. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Juli 2007, 18:02 Uhr

Stoiber stützt Putin im Raketenstreit mit USA

Zwar tritt Edmund Stoiber bald ab, aber das hindert den CSU-Chef keineswegs, sich in die große Weltpolitik einzumischen. Bei seinem Moskau-Besuch hat er sich im Streit um das US-Raketenabwehrsystem auf die Seite von Russlands Präsidenten Wladimir Putin gestellt. Von Stefan Braun, Moskau, und Florian Güßgen, Berlin

Schau' mir in die Augen, Wladimir. Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) und der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber (r.) knüpfen in Moskau zarte Bande© EPA

Lange ist er nicht mehr in Amt und Würden: Spätestens Ende September ist Schluss für Edmund Stoiber. Dann tritt er ab, als bayerischer Ministerpräsident und als CSU-Chef. Aber der Ausblick auf den Ruhestand scheint Stoibers Ehrgeiz in den letzten Wochen seines politischen Wirkens nur zu beflügeln - so sehr, dass er sich bei seinem Moskau-Besuch nun sogar in den Streit zwischen Moskau und Washington um das geplante US-Raketenabwehrsystem eingemischt hat.

Nach einem rund dreistündigen Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml bezog Stoiber am Donnerstagnachmittag jedenfalls eindeutig Position: Der bayerische Ministerpräsident stellte sich eindeutig auf die Seite seines Gastgebers. Er unterstütze den Vorschlag Putins, Teile des geplanten Raketenabwehrsystems in Aserbaidschan und in Südrussland zu stationieren, sagte Stoiber. "Das gilt auf alle Fälle für meine Regierung und meine Partei", sagte Stoiber wörtlich - gemeint waren Bayern und die CSU. Er sei für die Zusammenarbeit mit Russland. Das sei für ihn von zentraler Bedeutung, so der CSU-Chef.

Stoiber warnt vor verhärteten Beziehungen

Stoiber sagte, Putin habe ihm von seinen Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush Anfang der Woche auf dessen Familiensitz im US-Bundesstaat Maine berichtet. Dafür sei er, Stoiber, dankbar. Aus Putins Sicht gebe es nun zwei Varianten, den Konflikt um das US-Raketenabwehrsystem anzugehen. Die erste Variante bestünde darin, dass die USA, wie bislang geplant, einzelne Elemente ihres Systems in Polen und Tschechien stationieren würden. Das wäre nicht so gut, befand Stoiber. "Das würde die Beziehungen zwischen Amerika und Russland verhärten", analysierte der bayerische Welt-Diplomat die zu erwartenden Kalamitäten.

Die zweite Variante bestünde darin, im Rahmen des Nato-Russland-Rates eine Strategie der "totalen Kooperation" zu verfolgen. Diese würde es mit sich bringen, dass Teile des Systems in Südrussland und in Aserbaidschan stationiert würden, referierte Stoiber. In Moskau und im Nato-Hauptquartier in Brüssel würden dann jeweils Verbindungsbüros eingerichtet werden, zwei identische Informationszentralen, jeweils zu gleichen Teilen besetzt mit amerikanischen Soldaten, russischen Soldaten und Nato-Soldaten. Das sei der Plan, den auch er unterstütze, sagte der bayerische Regierungschef. Einen ähnlichen Vorschlag hatte Putin bereits auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm unterbreitet. Seither bemühen sich die Amerikaner, diesen möglichst höflich zurückzuweisen.

Beeindruckt von Militärparade im Kreml

Stoiber gab sich in Moskau durchaus kritisch gegenüber der Bush-Regierung. "Das transatlantische Bündnis steht außer Frage", sagte er stern.de. "Aber man muss nicht alles akzeptieren." Die Bundesregierung vertrete im Übrigen die gleiche Auffassung wie er, sagte Stoiber. Bei seinem weltpolitischen Exkurs zeigte sich der scheidende CSU-Chef dabei schwer beeindruckt von dem Aufwand, der im Kreml anlässlich seiner Visite betrieben wurde. Er habe als erster ausländischer Gast einer Militärparade innerhalb der Mauern des Kreml beiwohnen dürfen, schwärmte Stoiber. Mit Soldaten des Wachbataillons. Mit Reitern. Und mit Musik.

