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23. August 2010, 10:32 Uhr

Steinmeier spendet seiner Frau eine Niere

SPD Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat angekündigt, sich bis Oktober aus der Politik zurückziehen. Er will seiner erkrankten Frau eine Niere spenden. Die OP soll noch diese Woche stattfinden.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wird sich vorübergehend aus der Politik zurückziehen. Er werde seiner erkrankten Frau Elke Büdenbender eine Niere spenden, teilte Steinmeier am Montag mit. Bei der 48-Jährigen sei eine fortgeschrittene Nierenschädigung festgestellt worden, ihr gesundheitlicher Zustand habe sich in den vergangenen Wochen akut zugespitzt. Die Familie habe zunächst nach anderen Therapien gesucht, die aber nicht zu Verfügung standen. Wegen der langen Wartezeiten für Spendernieren habe sie sich dann zu einer Lebendspende entschieden.

Steinmeier will sich nach eigenen Angaben noch im Laufe des Tages in ärztliche Obhut begeben. Die Operation für die Verpflanzung der Niere solle in dieser Woche stattfinden. Er sei zuversichtlich, dass sie ohne Probleme verlaufen werde. "Die ärztliche Expertise, die ich zu Rate gezogen habe, sagt, dass es da keine Beeinträchtigung geben wird. Ich gehe davon aus, dass Sie mich in alter Frische wiedersehen werden", sagte der ehemalige Außenminister. Er rechne damit, dass er im Verlauf des Oktobers wieder seine Arbeit aufnehmen werde. Er habe den dienstältesten SPD-Abgeordneten Joachim Poß gebeten, seine Geschäfte als Fraktionsvorsitzender in dieser Zeit zu übernehmen. Steinmeier hatte den Posten des Fraktionschefs nach der Bundestagswahl im vergangenen September übernommen.

Anruf von Merkel und Westerwelle

Steinmeier verband seine Äußerungen mit der Bitte an die Medien, angesichts der Erkrankung seiner Frau seine Privatsphäre zu respektieren und von Nachforschungen im privaten Bereich abzusehen. Er werde die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren. Den Ort des Klinikums, an dem der Eingriff stattfinden wird, und auch die Zeit der Operation nannte der 54-Jährige nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte Steinmeier Kraft und Zuversicht für die Genesung seiner Ehefrau. Die Nachricht, dass seine Frau Elke Büdenbender so ernsthaft erkrankt ist, habe Merkel traurig und besorgt gemacht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Kanzlerin habe am Morgen mit Steinmeier telefoniert. Sie habe ihre Hoffnung auf baldige Besserung ausgedrückt und ihm alles Gute gewünscht.

Auch Außenminister Guido Westerwelle übermittelte Steinmeier Genesungswünsche für seine Frau. Der FDP-Chef unterbrach eine Sitzung des Parteipräsidiums, um mit Steinmeier zu telefonieren. "Er wünschte ihm persönlich und seiner Frau alles Gute für die Bewältigung der schwierigen Situation", sagte ein Sprecher.

An der Universität Gießen kennengelernt

Steinmeier und Büdenbender sind seit 1995 verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter, die im Frühjahr 1996 geboren wurde. Kennengelernt haben sich beide 1988 an der Universität in Gießen, wie der SPD-Politiker auf seiner Internet-Seite mitteilt. Büdenbender ist Richterin am Berliner Verwaltungsgericht mit dem Fachgebiet Sozialrecht.

"Elke hatte nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau ihr Abitur auf dem Kolleg nachgeholt und sich durchgebissen bis zum Studium", schreibt Steinmeier auf seiner Webseite. "Zusammen gingen wir nach Hannover, wo sie ihr Referendariat begann." Ironischerweise sei seine Frau dann sogar früher als er in Berührung mit der Außenpolitik gekommen. "Als Referendarin absolvierte sie ein Praktikum bei der Deutschen Botschaft in Washington und wurde rasch zur Expertin für amerikanische Innenpolitik - mit kritischem Blick auf die sozialen Defizite der US-Gesellschaft".

zen/mad/DPA/AFP/APN
 
 
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