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11. Juli 2008, 10:42 Uhr

Wie man Awacs durch den Bundestag schleust

Nato-Militärs fordern Truppenaufstockungen in Afghanistan. Besonders gefragt: Awacs-Einsätze. Die Besatzungen bestehen aber zu 40 Prozent aus deutschen Offizieren, deren Einsatz vom Bundestag genehmigt werden muss. Da ist eine geschickte Informationspolitik gefragt.

Ein Awacs-Aufklärungsflugzeug steht in Geilenkirchen auf dem Nato-Stützpunkt© Oliver Berg/DPA

Das Szenario ist bekannt. Militärs mahnen, dass mehr Soldaten, Flugzeuge oder Spezialkräfte für den Einsatz gegen die Taliban in Afghanistan benötigt würden. Das Verteidigungsministerium in Berlin teilt dann mit, dass es noch keine Anfrage der Nato gebe. Es folgt Aufregung unter Experten im Bundestag, die nach eigenem Bekunden über Pläne für deutsche Soldaten oft erst aus den Medien erfahren. Und nach einigen Monaten wird schließlich beschlossen, was von Beginn an zur Debatte stand. So war es zuletzt bei der Entsendung der Tornado-Aufklärungsflugzeuge, der Aufstellung der schnellen Eingreiftruppe und der erneuten Erhöhung des Bundeswehrkontingents. Und deshalb würde sich kaum jemand wundern, wenn es sich nicht ebenso mit den nun ins Gespräch gebrachten Awacs-Maschinen verhielte.

vor noch nicht einmal drei Wochen gab Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bekannt, dass er dem Bundestag die Aufstockung der Truppe für die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch um 1000 auf 4500 Soldaten vorschlägt. Schon fünf Monate zuvor war diese Zahl durchgesickert, aber vom Ministerium mehrfach dementiert worden. Wenn Angaben stimmen, wonach der deutsche Nato-General Egon Ramms als Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe ISAF die Awacs-Maschinen auf Nato-Ebene deutlich vor Jungs öffentlicher Ansage zum Thema gemacht hat, stellen sich drei Fragen. Warum ging Jung nicht darauf ein? Wusste er es nicht? Und wenn ja, warum kannte er Ramms Vorstoß nicht?

40 Prozent der Awacs-Besatzung sind Deutsche

Deutsche Nato-Generale unterstehen zwar nicht dem deutschen Verteidigungsminister, sondern dem Nato-Generalsekretär. Dennoch mag es für Außenstehende überraschend sein, dass die Bundesregierung nichts von dem angeblich seit längerem bestehenden Gedankenaustausch bei der Nato erfahren haben soll, obwohl es in erheblichem Maße um deutsche Belange geht. Denn die Besatzungen der Awacs- Aufklärungsflugzeuge bestehen zu 40 Prozent aus deutschen Offizieren.

Im Mai hatte das Bundesverfassungsgericht den Bundeswehreinsatz in Awacs-Aufklärungsflugzeugen der Nato zu Beginn des Irak-Kriegs 2003 wegen der fehlenden Zustimmung des Parlaments im Nachhinein für verfassungswidrig erklärt. Die Karlsruher Richter stärkten damit die Rechte der Abgeordneten und untersagten der Regierung entsprechende Alleingänge. Und zieht der Bundestag nicht mit, kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Verbündeten in Verlegenheit.

Hauptstandort der Awacs-Nato-Flotte ist Geilenkirchen

Awacs-Maschinen würden wie die deutschen Tornados über ganz Afghanistan eingesetzt werden - also auch zur Aufklärung und möglichen Koordinierung von Kampfflugzeugen der Nato-Partner im umkämpften Süden des Landes. Und das ist der nächste heikle Punkt. Für die Bundesregierung ist der Süden eigentlich tabu. Nur die Tornados und 40 Fernmelder sollen in der Region eingesetzt werden dürfen. Kommen die Awacs-Flugzeuge dazu, wird etwa die Linke dies im Bundestagswahlkampf als weiteren Beleg für die immer tiefere Verstrickung Deutschlands in die Kämpfe in Afghanistan werten.

