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27. November 2007, 14:27 Uhr

Metzger verlässt die Grünen

Der Grünen-Finanzpolitiker Oswald Metzger macht seine Ankündigung wahr und tritt aus seiner Partei aus. Der Finanzexperte sagte, es habe einen persönlichen und programmatischen Entfremdungsprozess gegeben. Eine neue politische Heimat gibt es für ihn bislang nicht.

Macht sich auf den Weg in eine neue politische Heimat: Oswald Metzger© Timm Schamberger/DDP

Der Grünen-Politiker Oswald Metzger tritt aus der Partei aus. Heute gehe nach 21 Jahren seine Mitgliedschaft bei den Grünen zu Ende, sagte er nach einer Sitzung der baden-württembergischen Landtagsfraktion in Stuttgart. "Es hat über die letzten Jahre einen Entfremdungsprozess persönlich und programmatisch gegeben", sagte Metzger zu seinen Schritt.

Die jüngst vom Grünen-Bundesparteitag getroffene Entscheidung für ein Grundeinkommen sei der Schlusspunkt gewesen. Metzger hatte bereits vor Wochen vor einem Linksruck gewarnt und mit einem Rückzug gedroht. Die Grünen-Landesvorsitzende Petra Selg quittierte Metzgers Schritt mit den Worten: "Reisende soll man nicht aufhalten."

Er werde die Mehrheitsverhältnisse im Stuttgarter Landtag nicht verändern, sondern sein Mandat binnen eines halben Jahres zurückzugeben. Während dieses Zeitraums werde er als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag bleiben. Bei einem Wechsel von Metzger zur CDU-Landtagsfraktion hätte diese eine absolute Mehrheit. Für diesen Fall hatten die Liberalen bereits ein Ende des Regierungsbündnisses angekündigt.

"Gehe nicht schnurstracks in die nächste Partei"

Dazu wird aber so schnell nicht kommen. "Ich habe nicht vor, schnurstracks zu einer anderen Partei zu gehen." Allerdings: "Man wird in Deutschland nur etwas bewegen, wenn man in die Parteien geht." Einen Übertritt zur SPD, der er vor über 20 Jahren schon einmal angehört hatte, schloss er aus. "Nur Union und FDP kommen in Frage." Die Südwest-CDU will Metzger keine Posten oder Mandate anbieten. "Wir sind uns einig, dass wir keine Angebote machen können oder wollen", hatte CDU-Landeschef und Ministerpräsident Günther Oettinger kurz vor Metzgers Entscheidung gesagt.

Der Finanzexperte, der schon länger wegen seiner wirtschaftsliberalen Ansichten bei den Grünen kritisiert und von CDU und FDP umworben worden wird, hatte vor dem jüngsten Bundesparteitag zu stern.de gesagt: Viele Sozialhilfeempfänger sähen ihren Lebenssinn darin, "Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen". Eine von der Grünen-Spitze geforderte Entschuldigung hatte er abgelehnt.

Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, sagte dazu jetzt im "Tagesspiegel", dass Metzger sich mit seinen Äußerungen über Langzeitarbeitslose und deren Kinder "aus dem Bereich der grünen Werte verabschiedet" habe. "Er hat den Wertehaushalt der Grünen verletzt, und zwar eklatant", so Kuhn. Damit habe Metzger auch "die Mauer gebaut, die da entstanden ist".

Metzger selbst ist nicht auf Sozialhilfe angewiesen: Der 52-Jährige hat nach seinem Rückzug aus dem Parlament vier Monate lang Anspruch auf ein Überbrückungsgeld hin Höhe seiner Diät von 4879 Euro. Einen Pensionsanspruch hat er nicht erworben; dafür muss ein Abgeordneter zehn Jahre dem Landtag angehören. Metzger war aber von 1994 bis 2002 im Bundestag und erhält dafür eine Pension. Nach der jetzigen Regelung bekommt er vom 65. Lebensjahr an 1682,16 Euro im Monat. Allerdings muss der vielbeschäftigte Buchautor und Berater diese Altersentschädigung versteuern.

Metzger saß für die Grünen bereits im Bundestag

2005 scheiterte er bei der Aufstellung der Grünen-Wahlliste und vertritt die Partei seitdem im baden-württembergischen Landtag. CDU und FDP reagieren in Stuttgart seit 1996 in einer Koalition.

