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14. Dezember 2008, 17:47 Uhr

Erklärter Feind der Neonazis

Sie treffen sich in "Traudls Café". Im niederbayerischen Fürstenzell sind Neonazis nicht gern gesehen, aber präsent. Die rechtsextremen Straftaten nehmen in der Region zu. Nun traf es den Polizei-Chef von Passau. Alois Mannichl lebt in Fürstenzell und ist eine Hass-Figur der Rechten. Alles deutet darauf hin, dass ihm seine Haltung beinahe zum Verhängnis geworden wäre.

Fürstenzell bei Passau: Hier lebt Passaus Polizeichef Mannichl, der mutmaßlich von einem Rechtsextremen niedergestochen wurde© Lennart Preiss/DDP

Die Vorfreude auf Weihnachten prägt am frühen Samstagabend die Wohnsiedlung am Rande der niederbayerischen Marktgemeinde Fürstenzell. Das Grundstück in der Ringstraße, wo der Passauer Polizeichef Alois Mannichl wohnt, wird von einem großen Schneemann geziert. In der eng bebauten Ringstraße steigt eine Adventsparty. Gegen 17.30 Uhr läutet es am Privathaus des Polizeidirektors. Der 52-Jährige geht an die Tür. Er hat keine Chance zu reagieren. Ein 1,90 Meter großer, kräftiger Mann mit Glatze ruft: "Viele Grüße vom Nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein. Du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden rum." Im selben Moment rammt der Mann dem Polizeichef ein Messer mit einer elf Zentimeter langen Klinge in die linke Bauchseite.

Der Täter verfehlt nur um zwei Zentimeter das Herz. Der schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzte Beamte hört ein Motorengeräusch. Um 17.34 Uhr verständigt seine Frau die Einsatzzentrale, sechs Minuten später sind zwei Polizeistreifen vor Ort. Die Spurensicherung läuft an, die Beamten finden das Tatmesser im Garten des Opfers. Mannichl ist zu diesem Zeitpunkt schon im Klinikum notoperiert und außer Gefahr. Er steht nun unter Personenschutz, ebenso seine Frau und seine beiden erwachsenen Kinder.

Zahl rechter Straftaten nimmt deutlich zu

Eigentlich fällt in der ländlichen Marktgemeinde mit ihren gut 8000 Einwohnern jeder Fremde auf, der nicht bloß durch das Straßendorf ins Rottal will. Seit zwei Jahren ist man besonders wachsam - im ganzen Bereich der Polizeidirektion Passau, wo sich die rechtsextremistischen Straftaten seit dem vergangenen Jahr schon jetzt auf 83 verdoppelt haben. Aber die Wachsamkeit ist auch in Fürstenzell stärker geworden. In der Universitätsstadt Passau fand sich kein Lokal für regelmäßige NPD-Treffen. Also wichen die Neonazis in die Marktgemeinde aus, nicht selten attackiert von der linken Szene, abgelehnt von den Bürgern.

Im Interner zur "Antiperson" geworden

Die Rechten sitzen in "Traudls Café" beisammen. Gegenüber haben die Fürstenzeller ein Schild aufgestellt: "Kein Platz für Extremismus". All dies trägt sich zu am Wohnort des Polizeichefs. Mannichl ist inzwischen erklärter Feind für die Neonazis. Mannichls oberster Chef, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, zeigt sich einen Tag nach der Gewalttat auf einer Pressekonferenz bestürzt. Der Beamte sei aus Sicht der Neonazis in besonderer Weise zum Symbol der aktiven Polizeiarbeit gegen den Rechtsextremismus geworden. "Er wurde in unflätiger Weise im Internet angegriffen und ist dort zur starken Antiperson geworden. Es ist eine völlig neue Dimension, einen führenden Polizeibeamten anzugreifen, für sein Agieren gegen Rechtsextreme zu bestrafen oder einzuschüchtern."

Mannichl, der seit September 2004 Leiter der Polizeidirektion ist und von 1994 bis 1997 ihr Vizechef war, ist nach Worten von Polizeipräsident Hans Junker ein umsichtiger und professioneller Einsatzleiter. Er sei bekannt für sein geradliniges und konsequentes Einschreiten gegen Extremismus von links und von rechts.

