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23. Februar 2010, 15:44 Uhr

Zollitsch empört über Justizministerin

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger war deutlich geworden: Die Kirche zeige kein aktives Interesse daran, Missbrauchsfälle an katholischen Schulen aufzuklären. "Maßlose Polemik", empört sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Er will nun die Kanzlerin einschalten.

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Ist nicht gut auf Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zu sprechen: Erzbischof Robert Zollitsch© Rolf Haid/DPA

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wegen ihrer Äußerungen zu den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen an katholischen Schulen scharf angegriffen. Noch nie habe es in der Politik eine "ähnlich schwerwiegende Attacke auf die katholische Kirche gegeben", sagte der Erzbischof am Dienstag in Freiburg anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe. Er bezog sich dabei auf Äußerungen der Ministerin in den ARD-"Tagesthemen" am Montagabend.

Leutheusser-Schnarrenberger hatte in dem Interview gesagt: "Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie (die Vertreter der katholischen Kirche) ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben, und deshalb muss natürlich überall da, wo nicht verjährt ist, das ganz klar erfolgen." Die Ministerin forderte: "Ich erwarte, dass die Verantwortlichen endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mitaufklären." Zollitsch nannte die Äußerungen "undifferenziert und emotional". Er erwarte, dass Leutheusser-Schnarrenberger sie innerhalb von 24 Stunden zurücknehme.

Zollitsch kritisiert "maßlose Polemik"

Die Ministerin habe zudem suggeriert, dass die inzwischen rund 120 Missbrauchsfälle auch aus der jüngeren Vergangenheit stammten. Fakt sei, dass diese Fälle 25 bis 30 Jahre zurückliegen. "Ich wehre mich nachdrücklich gegen falsche Tatsachenbehauptungen und maßlose Polemik", sagte Zollitsch. Er habe bereits am Montag keinen Zweifel daran gelassen, dass alle Fälle lückenlos aufgeklärt werden müssen. "Die staatlichen Behörden sind schnellstmöglich eingeschaltet", sagte der Bischof. Die Staatsanwaltschaft erhalte alle Einblicke.

Er habe der FDP-Politikerin einen Brief geschrieben und wolle außerdem noch am Dienstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonieren, sagte Zollitsch weiter. Die Äußerungen der Ministerin seien nicht akzeptabel. "Irgendwo gibt es Grenzen", sagte er. Öffentlich hatte die katholische Kirche zu den Missbrauchsfällen wochenlang geschwiegen, ehe Zollitsch als derzeit ranghöchster deutscher Bischof am Montag alle Opfer sexuellen Missbrauchs um Entschuldigung bat.

DPA/dho
 
 
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