Die baden-württembergische SPD reagiert mit Spott auf den Abgang Metzgers: "Das einzige, was mir gegenwärtig schlaflose Nächte bereitet, ist, dass Oswald Metzger vielleicht doch eine Aufnahme in die SPD beantragt. Die Ablehnung eines solchen Ansinnens ist nämlich nach unseren Statuten gar nicht so einfach", sagte Reinhold Gall, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion in Stuttgart.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Karl_Holzmann (27.11.2007, 23:20 Uhr)
In der Tat
Herr Metzger hat völlig recht!
Ich sehe sie doch täglich wenn ich aus dem Fenster gucke. Dicke Hartzer mit Hängebauch und Bierflasche in der Hand. Hier werden unsere Steuergelder in Kohlehydrate verwandelt. Das darf nicht sein. Pfui.
Herr Metzger hat den vollen Durchblick. Und es ist gut daß er die bolschewistischen Grünen verläßt.
salz63 (27.11.2007, 19:23 Uhr)
unangenehme Wahrheiten
Die Wahrheit ist die Wahrheit, ob man das wahr haben will oder nicht.
Und auch, wenn die Wahrheit etwas ist, das der politische Gegner instrumentalisiert und polemisiert, so bleibt doch wahr, was wahr ist.
Dann muß man gerade zur Wahrheit stehen und die Realitäten verändern, wenn sie einem nicht gefallen, statt sie umzudeuten oder sie zu tabuisieren.
Wenn also ein Teil der Sozialhilfeempfänger in asoziale Verhaltensweisen abrutscht und damit auch den eigenen Kindern schadet, dann muß man etwas dagegen tun. Auch und gerade für die rechtschaffenden Sozialhilfemepfänger und die Zukunft der Kinder der Sozialhilfeempfänger, die durch dieses Verhalten zur Angriffsfläche werden und generell zum Schmarotzer gestempelt werde. Dabei leisten tausende Sozialhilfeempfänger gute Dienste für die Gesellschaft, indem sie Kinder erziehen oder sich sozial engagieren!
Gegen Sozialhilfemißbrauch zu kämpfen, heißt für den Fortbestand der Sozialhilfe zu kämpfen und nicht gegen die Leute für die die Sozailhilfe gemacht ist.
.
Wer nichts gegen den Mißbrauch tut wird irgendwann nichts mehr an die, die wirklich bedürftig sind verteilen können!
Perkins1975 (27.11.2007, 19:07 Uhr)
Ich gratuliere ebenfalls,
allerdings Herrn Metzger, der meines Erachtens völlig recht hat mit dem, was er sagt und getan hat.
Hat einer von den Gutmenschen hier mal das gesamte Interview gelesen, aus dem das Metzgerzitat stammt? Ich zugegebenermaßen auch nicht; meiner Erinnerung nach stand es aber im Zusammenhang damit, dass die Befürworter des Bürgergeldes und Grundeinkommens (und wie das sonst noch genannt wird) die Ansicht vertreten, ein Mensch, der nicht mehr arbeiten müsse, könne sich irgendwelchen hochwertigen Tätigkeiten künstlerischer oder sozialer Art etc. widmen. Und genau dazu hat Metzger - vollkommen richtig und auch passend - bemerkt, dass sich dauerhaft staatlich alimentierte Menschen eben zu nicht unwesentlichen Teilen NICHT so verhalten, sondern Pommes vorm Fernseher fressen und sich eine Fluppe nach der anderen reinziehen. RECHT HAT DER MANN!
erichmonika (27.11.2007, 16:56 Uhr)
Ich gratuliere
den Grünen, dass er entlich ausgetreten ist. Seine Ansichten passen zur FDP oder zum rechten rand der CDU. Er geht doch davon aus, dass jeder seines Glückes Schmied ist und dass jeder der vor dlem Fernseher sitzt und Alkohol und Kohlehydrathe in sich hinein tut, selber schuld ist. Wenn aber festgestellt wird, dass das oft schon in der dritten Generation so ist, dann hat doch unser Bildungssystem, dann haben wir, die wir nicht Sozialhilfeempfänger sind versagt. Konsequnz Metzger wäre: streicht denen das Geld, dann werden sie strebsam, arbeitswillig und werden alle "Oswad Metzger". Sie schwätzen blöd herum und bekommen dafür auch noch viel Geld.
Chessstar (27.11.2007, 16:33 Uhr)
Ich hätte nicht gedacht
daß ich Metzger mal zustimmen würde. Aber völlig Unrecht hat er mit seiner Meinung über Sozialhilfeempfänger leider nicht. Es gibt halt tätsächlich Familien, deren dritte Generation zu diesen Empfängern gehört und die es nicht anders kennt und auch nicht mehr will.
