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Haderthauers Mann handelte mit Knast-Produkten

Der Ehemann von Bayerns Sozialministerin Haderthauer, ein Gerichtsarzt, handelte jahrelang mit Luxus-Automodellen, die er von Häftlingen produzieren ließ. Dem Dienstherren verschwieg er den Nebenjob.

Von Georg Wedemeyer, München

  Die Ministerin und der Arzt: Christine und Hubert Haderthauer 2012 bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth

Die Ministerin und der Arzt: Christine und Hubert Haderthauer 2012 bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth

  • Georg Wedemeyer

Der Oldtimer Mercedes SSK sieht rassig aus. Schwarz lackiert mit silbernem Kühler, knallrote Ledersitze, ein Lenkrad aus lackiertem Holz. "Fully working", "voll funktionsfähig" - aber nur 45,7 Zentimeter lang. Edel-Modellautos wie dieser Mercedes sind begehrte Sammlerobjekte. 2007 wurde das gute Stück aus der Produktion von Hubert Haderthauer in Kalifornien für 35200 Dollar (damals 26269 Euro) versteigert.

Hubert Haderthauer ist nicht irgendwer. Er ist zum einen verheiratet mit der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Und er ist zum anderen Psychiater und Beamter, nämlich Leiter der Landesgerichtsärztlichen Dienststelle am Landgericht Ingolstadt. Also solcher erstellt er psychiatrische Gutachten zur Schuldfähigkeit von Angeklagten. Dass er aber im Nebenjob hochwertige Modellautos vertreibt, war bisher unbekannt.

Aufträge für die "therapeutische Modellbauwerkstatt"

Aufgefallen sind die Aktivitäten Haderthauers der Bloggerin Ursula Prem, die häufig in Sachen des medienbekannten Psychiatrie-Insassen Gustl Mollath recherchiert. Weil Psychiatrie-Insassen angeblich ständigen nächtlichen Kontrollen ausgesetzt sind, wollte Brem von Sozialministerin Christine Haderthauer als Chefin der "Fachaufsichtsbehörde über den Maßregelvollzug in Bayern" wissen, ob das rechtens sei. Die Antwort fand sie "dürftig" und forschte deshalb weiter bei Psychiatriepatienten nach. Und dabei stieß sie schließlich auf einen, der ihr erzählte, er habe lange Zeit im Bezirkskrankenhaus Straubing, einer geschlossenen psychiatrischen Klinik, für einen "Hungerlohn" von rund 200 Euro im Monat in der therapeutischen Modellbauwerkstatt gearbeitet. Man habe Modellautos hergestellt für eine Firma Sapor Modelltechnik, die einem Herrn Haderthauer gehörte, der sie 1989 auch gegründet habe. Was unglaublich klingt, stellt sich nach stern-Recherchen in weiten Teilen als wahr heraus: Der psychiatrische Gerichtsmediziner Dr. Hubert Haderthauer ließ rund 15 Jahre lang als Mitgesellschafter der Firma Sapor Modelltechnik von Psychiatriepatienten Modellautos fertigen, die anschließend auf dem freien Markt auch zu seinen Gunsten weiterverkauft wurden. Grundlage des Geschäfts war ein Vertrag von Sapor Modelltechnik mit dem Bezirkskrankenhaus Straubing. Sapor Modelltechnik stellte Werkzeuge, Maschinen und Bauteile, die Klinik bot die Modellautofertigung als Arbeitstherapie an. Für die fertigen Autos zahlte Sapor Modelltechnik eine Pauschalsumme an die Klinik, die Entlohnung der Patienten durch die Klinik richtete sich nach dem bayerischen Strafvollzugsgesetz (rund acht bis 14 Euro pro Tag).

  Eines der Automodelle auf der Webseite des Auktionshauses Christies. Als Hersteller ist der Name Haderthauer angegeben. Der Wiederverkäufer erzielte einen Preis von knapp 27.000 Euro für das äußerst detaillierte Modell.

Eines der Automodelle auf der Webseite des Auktionshauses Christies. Als Hersteller ist der Name Haderthauer angegeben. Der Wiederverkäufer erzielte einen Preis von knapp 27.000 Euro für das äußerst detaillierte Modell.

Gewinn angeblich unter 7000 Euro im Jahr

Derlei Verträge zwischen Firmen und forensischen Kliniken und Gefängnissen sind an sich nichts Ungewöhnliches. Die Teilhabe eines leitenden Gerichtspsychiaters an einer solchen Firma aber schon. Das war wohl auch der Grund, warum Haderthauer seinen Firmenanteil im Jahr 2008, als seine Frau Ministerin wurde, eilig verkaufte. Haderthauer gegenüber dem stern: "Ich habe meine Beteiligung an der Firma 2008 beendet, da ich aufgrund der Tätigkeit meiner Frau in herausgehobener politischer Position jegliche Möglichkeit einer denkbaren Interessenkollision von vornherein ausschließen wollte."

Eines allerdings bestreitet Haderthauer: "Sapor Modelltechnik ist nicht von mir gegründet worden." Er sei erst "Anfang der 90er Jahre" dazugestoßen. Außerdem sei er "zu keinem Zeitpunkt beim Bezirkskrankenhaus Straubing beschäftigt" gewesen. Zu Details des Vertrags mit der Klinik und der Verkaufserlöse der Autos mag er sich nicht äußern. Die hohen Preise bei Auktionen seien "Weiterveräußerungen früherer Käufer" und hätten mit der Firma Sapor Modelltechnik nichts zu tun.

Sein Gewinn habe "im Schnitt unter 7000 Euro jährlich" gelegen. "Mein Engagement beruhte auf der Begeisterung für Oldtimermodelle und sicherlich nicht auf Gewinnstreben." Mehr ins Detail geht da der Ingolstädter Messeveranstalter Heinrich Sandner, der Sapor Modelltechnik 2008 nach eigenen Angaben für 20200 Euro von Haderthauer übernahm. Laut Sandners Angaben gegenüber dem stern sieht die Kalkulation so aus: Pro fertiges Auto erhält das Bezirksklinikum Straubing 5000 Euro. Weitere 5000 Euro kosten die Baumaterialien. Der Verkaufspreis der Autos liege bei "rund 15000 Euro inklusive Steuern". Fachleute gehen davon aus, dass der Beamte Haderthauer seine Beteiligung an Sapor Modelltechnik in jedem Falle seinem Dienstherrn hätte "anzeigen" müssen. Doch Haderthauer sah dazu "keine Notwendigkeit, da Ausmaß und Art der Teilhaberschaft an der Gesellschaft aus meiner Sicht keine meldepflichtige Nebentätigkeit darstellten." Bis Redaktionsschluss hat dazu das Bayerische Gesundheitsministerium als oberster Dienstherr der Gerichtsmediziner auf eine entsprechende Anfrage des stern nicht Stellung genommen. Im Ministerium von Christine Haderthauer hieß es, man sei nicht zuständig und werde sich nicht äußern.

Mitarbeit: Helmut Reister

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