt Illner ratlos zurück. Denn es ist eine der zentralen Aufgaben von Politikern, Mehrheiten für ihre Meinungen zu organisieren - was einen ständigen Abgleich mit der Basis und den sie repräsentierenden Funktionsträgern erfordert. Pauli hält dieses Prozedere offenbar für nicht produktiv. Sie plädierte bei Beckmann für die freie Entfaltung der politischen Person, für den unzensierten Austausch der Gedanken, Parteiräson hin oder her. Damit würde der Expressionismus in die Politik Einzug halten. Dieser ist aber in der CSU nur im Bombast der Partei-Inszenierungen erlaubt.

Maybritt Illner sagte dazu einen klugen Satz. "Bei den Grünen kann man etwas werden, wenn man die Parteivorsitzenden anpinkelt", meinte Illner. "Bei der CSU sicher nicht."

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