Hauptstandort der Awacs-Nato-Flotte ist mit 17 von 24 Flugzeugen Geilenkirchen bei Aachen. Die "Aachener Zeitung" hatte in der vorigen Woche bereits über die Pläne bei der Nato berichtet und noch einen anderen Aspekt als die militärische Notwendigkeit erwähnt: "Ende des Jahres ist die letzte der 17 Awacs-Maschinen in Geilenkirchen modernisiert. 1,6 Milliarden US-Dollar wird die Nato dann in digitale Kommunikationssysteme an Bord investiert haben... Diese Aufrüstung soll offenbar nicht umsonst gewesen sein."

Kristina Dunz/DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
paulmaz (11.07.2008, 22:01 Uhr)
Gleicher Gedanke
@ Franzoesin
Die AWACs sollen ja nur kurzzeitig
eingesetzt werden. Wahrscheinlich so-
lange, wie der Überfall läuft. Ich
blaube, Sie haben recht.
Franzoesin (11.07.2008, 20:29 Uhr)
Awacs in Afghanistan
Hatte ja ganz vergessen - Afghanistan grenzt an den Iran !!! Wenn das nicht eine eindeutige Vorbeitung eines Angriffskriegs gegen den Iran ist !!! : mit AKTIVER DEUTSCHER Beteiligung - aber "natürlich" - die Deutschen haben "Natürlich" wieder von Nichts gewusst !!
n8g8 (11.07.2008, 18:42 Uhr)
Super Idee!!!
... dann haben wir weniger AWACs, die friedliche Demonstranten "aufklären"! DAFÜÜÜR! :-)
Franzoesin (11.07.2008, 15:32 Uhr)
AWACS in der BRD
Vielleicht bin ich falsch informiert - aber sind die Spionageflugzeuge nicht zu 100-% von den Deutschen bezahlt worden - sind also (THEORETISCH ) "Deutsche" FLieger ? die jedoch von den US-Besatzern zu Kriegsführung und Auspionierung der Nachbarstaaten eingesetzt werden ? mit der Gnade dass auch BRD-Soldaten mitfliegen dürfen - natürlich wird alles von den Amis kontrolliert - und Sprache ist natürlich Englich.
Wenn jetzt also DEUTSCHE AWACS in Afghanistan eingesetzt werden ( mit dem Ziel China und Russland auszuspionieren - denn ich glaube nicht, dass die Taliban viele Flugzeuge besitzen ) ist das a) eine "Deutsche' Provokation dieser beiden Großmächte und b) wenn wirklich die Taliban gemeint sind - ein Grund der Taliban ebenfalls intensiver in der BRD aktiv zu werden : herzlichen Glückwunsch.
ukiduki (11.07.2008, 15:00 Uhr)
die Entwicklung war vorhersehbar
Die jetzige Entwicklung, dass heißt die immer tiefere Verstrickung der BRD in kriegerische Auseinandersetzungen, war schon sichtbar, bevor das Merkel an die Macht kam, denn in Ihrem letzten Wahlkampf sagte sie schon in der amerikanischen Hauptstadt, dass bezüglich des Krieges nicht alle Deutschen wie Schröder denken und nicht mit spielen wollen. Und anscheinend ist es wirklich so, denn sie wurde ja gewählt und wird es auch bestimmt wieder.
Geld hat der Staat genug, also können wir ruhig noch ein paar mehr Kämpfer los schicken. (Merkels Söhne können es ja nicht sein.)
Und wenn es dadurch hier unsicherer wird, na dann macht das Schäuble halt ein paar neue Gesetze aus Sorge um uns.
ecomoc4u (11.07.2008, 14:31 Uhr)
geschickte informationspolitik
dieser satz spricht bände.
Pengolodh (11.07.2008, 13:42 Uhr)
Informationspolitik
"Kommen die Awacs-Flugzeuge dazu, wird etwa die Linke dies im Bundestagswahlkampf als weiteren Beleg für die immer tiefere Verstrickung Deutschlands in die Kämpfe in Afghanistan werten."
Nicht nur die, hoffe ich, oder stellt die Linke nach Meinung der Autorin die einzigen denkenden Menschen in diesem Staat?
Immerhin ist klar, daß diese immer kompliziertere Informationspolitik endlich mal ein Informationsministerium bräuchte... nein, halt, so nennt das ein Mugabe. Wahrheitsministerium... ähm, schade, ist durch "1984" etwas vorbelastet. Aber Propagandaministerium geht schon mal überhaupt nicht, da würde ein Herr G. noch postum Verleumdungsklage einreichen.
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