Das Problem ist, daß sie sehr leicht zu instrumentalisieren ist um Sozialkürzungen zu fordern, wodurch auch den Willigen unter den Sozialhilfeempfängern der Saft abgedreht wird. Und das darf nicht passieren. Denn eine Kürzung hätte keinesfalls den Effekt, dieser dritten Generation automatisch Beine zu machen. Aber sie würde, wie gesagt, den Willigen die Beine amputieren.
Leseratte79 (27.11.2007, 16:28 Uhr)
Wo liegt..
..eigentlich der Unterschied zwischen einem Hartz 4 Empfänger der Zuhause "Alkohol" trinkt und "Kohlehydrate" futtert zu dem Arbeitenden, der sich am WE in der Kneipe "volllaufen" lässt und vorher an der "Dönerbude" rastet? Genau, der eine bekommt Geld vom Staat und der Andere finanziert es...nicht mehr und nicht weniger. Aussagen wie die "vom Metzger" sind bestimmt förderlich und drücken den Empfänger "eins rein" und geben dem Arbeitenden einen Grund mehr zu schimpfen. Danke Herr Metzger, dass sie die öffentliche Meinung über den "faulen Empfänger" festigen- wovon leben sie eigentlich in Zukunft? Aber ihre Aussage macht sie bestimmt wertvoll für "Paroleparteien" die mit "dummen Gedankengut" die Politik verseuchen.
jopa5800 (27.11.2007, 16:26 Uhr)
Kinder, ihr seid naiv
Und zwar alle zusammen, die ihr Euch pro oder kontra Metzger ereifert. Bei Spiegel, Stern und taz ist sein Rücktritt z. Zt. Titelthema.
Dabei ist der Mann doch nur Landtagsabgeordneter ohne Parteiamt, also ein klassischer Hinterbänkler. Wie kommt man ohne Purpurmantel auf die Titelseite? Gut, wenn man einflussreiche Freunde hat (und die hat er) hilft das, aber so ein Spruch, der der reaktionären aber schweigenden Mehrheit der 2/3 Gesellschaft aus der Seele spricht, ist man auf der sicheren Seite. Zugleich hat man sich als Marke etabliert: Metzger, das ist der mit den saufenden Asozialen, den kann man sich merken. Und das die CDU jetzt sagt, sie hätte ihm kein Angebot gemacht? Ein Typ wie Metzger springt nicht, wenn er nicht genau weiß, daß sich das auszahlt. Bei der nächsten Dundestagswahl steht er auf einem sicheren Listenplatz bei CDU oder FDP. Das war bei den Grünen nicht mehr drin. It’s that easy.
inselkarl (27.11.2007, 16:09 Uhr)
Alkohol und Kohlehydrate
unbequeme Wahrheiten werden von unserern poltisch korrekten Oberlehrern leider verdrängt. Eine Unterschicht hat es schon seit Menschen gedenken gegeben, nur dass in der Vergangenheit wegen schlechter Alimentierung immer Leute mit Charakter und Begabung den Aufstieg geschafft haben. DAs hat sich in den letzten 20 Jahren aber leider total geändert. Die Ruhigstellung des Prekariats und der jugendliche Immigranten mit immer mehr Sozialtransfers verhindert nicht die weitere geistige Verelendung
dieser Schicht. DA können die Grünen noch soviele Sozial- und Bewährungshelfer anstellen- ohne Druck und Willen zur Leistung können die meisten nicht mehr aus ihrer Lethargie ausbrechen. Leider wird der Überbringer dieser Wahrheit auf dem Altar der jakubinischen Besserwisser geopfert.
Palatine (27.11.2007, 16:04 Uhr)
whismerh2
Ich behaupte ja nicht, dass alle Sozialhilfeempfänger über einen Kamm zu scheren sind. Ältere Menschen ohne Job oder Langzeitkranke haben eben keine Chancen aus der Sozialhilfe herauszukommen.
Mich ärgert aber die Scheinheiligkeit der Grünen, für die nicht sein kann, was nicht sein darf. Das Problem der großen Anzahl von Familien, die ihre Zeit biertrinkend, Fertiggerichte mampfend und Zigaretten rauchend vor der Glotze verbringen existiert für sie nicht, folglich gibt es auch keinen Handlungsbedarf zugunsten betroffener Kinder. So bastelt man sich sein grünes Wolkenkuckucksheim zusammen. Aber Hauptsache, wir haben das Dosenpfand.
whismerh2 (27.11.2007, 15:37 Uhr)
@palatine
exakt dem ist nichts mehr hinzufügen auser vieleicht noch die Randbemerkung das von den 3 Menschen
die die ältere Dame umgebracht haben
war heute nach zulesen;
ist dadurch aufgefallen sich
Leistungen erschlichen zu haben.
Wer das nicht übersetzen kann soll
weiter auf seiner Wolke träumen.
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