Hakenkreuzfahne im offenen Grab

Für die Anspielungen bezüglich der Gräber, die der Attentäter machte, gibt es zwei Anlässe. In beiden Fällen war Mannichl präsent. So beim Begräbnis von Neonazi Friedhelm Busse in Passau am 26. Juli. Damals gab es Ausschreitungen um einen linken Journalisten sowie eine sichergestellte Hakenkreuzfahne, die NPD-Funktionär Thomas Wulff in das offene Grab legte. Am 16. November, dem Volkstrauertag, soll Mannichl einen NPD-Funktionär - so der Jargon in der rechtsextremen Partei - "belästigt" haben. Er habe ihm die Sicht am Soldatenfriedhof genommen, beschweren die Rechtsextremisten sich im Internet. Aktuell allerdings gibt sich dort die Passauer NPD lammfromm und "verurteilt diese feige Tat aufs Schärfste und wird den Ermittlungsbehörden behilflich sein, den Täter ausfindig zu machen".

Kein Einwohner und kein Partygast in Fürstenzell hat am Tatabend etwas bemerkt. Möglicherweise waren die Attentäter zu zweit - einer könnte mit laufendem Motor in einem Auto gewartet haben, doch auch das fiel offenbar niemandem auf. Der andere Täter schellte an der Haustür, um Mannichl zu töten. So könnte es sich abgespielt haben. Ausreichend Belege für einen solchen Tathergang gibt es bisher aber nicht.

Ermittlungen wegen Mordversuchs

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines heimtückischen Mordversuches. Die Sprüche des Täters und die Vorgeschichte legen die Vermutung nahe, dass es ein Täter aus der rechtsextremistischen Szene war. Dennoch muss die Staatsanwaltschaft in alle Richtungen ermitteln. Die Fahnder bildeten noch am Samstagabend eine 20-köpfige Sonderkommission und überprüften einschlägig bekannte Rechtsextremisten. Die Suche wurde auf Bayern, Österreich und Tschechien ausgedehnt, ohne dass der oder die Täter bisher gefasst werden konnten. Mannichl liegt im Krankenhaus und ist auf dem Weg der Besserung. Das Weihnachtesfest kann er vielleicht zu Hause feiern. Vorfreude auf das Fest wird in Fürstenzell nun aber kaum wieder aufkommen.

Christine Pierach, AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 70)
 
