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Deutschlands Großstädte verarmen

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist noch stabil. Trotzdem wächst laut einer Studie die Armut - vor allem in den Großstädten. Dramatisch ist die Situation für Kinder.

  Frauen in einem Sozialkaufhaus in Düsseldorf: Die Armut in deutschen Großstädten steigt trotz wirtschaftlich stabiler Lage weiter an

Frauen in einem Sozialkaufhaus in Düsseldorf: Die Armut in deutschen Großstädten steigt trotz wirtschaftlich stabiler Lage weiter an

In deutschen Großstädten wächst die Armut. Laut einer neuen Studie leben in Leipzig, Dortmund, Duisburg, Hannover, Bremen und Berlin inzwischen bis zu einem Viertel der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Bei Alleinstehenden sind dies weniger als 848 Euro im Monat. Deutlich besser stehen dagegen die meisten süddeutschen Metropolen und Hamburg da - wenn auch dort die Zahl der armen Menschen gestiegen ist.

Armut war 2011 laut der Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung in den größten Städten im Schnitt mit 19,6 Prozent der Einwohner deutlich weiter verbreitet als im Bundesgebiet insgesamt (15,1 Prozent). 2010 lag die Bundesquote noch bei 14,5 Prozent. "Trotz der soliden wirtschaftlichen Entwicklung ist die Armutsquote in Deutschland wieder angewachsen", so die Autoren Eric Seils und Daniel Meyer.

Als "arm" oder "armutsgefährdet" gilt laut Studie jemand, der weniger als 60 Prozent eines mittleren, bereits nach Lebensbedarf und Wohnsituation gewichteten Einkommens zur Verfügung hat.

Situation für Kinder besonders dramatisch

Als besonders dramatisch sehen die Forscher die Situation für Kinder und Jugendliche in den Großstädten: In Berlin ist gut jeder dritte junge Mensch unter 15 Jahren auf Sozialhilfe angewiesen. Auch in der Reviermetropole Essen brauchen rund 30 Prozent der Kinder öffentliche Unterstützung, in Bremen sind es danach 28 Prozent und in der "Bankenstadt" Frankfurt/Main 22 Prozent.

Für ihre Untersuchung werteten die Sozialforscher die Ergebnisse des jüngsten Mikrozensus 2011 ("kleine Volkszählung") aus den 15 größten deutschen Städte aus, in denen knapp 14 Millionen Menschen wohnen. Diese Mikrozensus-Ergebnisse wurden zugleich mit den Daten der Bezieher von Hartz IV oder anderen Formen der Sozialhilfe abgeglichen. Auf diese Weise ließen sich auch Menschen in verdeckter Armut erfassen, "die aus Scham oder Unwissenheit auf Sozialtransfers verzichten", heißt es in der Studie. Aber auch bei alleinstehenden Hartz-IV-Empfängern dürfte das Einkommen zumeist unterhalb der Armutsschwelle liegen.

Viele Gehälter liegen knapp über der Hartz-IV-Grenze

Zwar ist der Studie zufolge auch in den meisten Großstädten der Anteil der Menschen gesunken, die wegen Langzeitarbeitslosigkeit oder als "Aufstocker" mit niedrigem Arbeitseinkommen Sozialhilfe zur Unterstützung erhalten. Dennoch sei die Armutsquote in den Metropolen besonders spürbar nach oben gegangen - zwischen 2005 und 2011 im Schnitt von 17,5 auf 19,6 Prozent - obwohl auch dort die Arbeitslosigkeit zurückging.

Seils verweist dabei unter anderem auf den gewachsenen Niedriglohnsektor. Denkbar sei, "dass bei einer wachsenden Gruppe von Beschäftigten das Einkommen gerade über der Hartz-IV-Grenze liegt".

cjf/DPA/DPA

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