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Diesen Auschwitz-Verbrechern wird in diesem Jahr der Prozess gemacht

Mit dem Prozess gegen einen 94-Jährigen in Detmold beschäftigt sich erneut ein deutsches Gericht mit dem Grauen in Auschwitz. Es ist nicht der letzte Prozess gegen einen mutmaßlichen Nazi-Verbrecher.

Reinhold H. war als Wachmann in Auschwitz tätig.

Reinhold H. war als Wachmann in Auschwitz tätig. In Detmold wird ihm der Prozess gemacht.

Vor dem Detmolder Landgericht hat der Prozess gegen einen 94-jährigen mutmaßlichen früheren SS-Wachmann des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz begonnen. Der Angeklagte soll 1943 und 1944 als Angehöriger des SS-Totenkopfsturmbanns Auschwitz im Stammlager eingesetzt worden sein. Ihm wird Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen vorgeworfen Es ist in diesem Jahr nicht der einzige Prozess, bei dem ein mutmaßlicher NS-Täter angeklagt ist.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Jens Rommel, Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, starten in diesem Jahr zwei weitere Prozesse gegen mutmaßliche NS-Verbrecher. In einem dritten Fall sei noch nicht klar, ob die Hauptverhandlung eröffnet werde, da die Verhandlungsfähigkeit der 92-jährigen Angeklagten noch untersucht werden müsse, sagte Rommel dem stern. In allen drei Fällen handelt es sich um ehemaliges Personal aus Auschwitz

Prozess in Neubrandenburg

Angeklagt ist Hubert Z., der als Sanitäter in Auschwitz arbeitete. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord in 3.681 Fällen vor. Der Prozess gegen den mittlerweile 95-Jährigen beginnt am 29. Februar.

Prozess in Hanau

In Hanau steht das Hauptverfahren gegen einen 93-Jährigen Ex-Wachmann von Auschwitz an - vor der Jugendkammer, weil er damals erst 19 Jahre alt war. Dem Rentner wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Konkret geht es um drei Deportationstransporte und mindestens 1075 getötete Menschen. Der Anklage zufolge war der Angeklagte als junger Mann acht Monate vom 1. November 1942 bis 25. Juni 1943 in dem KZ im damals besetzten Polen tätig. Der Prozess soll Mitte April beginnen.

Anklage in Kiel

In Kiel ist eine 92-jährige Frau angeklagt, die Funkerin in der Lagerkommandantur in Auschwitz war. Sie soll bei der systematischen Ermordung verschleppter Juden geholfen haben.

Ob es in diesem Fall zur Hauptverhandlung kommt, muss allerdings noch geklärt werden. Wie das Landgericht Kiel dem stern mitteilte, geht es um die Frage, ob die Angeklagte verhandlungsfähig sei.

Ein Sachverständiger habe ein Gutachten erstellt, das von den Prozessbeteiligten nun geprüft werde. Mit einer Entscheidung wird Ende Februar gerechnet.

Die letzten Auschwitz-Prozesse?

Durch eine geänderte Rechtsauslegung sind zuletzt die Hürden für Verurteilungen wegen Beihilfe zu NS-Verbrechen gesunken. Jahrzehntelang galt es als unumgänglich, Beschuldigten eine konkrete Beteiligung an einer konkreten Tötungshandlung nachzuweisen.

Erst mit dem Schuldspruch gegen den Vernichtungslagerwachmann John Demjanjuk durch das Landgericht München 2011 begann sich dies zu ändern. Die Richter sahen nun schon die Zugehörigkeit zur Wachmannschaft eines Lagers, in dem massenhaft und systematisch gemordet wurde, als ausreichend dafür an, den Angeklagten wegen Beihilfe zu Tötungen zu verurteilen.

Dass es noch weitere Auschwitz-Prozesse geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Ermittlungsbehörden nehmen inzwischen aber längst andere Tatorte und Tatkomplexe ins Visier - etwa NS-Tötungsverbrechen im Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek.

kis mit DPA/AFP
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