Georges13437 (16.12.2008, 18:53 Uhr)
@Scheinheiliger
Diesen Nick sollten sie wählen und dann wäre es noch sinnvoll, wenn sie etwas vernünftiges schreiben würden, es könnte ihnen nur nützen, vielleicht aber auch nicht, letzteres glaube ich schon eher.
Georges 13437
keinheiliger (15.12.2008, 18:23 Uhr)
@Georges13437
Frage mich gerade bei ihnen, ob die obskure Zahl in ihrem Nick ihre neuseelaendische Telefonnummer ist, oder die Anzahl der Synapsen, die bei ihnen noch funktionieren.
Tippe da eher auf das Zweite, in dem Fall sollten sie die Finger von der Tastatur lassen.
Wird wahrscheinlich geloescht, weiss ich schon, konnte es mir aber nicht verkneifen.
Sorry. MfG
Georges13437 (15.12.2008, 17:47 Uhr)
@Cobet
Wie kommen sie Schwachkopf eigentlich dazu mich einen Braunen zu nennen, bei ihnen war sicherlich bei der Zeugung ein bischen Pipi bei.
Wenn sie soviel Konzentrationslager und Hinrichtungsstätten wie ich gesehen haben, dann könnten sie eventuell etwas wissen, so aber sind sie nur einer der Maulhelden, die bei jedem Systemwechsel ein anderes Hemd anziehen. Gott bewahre uns vor Leuten ihres Schlages, wie ich schon sagte bzw. schrieb, Maulheld ohne Hintergrundwissen.
Georges
dreicon (15.12.2008, 14:31 Uhr)
Zwangsläufige Entwicklung
Jahrzehntelang wurden die sich nach der geistig-moralischen Wende eines Herrn Helmuth Kohl verstärkt organisierenden Braunen und ihre Lieblingsbeschäftigung, Menschen zu prügeln, verletzen, totzuschlagen, als achso verabscheuungswürdige, aber doch letztendlich nur Einzeltäter/taten, verniedlicht. Schlugen sie doch vornehmlich nur kleine Leute tot. Auch wenn die Opferzahlen bis heute weit in die Hunderte gehen, es reicht halt einfach nicht aus, eine kriminelle Vereinigung erkennen können zu müssen. Dazu bedarf es schon eines anderen Opferklientels, und, vor allen Dingen einer anderen Tätergesinnung. Nun ist der Polizeichef einer bayerischen Universitätsstadt schon etwas prominenter, aber ob das wirklich reicht? Denn, immer daran denken: es handelt sich nicht um die RAF!
Sublucem (15.12.2008, 08:58 Uhr)
Natürlich schaltet man die Kommentarfunktion ab..
Schließlich will sich kein Admin der Welt das Entsorgen der links- und rechtsextremen Propaganda antun. Egal wo, egal wann: Sobald irgendwo im Netz zu politischen Themen eine solche Funktion existiert, geht es rund.
.
Und leider mittlerweile nicht nur mehr dort.
Ob Omas alter BH oder Blondie, der Schäferhund des Nachbarns: Sofort wird alles zum politischen Thema hochgejubelt. Das geht einem Admin irgendwann tierisch auf die Nüsse. Und nicht nur ihm ;)
DerExperte (15.12.2008, 05:28 Uhr)
Erbaermliche Tat ....
lieber 10 000 neonazis raus aus Deutschland und 10 000 friedliche Muslems rein!
Wisst Ihr Neoidioten eigentlich dass Ihr von Geldern die Auslaender in die Kasse gezahlt haben - eure Stuetze bekommt! Eure Glatzkoepfe und Springerstiefel sollte man einfrieren und nie wieder auftauen!
keinheiliger (15.12.2008, 03:10 Uhr)
Erstaunlich
Erstaunlicherweise hat der Stern diesen Vorfall zum Kommentieren freigegeben, erstaunlich insofern, da ansonsten bei Themen mit rechtsradikalen Inhalten die Kommentarfunktion nicht geschaltet wird. Beim Ueberfliegen der nicht wenigen Beitraege, habe ich erstaunt feststellen muessen, das die braunen Beitraege mit viel Kreide unter den Tasten getippt wurden, da man den Mordversuch, offensichtlich begangen von einen Rechtsradikalen, an einen Polizisten ja offiziell auch verurteilt. GbN nutzt hier geschickt seine durchaus intellektuellen Faehigkeiten, um seinen politischen Muell verharmlosend unter die Foristen zu streuen.
Ich hoffe allerdings, die Polizei laesst ihre chronische Blindheit auf dem rechten Auge durch dieses Attentat endlich behandeln. MfG
tagora-sagittara (15.12.2008, 01:42 Uhr)
Äh...
rechtsautonome oder linksradikale,...oder wie!?
Beides bürgerliche Randerscheinungen die man getrost ignorieren kann,... im Zweifel Klapsmühle oder Knast!!
cobdet (15.12.2008, 00:59 Uhr)
@Georges13437
Ja,ja fangt schon mal an mit der Legendenbildung...
Waffenlager sind dann immer einzelne Waffennarren und Attentate sind dann die kriminellen Handlungen Einzelner... weisst du was mich bei euch "Braunen" noch mehr aufregt als eure Dummheit ? Eure Feigheit zu dem zu stehen was ihr veranstaltet.
Und wenn es dann mal nicht so läuft wie es sollte dann gehört der Täter nie zur "Bewegung".
Georges13437 (15.12.2008, 00:38 Uhr)
Immer schön ruhig bleiben.
Es war ein Angriff auf einen Menschen mit einem Messer, eine kriminelle Tat wie sie fast täglich in Deutschland zu verzeichnen ist. All die Verletzten und Toten, die durch einen Messerangriff zu Schaden kamen, sollte man mal hier aufführen, die Seiten wären voll, nur diese Geschädigten sind nicht von Interesse, eher da schon die Täter, die allesamt meistens gut wegkommen. Noch sind es im übrigen alles nur Vermutungen und keine Tatsachen und weiterhin wollen wir mal sehen, ob bei dem nächsten abgestochenen Normalbürger, hier im Forum das Geschrei und der Protest auch von dieser Größe sein wird, ach nein das geht ja nicht, denn dann sind ja viele wieder in ihrer politisch korrekten Ecke gekrochen.
Fazit : Diese Tat war eine kriminelle Handlung und sonst gar nichts und zur Verurteilung haben wir in Deutschland eine gemäßigte Gerichtsbarkeit, oder gilt das in diesem Fall etwa nicht?
Herzlichst
Georges
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