Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Gabriel prangert Zustände in Asse II an

Die Sicherheit des Atomversuchsendlagers Asse II steht nach Darstellung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ernsthaft infrage. Die Sicherheit sei nirgends nachgewiesen, sagte der SPD-Politiker und richtete schwere Vorwürfe an den Betreiber: Asse sei "die problematischste kerntechnische Anlage, die wir in Europa finden".

Ernste Gefahren durch den Atommüll im maroden Versuchsendlager Asse II sind aus Sicht von Umweltminister Sigmar Gabriel nicht auszuschließen. "Sie können sagen, dass die Sicherheit nirgends nachgewiesen ist", sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Berlin. Asse sei "die problematischste kerntechnische Anlage, die wir in Europa finden".

Gabriel bestätigte, dass sich in dem einsturzgefährdeten ehemaligen Salzbergwerk bei Wolfenbüttel in Niedersachsen neben rund 126.000 Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall auch Plutonium befindet sowie Material, das offiziell als "Kernbrennstoff" klassifiziert ist. Einige der Fässer seien bereits bei der Einlagerung in den 60er- und 70er Jahren beschädigt worden und durchgerostet.

Gabriel bezog sich auf einen neuen "Statusbericht" zum Zustand der Asse. Dort waren zwischen 1967 und 1978 zu Forschungszwecken Atomabfälle eingelagert worden. Laut Statusbericht war allerdings nie geplant, die Fässer wieder herauszuholen. Seit Jahrzehnten strömt Wasser in das Bergwerk, wo sich inzwischen auch verstrahlte Laugen sammeln.

Der Bericht habe die Befürchtungen über den Zustand der Asse bestätigt, sagte Gabriel. Er habe schwerwiegende Mängel beim Betreiber und bei der Aufsicht, dem Landesamt für Bergbau in Niedersachsen, aufgedeckt. Unter anderem habe man erstmals herausgefunden, dass die Undichtigkeit des Bergwerks schon vor 1967 bekannt war und nicht erst seit 1988. Das sei ein "unglaublicher Vorgang", sagte Gabriel. Der Betreiber sei "seit langer Zeit" ungenehmigt mit radioaktiven Stoffen umgegangen, und zwar "nicht sachgemäß"; Dokumentationsstandards seien nicht eingehalten worden. Offenbar weiß auch niemand genau, was alles in der Asse abgelagert wurde:

"Es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass weitere Abfälle auftauchen, die bisher nicht bekannt waren", erklärte Gabriel. Der Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, habe "keine ausreichende Fachkunde im Atom- und Strahlenrecht", beklagte der Minister. Er forderte einen grundlegend anderen "Umgang" mit dem Bergwerk und eine Änderung bei der "Beaufsichtigung durch die zuständigen Behörden". Auch das Umweltministerium in Niedersachsen hat ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit und Fachkunde des Betreibers, wie Staatssekretär Stefan Birkner im niedersächsischen Landtag deutlich machte.

Gabriel sagte, im Kern gehe es nun darum, ob das Bundesamt für Strahlenschutz, das dem Umweltminister unterstellt ist, die Anlage als Betreiber übernimmt. Dies wolle er am Donnerstag mit Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) besprechen, die derzeit für das Forschungsbergwerk zuständig ist.

Gabriel sagte, die Zustände in der Asse seien "für die weitere Endlagerdebatte der Gau". Angesichts solcher Missstände werde die Bevölkerung nicht glauben, dass bei einem offiziellen Endlager alles ordentlich und sicher ablaufe. Allerdings betonte der SPD-Politiker erneut, dass das ehemalige Salzbergwerk Asse nicht mit dem Salzstock Gorleben, der als Endlager im Gespräch ist, vergleichbar sei. Das Bergwerk sei durch den Salzabbau "löchrig wie ein Schweizer Käse", Gorleben hingegen ein intakter Salzstock. Gleichzeitig betonte Gabriel, dass er "bekanntermaßen kein Befürworter von Gorleben" sei. Die Grünen zeigten sich bestürzt über die "erschreckenden Fehler und Unregelmäßigkeiten beim Betrieb des Atommülllagers Asse" und forderten Gabriel und Schavan auf, dem Betreiber sofort die Verantwortung zu entziehen.

AP/AP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools