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11. November 2008, 06:40 Uhr

Castor erreicht Gorleben

Endlich am Ziel: Nach 80 Stunden Fahrt ist der Castor-Transport im Zwischenlager Gorleben angekommen. Zuvor hatte die Polizei mehrere Hundert Demonstranten weggetragen, die mit Sitzblockaden und anderen Protestaktionen den Zug mit Atommüll aufhalten wollten. Dabei kam es zu teils heftigen Zusammenstößen.

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Nach heftigen Protesten sind die Laster mit dem radioaktiven Atommüll in Gorleben angekommen© Carsten Koall/Getty Images

Begleitet von heftigen Protesten hat der elfte Transport mit hoch radioaktivem Atommüll am Dienstag nach fast 80 Stunden Fahrt das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen erreicht. Die elf Behälter mit Resten alter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken trafen gegen 0.17 Uhr in Gorleben ein, fast einen Tag später als geplant. Nach dem Atommüll-Transport forderten Anti-Atom-Initiativen die Bundesregierung zum Ausstieg aus der Atomenergie auf. Sie kündigten weitere Proteste gegen ein mögliches Endlager für hoch radioaktiven Atommüll im Salzstock Gorleben an.

Die Polizei hatte zuvor mehrere Blockaden von Kernkraftgegnern aufgelöst. Die Beamten beklagten eine hohe Gewaltbereitschaft einiger Protestierer. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die Blockadeaktionen. "Das Besetzen von Gleisen können wir nicht akzeptieren", sagte Gabriel. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, rügte die vorsichtige Einsatztaktik der Behörden scharf. "Der Staat hat sich von den Atomkraftgegnern peinlich vorführen lassen."

In Grippel hatten sich acht Protestierer an Betonpyramiden festgebunden. Die Polizei benötigte rund elf Stunden, bis sie am späten Montagabend die Atomkraftgegner frei bekommen hatte. Bei anschließenden Störversuchen von Demonstranten setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Vor dem Zwischenlager selbst hatten rund 1000 Demonstranten bis Montagnachmittag die Zufahrt blockiert. Sie hatten dort teilweise seit Samstag campiert. Die Polizei trug die Protestierer am späten Nachmittag einzeln von der Straße.

Streit gab es um die Strahlung des Transportes. Bei den offiziellen repräsentativen Messungen von insgesamt drei der elf Behälter in Dannenberg seien alle Grenzwerte eingehalten worden, betonte das niedersächsische Umweltministerium. Dagegen kritisierte Greenpeace unter Hinweis auf eigene Messungen, die erstmals für die Fahrt nach Gorleben verwendeten französischen Atommüll-Behälter TN 85 setzten deutlich mehr Neutronenstrahlung frei als die alten Castor-Behälter. Die Strahlung sei 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005. Auch die Umweltschutzorganisation ging aber davon aus, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse einsehen, dass der Salzstock als Endlager nicht durchsetzbar sei, sagte ein Sprecher der Initiative "X-tausendmal quer" am frühen Dienstagmorgen bei Gorleben. Die Atomkraftgegner kritisierten die Pannen im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel und sprachen von "Lug und Trug".

Die Polizei beklagte eine hohe Gewaltbereitschaft der Demonstranten. Der Gesamteinsatzleiter der Bundespolizei, Thomas Osterroth, sagte, die Atomkraftgegner seien teils mit krimineller Energie vorgegangen, etwa bei Unterhöhlungen von Gleisen. Auch sei mit Signalmunition auf Polizeihubschrauber geschossen worden. Unter den Demonstranten waren nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden auch 800 bis 1000 Autonome, die als besonders gewaltbereit galten.

Massive Proteste

Der Transport war am Freitagabend in Frankreich gestartet. In der Nacht zum Montag kam der Zug aufgrund der massiven Proteste von Kernkraftgegnern schon deutlich später als erwartet am Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg an. In unübersichtlichen Waldstücken war es zu Ausschreitungen gekommen. Drei Atomkraftgegner gelangten auf den fahrenden Zug.

Der Atommüll-Transport enthält die Reste alter Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken. Der Müll war für die Zwischenlagerung in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich in Container verpackt worden. Der Sonderzug nach Gorleben war von dort am Freitagabend gestartet.

DPA/AP
 
 
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