19. August 2006, 17:59 Uhr

Die Jagd nach dem zweiten Mann

Der in Kiel festgenommene Terrorverdächtige - ein libanesischer Student - wollte offenbar vor seiner Festnahme aus Deutschland verschwinden. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. Die Fahndung nach dem zweiten Verdächtigen läuft auf Hochtouren.

Der Ausschnitt eines Fahndungsplakats im Bundeskriminalamt zeigt einen der Täter, der im Zusammenhang mit den beiden gescheiterten Bombenattentaten auf zwei Regionalzuege am 31. Juli 2006 in Dortmund und Koblenz steht©

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Festgenommene einer terroristischen Vereinigung in Deutschland angehört. Zur Begründung sagte Generalbundesanwältin Monika Harms, für eine zeitgleiche Explosion in zwei Zügen sei eine gute logistische Vorbereitung nötig. Deshalb gebe es den Verdacht, dass sich weitere Personen dauerhaft zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen hätten.

Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang, erklärte Harms, man gehe aber davon aus, dass die Anschläge in Deutschland koordiniert worden seien. Am Sonntag sollte beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl beantragt werden. Dieser laute auf dringenden Tatverdacht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Zu Berichten, der entscheidende Hinweis zur Identifizierung des Festgenommenen sei von einem ausländischen Geheimdienst gekommen, sagten die Ermittler nichts.

Mann im Ballack-Trikot

Laut Bundesanwaltschaft handelt es sich bei dem Mann, der am Samstagmorgen kurz vor 04.00 Uhr auf dem Kieler Hauptbahnhof festgenommen wurde, um einen 21-Jährigen aus dem Libanon, der 2004 nach Deutschland eingereist sei. Seit Februar 2005 sei er in Kiel gemeldet, wo er Mechatronik studiert habe. Er besitze eine gültige Aufenthaltserlaubnis. Seinen Vornamen gab die Behörde mit Youssef Mohamad an, wobei nicht sicher sei, ob die Namen stimmten. Zum Nachnamen wurden keine Angaben gemacht.

Da der Festgenommene einen Koffer dabei gehabt habe, sei der Bahnhof zur Sicherheit abgesperrt worden, hieß es. Die Durchsuchung habe aber gezeigt, dass der 21-Jährige keine gefährlichen Stoffe bei sich gehabt habe. Es handele sich um den Mann, der auf den Videoaufnahmen vom Kölner Hauptbahnhof mit einem Fußballtrikot mit der Nummer 13 zu sehen ist. Seine Identität stehe wegen der Ähnlichkeit zu den Videoaufnahmen und wegen DNA-Spuren aus einem der Bombenkoffer fest, die von ihm stammten. Auch die Fluchtbemühungen seien als Hinweis zu werten. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass ein Studentenwohnheim in Kiel durchsucht wurde, dort sei eine Art Werkstatt gefunden worden. Die Auswertung der Ergebnisse liege noch nicht vor.

Zweite Verdächtige auf freiem Fuß

Der zweite mutmaßliche Bombenleger kommt nach den Worten von BKA-Präsident Jörg Ziercke im Gegensatz zu dem heute festgenommenen Libanesen nicht aus Kiel. Ziercke warnte am Samstag in Kiel davor, in der Wachsamkeit nachzulassen. "Der zweite Tatverdächtige ist noch auf freiem Fuß." Man wisse nicht was dieser vorhabe.

AP/DPA/Reuters/kbe

 
 
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