Stoibers außenpolitische Äußerungen sind, nun ja, zumindest ungewöhnlich. Weniger wegen ihres Inhalts, denn hier ist der Vorschlag Putins tatsächlich eine Variante, den Konflikt zwischen Moskau und Washington beizulegen, sondern eher wegen der Form: Gemeinhin obliegt es Vertretern der Bundesregierung, deutsche Interessen im Ausland zu formulieren - also der Kanzlerin oder dem Außenminister. Gemeinhin wird zudem davon ausgegangen, dass Kanzlerin und Außenminister den Interessen des Freistaates Bayern Rechnung tragen. Auch wenn die Länder im föderalen, deutschen System erhebliche Rechte habe, auch wenn sie im Rahmen der EU stark auftreten können, so sind außenpolitische Initiativen doch eher selten.

Unbekannt ist bislang, ob Stoiber seine Äußerungen in Absprache mit dem Bundeskanzleramt oder dem Auswärtigen Amt getan hat. Einen deutschen Politiker dürften die Aussagen des Bayern jedoch auf jeden Fall erfreuen: Gerhard Schröder, den Ex-Kanzler, der, wie nun auch Stoiber, ein ausgewiesener Russland- und Putin-Freund ist. Schröder hat nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik sogar bei einem russischen Konzern angeheuert.

Von Stefan Braun, Moskau, und Florian Güßgen, Berlin
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Staudenmaier007 (06.07.2007, 09:52 Uhr)
Recht auf Ausbürgerung ?
Verdammt wir Deutschen mal wieder.
Sowas im Grundgesetz zu vergessen,
dabei wäre Heute wichtiger den je und
einen Kandidaten wüßte ich schon.
Frei_Talk (06.07.2007, 08:20 Uhr)
Größenwahn
Die Bayern träumen halt immer noch vom Königreich in weißblauer Ewigkeit. Der eine mehr der andere weniger. Und bei Herrn Stoiber kommt halt eine krankhafte Profilierungssucht hinzu. Das ist schon ein lustiges Völkchen....Was macht eigentlich das Angebot an den Kosovo Bayern zu kaufen? Haben die sich mal gemeldet?
RainerUnsinn (06.07.2007, 02:57 Uhr)
Das mit dem Job bei Gazprom ...
... da könnte was dran sein. Das is ja neuerdings ganz groß in Mode in der deutschen Politik. Unsere Abgeordneten arbeiten zum großteil "ehrenamtlich" für Konzerne zu denen sie dann wechseln nach dem Ausscheiden aus dem Amt, um sich ihre Mühe dann ganz legal vergolden zu lassen.
guenni22 (05.07.2007, 22:22 Uhr)
bayernpower
Aussenpolitik wäre doch was für den Stoibaer, wenn er demnächst in Rente ist. Er hat zwar kein Mandat, um für Deutschland zu sprechen, aber ein Provinzpolitiker lässt sich davon nicht wirklich abhalten. Oder wollte er sich nur für einen freien Aufsichtsratsposten bei der Gazprom bewerben? Das wird nichts werden Stoibaer! Und Sponsor ist Gazprom schon auf Schalke und nicht beim FC Bayern München.
RomanTicker (05.07.2007, 19:57 Uhr)
Hat er doch Recht
Ob Stoiber sich da nun einzumischen hat, ist zwar fraglich, aber Recht hat er damit, dass der Vorschlag der Russen gut ist. Und er hat auch Recht, dass wir den Amis nicht in den Arsch kriechen müssen.
Vikar (05.07.2007, 19:03 Uhr)
Jaja, der Herr Stoibaer
Da kann ja nur Quatsch rauskommen, wenn hmmhaehhgrunzweesnetblubbi mal wieder was loslaesst. Mann Gott was fuer ein Quatsch
MEHR ZUM ARTIKEL
Treffen Bush/Putin Annäherung bei Raketenabwehr

US-Präsident George W. Bush und der russische Präsident Putin sind sich im Streit über den Raketenschild näher gekommen. Einigkeit herrschte darüber, dass der Iran eine potentielle Gefahr darstelle. Bei den Örtlichkeiten des Abwehrsystems beharren beide jedoch auf ihren Positionen. mehr...

US-Raketenabwehrschild Putin verblüfft mit Alternativplan

Russlands Präsident Putin hat am Rande des G-8-Gipfels einen überraschenden Vorschlag gemacht: Die USA könnten eine Radaranlage in Aserbaidschan mitnutzen, um den Iran zu überwachen. Der geplante US-Raketenschirm wäre so überflüssig. US-Präsident Bush nannte die Idee "interessant." mehr...

Amerikanische Raketenabwehr Löcher im Schirm

Die USA wollen einen Raketenabwehrschild in Europa installieren - zum Schutz vor Angriffen aus dem Iran. stern.de erklärt, wie das modulare Abwehrsystem arbeitet und zeigt auf, wo es versagt. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe