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9. Mai 2007, 22:20 Uhr
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Krawalle bei Demo gegen G-8-Razzia

Nach der groß angelegten Polizeiaktion in mehreren deutschen Städten gegen militante Gegner des G-8-Regierungstreffens ist es zu ersten Demonstrationen der linken Szene gekommen. In Hamburg kam es am Abend zu Ausschreitungen.

Ein Polizeibeamter steht vor dem linken Szene-Treff "Rote Flora" in Hamburg© Kay Nietfeld/dpa

Am Donnerstagabend haben sich in Hamburg knapp 2.000 Demonstranten vor dem linken Szene-Treff "Rote Flora" versammelt, um gegen die Durchsuchung ihrer Räume durch Bundesanwaltschaft und Polizei zu demonstrieren. In den anliegenden Straßen platzierten sich mehrere hundert Polizisten, um gegen mögliche Ausschreitungen von millianten Aktivisten gewappnet zu sein. Auch Wasserwerfer wurden in einer Seitenstraße in Stellung gebracht. Über der "Roten Flora" prangte ein Banner mit der Aufschrift: "Repression zurückschlagen".

Nachdem die 2.000 Protestler zunächst rund eineinhalb Stunden friedlich demonstriert hatten, kam es spät am Abend im Schanzenviertel zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Demonstranten warfen Flaschen und feuerten Leuchtkörper auf die Beamten, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein und lösten die Versammlung auf. Über Verletzte oder Festnahmen war zunächst nichts bekannt.

Einen Monat vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm ist die Bundesanwaltschaft am Mittwochmorgen mit einer bundesweiten Anti-Terror-Razzia gegen militante Linke vorgegangen. Gegen mehr als 20 mutmaßliche Extremisten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet, wie die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Sie werden verdächtigt, das Treffen der Staats- und Regierungschefs mit Brandanschlägen stören zu wollen und bereits mehrere Taten verübt zu haben.

Insgesamt 900 Beamte durchsuchten am Mittwoch 40 Arbeitsplätze und Wohnräume in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft konzentrieren sich nach eigenen Angaben auf zwei Gruppen von G-8-Gegnern aus dem militanten linksextremistischen Umfeld. "Wir ermitteln gegen 21 namentlich Bekannte und weitere unbekannte Personen", sagte Sprecherin Petra Kneuer in Hamburg. Es gehe vor allem um bereits verübte Anschläge.

Kritik an der Aktion

Insgesamt legen die Ermittler den Globalisierungsgegnern zwischen 2005 und 2007 rund 40 Anschläge zur Last. Dazu zählen ein Brandanschlag auf das Auto von Finanzstaatssekretär Thomas Mirow in Hamburg und die Beschädigung eines Berliner Sozialgerichts mit einem Molotow-Cocktail. Mit insgesamt 25 gehen die meisten Taten auf das Konto der "militanten gruppe". Die Bundesanwaltschaft will mit der Aktion aber auch weitere Aktionen verhindern. "Wir erhoffen uns zu erfahren, wenn weitere Anschläge geplant sind", sagte Kneuer. "Festnahmen im Zusammenhang mit unserer Aktion gab es keine", sagte Kneuer.

Die Hamburger Polizei habe allerdings im Zusammenhang mit der Durchsuchung des alternativen Kulturzentrums "Roten Flora" Störer festgenommen. Das Gebäude im Hamburger Schanzenviertel gilt als wichtiger Anlaufpunkt für G-8-Gegner. Gipfelkritiker bezeichneten die Durchsuchungen in einer Mitteilung als Repression. Die Ermittlungen würden als Vorwand genommen, um wahllos gegen die linke Mobilisierung vorzugehen. "Die Polizei hat hohen Fahndungsdruck und nichts in der Hand", sagte Marcus Steinhagen von der Berliner Gruppe Gipfelsoli.

Ein Mitveranstalter der Großdemonstration zum G-8-Gipfel bezeichnete die Razzia als unsachgemäß und unverhältnismäßig. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hält es nach eigenen Worten für möglich, dass Polizei und Bundesanwaltschaft mit einer Reihe von solchen Aktionen Signale in der Szene setzen wollten. Die stellvertretende Chefin der Linkspartei.PDS, Katja Kipping, erklärte, mit der Polizeiaktion werde der Versuch unternommen, schon vor dem Gipfel die Proteste zu kriminalisieren. Die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) sprach von gezielten Einschüchterungen. Das Netzwerk Friedenskooperative nannte die Durchsuchungen "unsachgemäß und unverhältnismäßig".

Schäuble ordnet Grenzkontrollen an

Unterdessen ordnete Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble an, aus Sicherheitsgründen vor und während des Gipfels an den Grenzen zu den EU-Nachbarländern wieder Kontrollen durchgeführt werden können. Sie würden lageabhängig erfolgen und sollten die Anreise potenzieller Straf- und Gewalttäter verhindern. "Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Gefahren durch gewalttätige Globalisierungsgegner", teilte Schäuble in Berlin mit. Der Gipfel der acht führenden Wirtschaftsnationen findet vom 6. bis 8. Juni im Ostseebad Heiligendamm statt. Auf vergangenen Gipfeln, etwa in Genua 2001, war es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und militanten Demonstranten gekommen. Ein 12,5 Millionen Euro teurer und mehr als zwölf Kilometer langer Sicherheitszaun rund um den Tagungsort soll die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen sichern.

AP/dpa
KOMMENTARE (10 von 28)
 
hardrain (11.05.2007, 12:47 Uhr)
Catchme gegen Verstopfung!
Selten ein so geeignetes Abführmittel der geistigen Toleranz gelesen. Ganz im historischen Kontext der SPD. Na ja, was kann man auch anders erwarten bei solchen "Bin-seit-dreißig-Jahren-dabei" Mitgliedern. Einigen anderen Kommentaren empfehle ich einen kleinen Kurs an der örtlichen VHS: "Was ist eigentlich Globalisierung und warum geht es uns dabei so beschissen?" Achtung: Es geht dabei nicht um Bananen aus Kelsterbach!!!
butalive (10.05.2007, 13:34 Uhr)
ein lied für die regierung und die..
es mag ja wirklich schlimm sein und es tut mir vielleicht leid aber zum richtig gut sein hab ich keine zeit verarschung ist die regel keine wahrheit ohne ekel nur der schlaue zahlt nicht viel wer weiß schon was er will nur wo menschen starben sind profite zu erwarten sind geschäfte zu machen und verkaufen sich die waffen
beherrscht vom zwang zur zukunft fehlt nur die gegenwart und die ist voller menschen die man schon vergessen hat.zitat peter hein
NeuerMensch (10.05.2007, 12:03 Uhr)
@catchme
Klar, derart sinnlose Gewalt ist eine Armutserklärung und keine politische Äußerung. Aber bei Verdacht alle in einen Sack stecken und mit dem Antiterror-Knüppel draufhauen? Das ist wahrlich keine Einstellung, die sich durch Rechtstaatlichkeit und Demokratieverstäündnis auszeichnet. Das die SPD auch mit Ihrer Person den großen Rechtsruck der Politik maßgeblich mitprägt, ist historisch gesehen auch kein Wunder. "Einer muss der Bluthund sein", nicht wahr? Das gilt in der SPD heute wohl noch genauso wie schon 1919.
catchme (10.05.2007, 07:47 Uhr)
Wir leben in einer Welt !
Wir leben in einer Welt, wir sollten versuchen, dieses friedlich und fair hinzubekommen ... egal ob rechts oder links, es sind immer die " Looser " der Gesellschaft, die ihr eigenes Unvermögen in dieser Welt zurechtzukommen, durch Gewalt und eine " ich bin dagegen - Haltung " zu kompensieren wollen ! Wer bereit ist Leistung zu erbringen, der findet auch seinen Platz in einer globalen Wirtschaft ! Aber es ist natürlich viel einfacher ein Auto anzuzünden ... dazu braucht es nur einen Brandbeschleuniger - keinen großen IQ ! Die Polizei sollte daher ruhig mit größer Härte vorgehen und immer draufschlagen - es ist nichts drin in den Köpfen, was kaputt gehen könnte ! Bevor mich jetzt alle in die rechte Ecke stellen, ich bin seit über 30 Jahren Sozialdemokrat in Verantwortung ...
gmathol (10.05.2007, 03:03 Uhr)
Einschuechterungsversuche der amtierenden deutschen Junta!
Man muss sich nur noch wundern, wie die politische Ideologie der USA ueber den Atlantik wuchern.
Schmerzhaft auch, da wir glaubten den Faschismus/Plutokratie im II. Weltkrieg endgueltig besiegt zu haben.
Nun meldet sich die faschistische Ideologie mit neuen Argumenten und Schluesselworten zuerueck: Protest gegen die Regierung=Terrorismus.
Wehren wir den Anfaengen und fallen nicht mehr auf die politischen Rattenfaenger von Rechts: Schaeuble, Struck um nur einige zu nennen - herein.
Die USA wissen, das nur noch der sogenannte "freie Handel" als Druckmittel gegen die Voelker angewendet werden kann.
Was allerdings tun wir, wenn alle unsere Jobs nach China abgewandert sind und das mit Hilfe unserer Steuergelder?
Wie koennen wir als Volk noch ueberleben? Eine Service Industrie als Ersatz bietet diese Chance nicht.
Wehrt euch an der Urne und gebt der CDU/CSU/SPD/Gruenen eine deutliche Absage.
NeuerMensch (10.05.2007, 01:14 Uhr)
Zusammenfassung
Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Einfach nur verdächtig, "möglicherweise" Gewalttaten "geplant" zu haben, hat ausgereicht, um 800 BKA-Beamte und 20 Staatsanwälte gegen 18 verdächtige Personen aufzubieten, zur "terroristischen Gruppe" gestempelt und durch §129 StGB aller Grundrechte und Unschuldsvermutungen (nach Schäubles Wünschen) entledigt. Der Paragraph, der nun auf Einzelpersonen ausgeweitet werden soll. Und es gibt tatsächlich Deutsche, die dieses Vorgehen noch beklatschen.
NeuerMensch (10.05.2007, 01:06 Uhr)
@Rosenengel
zwischen 1990 und 1996 gab es wegen Bildung einer Terroristischen Vereinigung (§129 StGB) 1116 Ermittlungsverfahren gegen linke Gruppierungen, aber nur 23 gegen rechte Gruppierungen. Und das in einer Zeit, in der es zeitweise fast wöchentlich rechtsextrenmistische Brandanschläge gegen von Menschen bewohnte Häuser gab (Rostock, Hoyerswerda etc. etc. ) und nach offiziellen Angaben über hundert Menschen Todesopfer rechter Gewalt wurden. Von den Ermittlungsverfahren zum §129 StGb führen übrigens nur 2% zu tatsächlichen Verurteilungen, nicht das du jetzt denkst, die 1116 Verfahren gegen Linke seien in einer tatsächlichen Affinität zum Terror begründet. Soviel nur mal zu deiner Behauptung, gegen "Rechte" würde staatlicherseits massiver vorgegangen als gegen "Linke".
Justizius (09.05.2007, 23:41 Uhr)
Die globale Ignoranz
Steine und Flaschen fliegen durch die Gegend, laute Protestrufe sind zu vernehmen, diverse Gegenstände werden angezündet. Was frührer als im Rahmen einer "gewalttätigen Demonstration" mit einigen Festnahmen üblich war, wird heute als terroristischer Akt gewertet. Doch wer entscheidet darüber, was terroristisch ist und was nicht oder was falsch ist und was nicht? Die Sache liegt ganz klar auf der Hand: Derjenige, der die Macht hat entscheidet über Terror, Globalisierung, Recht und Unrecht - nicht weil er das Recht hat, sondern weil er sich das Recht nimmt - so im Fall der Globalisierung: Der Kurs wird hier knallhart ohne Abweichung gehalten, das Gaspedal wird voll durchgetreten und jeder, der im Weg steht, wird gnadenlos überfahren.....vom G8-Monster. Die Stimme des Volkes wird geschickt unterwandert.......keine Umfrage....kein Referendum...keine Demokratie - in diesem Fall! Diejenigen, die laut schreien und auf die Problematik aufmerksam machen wollen, sind auf einmal die Terroristen - frei nach dem Motto der Amerikaner: "Alles was uns nicht passt, wird als "Terror", "Terrorist", "Schurkenstaat" oder eine "Achse des Bösen" bezeichnet. Dieses Motto hat leider auch hier in Europa Schule gemacht. Was hier in Europa noch leider keine Schule gemacht hat, ist die mangelnde Kenntnis der Bevölkerung über die Globalisierung und deren Folgen. Die Einen kennen sie nicht, die Anderen versehen sie nicht und wiederum Andere ignorieren die Globalisierung....es gäbe sonst viel mehr Demonstranten.....
Rosenengel (09.05.2007, 22:08 Uhr)
MRP66: Man muß kein Extremist sein,
um gegen die Globalisierung zu sein.
Nur leider ist es so, daß militante Extremisten, linke Extremisten, Gewalt anwenden. Und diese Gewalt richtet sich gegen unbescholtene Bürger, deren Autos man bei solchen Aktionen bevorzugt anzündet. Und diese Chaoten fragen nicht, wessen Auto sie zerstören, wie sehr derjenige vieleicht darauf angewiesen ist.
Und ich denke, die Polizei wird sich schon etwas dabei gedacht haben, diese Personen vorbeugend zu kontrollieren. Die deutsche Staatsgewalt ist nicht Pro"Rechts" eingestellt, ansonnsten würde man linker Gewalt auch energischer Begegnen und es würde nicht nur ein staatlich(aus Steuermitteln) finanziertes Programm gegen "Rechts" geben, sondern ein eben solches gegen "Links".
Ich bin gegen die Globalisierung. Aber auch gegen die Extremen Aller politischen Richtungen. Und wenn die Polizei vorbeugend eingreift, warum nicht?
Jede der politischen Richtungen in Deutschland schreit nach Meinungsfreiheit nur, wenn es sie selber betrifft, und freut sich, wenn die jeweils andere Seite einen staatlich verordneten Maulkorb bekommt.
soauchnicht (09.05.2007, 22:08 Uhr)
Linksterroristen
wie die zeit titelt. so nach und nach fügt sich alles zu einem bild zusammen. die sicherheitsgesetze, onlineüberwachung, datenspeicherung, alles im namen der terrorismusbekämpfung. ich bin sehr beunruhigt. der "staat" hat wohl angst vor seinen bürgern, die sich irgendwann nicht mehr alles bieten lassen.
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