Merkel, Röttgen, Brüderle, sie alle loben sich in höchsten Tönen für den Atomkompromiss. Doch vieles bleibt fragwürdig. Was ist mit der AKW-Sicherheit? Was mit dem radioaktiven Müll? Eine Übersicht. Von Jennifer Lange und Hans Peter Schütz
Die Kanzlerin bejubelte das neue Energiekonzept als "Revolution". Vizekanzler Westerwelle rühmte ein "epochales" Ergebnis. Umweltminister Röttgen schwärmte von einem "Pfund an Glaubwürdigkeit". Wie glaubwürdig ist das Eigenlob, wenn man das Energiekonzept der Bundesregierung im Detail prüft? Richtig ist, dass die Stromversorger zusätzlich Geld einnehmen werden. Kritiker sprechen von einem Milliardengeschenk. Gleichzeitig wächst das Risiko eines Störfalls. Und Norbert Röttgen bezahlt für diesen strahlenden Sieg der Atomindustrie mit einer schweren politischen Niederlage. Denn bisher hatte er maximal eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren für tolerierbar gehalten. Die größten Schwachstellen des Energiekonzepts - eine Übersicht.
Die Gegner des Energiekonzepts hoffen, dass es im Bundesrat keine Mehrheit findet. Zahlreiche Experten gehen im Gegensatz zur Regierung davon aus, dass der Bundesrat dem Gesetz mit den längeren Laufzeiten zustimmen muss. Und dort hat die Regierung keine Mehrheit. Der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hat erklärt, jede Laufzeitverlängerung sei im Bundesrat zustimmungspflichtig.