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23. Juni 2010, 17:40 Uhr

Merkel lässt die Energiekonzerne abblitzen

Konstruktiv, aber uneinig: Kanzlerin Merkel hat sich eineinhalb Stunden mit den Chefs der Atomkonzerne beraten. Doch auch die konnten sie nicht von ihrem Plan einer Brennelementesteuer abbringen. Bei dem Streit geht es um viel Geld.

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Im Kanzleramt tagte der Atomgipfel - vor dem Kanzleramt versammelten sich die Atomkraft-Gegner© Fabrizio Bensch/Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt auch nach dem Spitzentreffen mit den vier großen Energiekonzernen bei ihrem Plan einer Brennelementesteuer. Rund eineinhalb Stunden berieten beide Seiten im Kanzleramt über Energiefragen, allerdings ohne Entscheidungen zu treffen. "Dabei kam es zu einem umfassenden Meinungsaustausch, bei dem auch strittige Themen erörtert wurden", sagte ein Regierungssprecher. Beim Treffen ging es nicht nur um die Brennelementesteuer, die die Industrie ablehnt, sondern auch um die geplante Verlängerung der Laufzeiten und den Energiemix.

Auch wenn die Atmosphäre des Gesprächs konstruktiv gewesen sein soll, ein Kaffeekränzchen war es nicht, das Treffen von Merkel mit den Chefs der Atomkonzerne. Denn eine Einigung bei der Atomsteuer gab es nicht. Der Streit entzündet sich nicht daran, dass die vier großen Energieversorger EnBW, Eon, RWE und Vattenfall grundsätzlich zur Kasse gebeten werden vom Staat, wenn ihre Atommeiler länger am Netz bleiben. Das haben die Konzerne schon eingeplant. Es geht darum, dass ihnen eine Steuer droht, die nichts zu tun haben soll mit den längeren Laufzeiten. Noch eines macht der Wirtschaft Sorgen: Der Ausstieg aus dem Atomausstieg könnte aus Sicht der Opposition rechtlich gekippt werden.

Es geht um 2.3 Milliarden Euro

Bei der Diskussion um die Zukunft der Atomkraft geht es um viel Geld. SPD-Chef Sigmar Gabriel ging früher als Umweltminister davon aus, dass eine Million Euro für die Betreiber pro Tag herausspringt, wenn ein einzelnes Atomkraftwerk länger am Netz bleibt. In Deutschland sind noch 17 AKW in Betrieb - zwei davon aus Sicherheitsgründen allerdings nicht am Netz.

Atomkraftgegner sehen eine Schieflage, wenn Zusatzprofite winken, obwohl die Atomenergie nicht besteuert wird. Die Wirtschaft soll künftig eine Brennelementesteuer von 1,5 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Das wären 2,3 Milliarden Euro im Jahr. Unklar ist aber bisher, ob die Einnahmen netto oder brutto gerechnet sind. Im einen Fall müssten die Konzerne noch mehr zahlen, im anderen erhielte der Bund unter dem Strich weniger, um seinen Haushalt zu sanieren.

Im Atomausstieg ist allerdings vereinbart, dass es keine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft geben soll. Darauf beruft sich Vattenfall Europe-Chef Tuomo Hatakka: "Diese Vereinbarung will die Regierung jetzt einseitig aufkündigen."

Kompromiss bei Laufzeitverlängerung angestrebt

Dazu kommt noch ein rechtliches Risiko. Die Regierung will das letzte Atomkraftwerk nicht schon 2022 - wie bisher errechnet - vom Netz nehmen, sondern später. Weil Union und FDP im Bundesrat ein Scheitern verhindern wollen, aber keine Mehrheit mehr haben, soll diese Entscheidung an den Ländern vorbei getroffen werden. Dies soll rechtlich möglich sein, geht aus einem Gutachten im Auftrag von Innen- und Justizministerium hervor - aber nur bei einer moderaten Verlängerung der Laufzeit. Was moderat heißt, wird gerade geprüft. Als Kompromiss gelten zehn Jahre zusätzlich. Die Spannweite der Forderungen reicht innerhalb der Koalition aber von 4 Jahren bis 28 Jahre.

Die Wirtschaft droht mit Investitionen im Ausland, wenn nicht schnell klar ist, wie viel länger die Atommeiler laufen dürfen. "Wir brauchen Planungssicherheit. Sonst werden Investitionen in anderen Ländern realisiert", sagt Hatakka. Merkel kennt die Sorgen und spricht deshalb auch von Planungssicherheit. "Wir sind und wollen ein Industrieland bleiben", sagte sie am Dienstag beim Tag der Industrie- und Handelskammern.

ukl/DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
ganzbaf (24.06.2010, 19:06 Uhr)
Na
alles.
tannebaum (24.06.2010, 12:05 Uhr)
@ganzbaf
habe ich was verpasst? was war denn so toll an der staatlichen hoheitsgewlt bei post und bahn?

pakete vor weihnachten vier wochen früher abschicken? eine halbe stunde im postamt stehen, weil man drei briefmarken kaufen musste? mürrische beamte hinterm schalter?

oder telefon. reisenrechnungen für ortsgespräche, weil mein sohn endlos telefonierte... von ferngesprächen ganz zu schweigen. fette grundgebühr für einen grünen kasten mit schnur.

oder züge? permanent zu spät. dreckig, muffelige schaffner. keiner grüßte. kaffee war nie zu bekommen, dafür alles total überfüllt. platzkarten wurden zweimal verkauft, usw.

alles hat sich bis heute verbessert, ist günstiger geworden, hat ein viel größeres portfolio an angeboten und es geht netter, fixer und besser.

vieles nicht optimal, aber ich erkenne nirgends einen rückgang....
kurjor (24.06.2010, 10:53 Uhr)
Belastung der Energiewirtschaft
Wenn die Energiewirtschaft mit einer "Atom -" bzw. "Brennelementesteuer" belastet wird, wird diese von den Betreibern als Betriebsausgaben verbucht.

Wie schon bei anderen Steuern führt dieses dann zu einer Verteuerung der Energie für den Endverbraucher. Damit tragen dann alle Endverbraucher und nicht die Energiewirschaft diesen Beitrag.

Der Staat sollte sich eine Gewinnbeteiligung des "Netto-Gewinns" sichern. Nur so kann die Energiewirschaft wiklich einen Beitrag leisten.

Wer übernimmt bei einer Laufzeitverlängerung eigentlich die Entsorgungskosten????
rockyciano (24.06.2010, 10:45 Uhr)
Für ihre "Lieben"
wird sich Madame "No" schon etwas einfallen lassen - zumal der Export (Zulieferfirmen, uranangereicherte Brennelemente) mit dranhängt.

Herr Röttgen erfüllt auch nur die Funktion als "Wählerflüsterer" und soll die wahren Absichten dieser Regierung überspielen - denn er hat als Minister alle Mitarbeiter, die mit erneuerbaren Energien beschäftigt waren, versetzt.

Die Atomlobby sitzt fest im Sattel .............und wir schauen zu.
ganzbaf (24.06.2010, 10:03 Uhr)
Die Energiekonzerne müssen wieder in staatliche Hand

Genau wie Post, Bahn und Banken.
tannebaum (24.06.2010, 08:27 Uhr)
die rechnungen...
produzieren wir. je mehr wir anschalten, desto höher wirds. wenn wir sparen würden - also richtig sparen- dann ist viel mehr drin als die debatte atom oder öko. und vor allem sinnvoller. denn öko ist auch nicht sauber. es ist unsinn, dass etwas sauberes produziert wird.
Papayu (24.06.2010, 04:12 Uhr)
Nachtrag zum lang lang ists her
Jede Stadt beleuchtet nachts ihre Srassen, Warum??
Jeder Supermarkt hat nachts volle Pulle,
Die Koenigstrasse in Stuttgart ist die ganze Nacht erhellt, Warum???
Einbrecher sind doch fast ausgestorben und es gibt eine sehr "aufmerksame" Polizei, die alle drei Stunden daherkommt.

Helmut Schmidt hatte den Vorschlag eines TVfreien Tages gemacht und wurde ausgelacht.
Wenn ich ins Stadion gehe muss ich Eintritt bezahlen und bekomme dann vielleicht ein armseliges Gekicke zu sehen und diese Gestalten werden hoch bezahlt. Also aergere ich mich und geh nicht mehr hin.
Und das Fernsehen ist bei den ganz Bloeden gelandet, also schalte ich ab und spare an der Stromrechnung???!!!!
Und meinem Nachbarn erzaehle ich, hab gerade einen Defekt und der FStechniker kommt und kommt nicht.
Papayu (24.06.2010, 04:00 Uhr)
lang, lang ist es her
da hiess der Stromversorger in Hamburg HEW.
Meine Eltern hatten ausser einem Radio
(Volksempfaeger), dies war der einziger Stromfresser. Hinzu kam noch eine 40watt
Gluehlampe in der Wohnkueche.
Nun haben die Leute im Wohnzimmer einen 12 Kronleuchter, einen Riesenbildschirm, komplette hifi Anlagen mit 1000 Watt, im Schlafzimmer und Kinderzimmer stehen ebenfalls TV und hifi ( sogar im Schlafzimmer TV und CD Player fuer Pornos, ohne die klappt es nicht mehr.
Und das alles wofuer???
Wenn ihr den Stromriesen zeigen wollt, wie hoch eure Stromrechnung ist, freut der sich und zeigt auf den Nachbarn, der nur eine Energiesparlampe im Wohn und Schlafzimmer hat und nur 2 Std Fernsehen glotzt, dafuer aber eine ganz niedrige Rg bekommt, dann fragt sich, wer ist denn der Idiot??
Anfangs sendete die ARD von 20 bis 24 Uhr
Und zum Schluss kam die Nationalhymne.
Tretet doch alle in den Stromstreik, noch besser kauft Kerzen. Ist doch viel romatischer als die Glotze?!
Kroko (23.06.2010, 21:22 Uhr)
@Stones60
Sehr richtig und deshalb sollte das Geld wieder zum Souverain--dem Volk.

Die Politik ( Volksvertretung), die dasschafft, hat meine Unterstütung.
Merkel kann`s nicht.
Gruß
Stones60 (23.06.2010, 21:11 Uhr)
@Kroko
Wie sagt doch der Volksmund so schön "Wer das Geld hat, hat die Macht"
In diesem Sinne ...
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