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19. September 2008, 15:51 Uhr

Bayern LB in der Krise - Huber wohl nicht

Die bayerische Landesbank war beim bankrotten Bankhaus Lehmann Brothers engagiert und muss womöglich 300 Millionen Euro abschreiben. Politisch verantwortlich für die Bayern LB ist Finanzminister Erwin Huber (CSU). Nun fordert die Opposition seinen Kopf - ohne Aussicht auf Erfolg. Von Tiemo Rink

300 Millionen im Feuer: Die bayerische Landesbank Bayern LB© Diether Endlicher/AP Photo

"Huber muss endlich zurücktreten, das wird jetzt wieder einmal klar", schimpft Adelheid Rupp im Gespräch mit stern.de. Rupp ist Fraktionsvorsitzende der bayerischen SPD. In Bayern ist Landtagswahlkampf. Rund eine Woche vor der Wahl will's die Opposition noch einmal wissen und bläst zum Frontalangriff. Der Anlass: Erneute Finanzlöcher bei der bayerischen Landesbank (Bayern LB).

Rund 300 Millionen Euro hat die Bayern LB bei der US-amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers investiert. Das Problem der deutschen Banker: Lehmann Brothers ist mittlerweile insolvent - und das Geld wahrscheinlich weg. Die Landesbank aber gehört jeweils zur Hälfte den bayerischen Sparkassen und dem Freistaat. Und an der Stelle kommt Erwin Huber ins Spiel. Als bayerischer Finanzminister ist Huber zeitgleich Vizechef im Verwaltungsrat der Bank. Geht es nach den bayerischen Oppositionsparteien, soll Huber nun büßen.

"Huber ist ein Sicherheitsrisiko"

"Erwin Huber ist ein Sicherheitsrisiko für das Geld der bayerischen Steuerzahler" schäumt Lars Pappert, Sprecher der bayerischen FDP. "Wir haben schon im Frühjahr seinen Rücktritt gefordert - daran halten wir fest", sagt der der Liberale zu stern.de. Anfang des Jahres war die Bayern LB in Folge der Finanzkrise bereits in schweres Fahrwasser geraten. Weil sie sich an spekulativen US-Immobilien-Geschäften beteiligt hatte, war der Konzernüberschuss von einer Milliarde Euro im Jahr 2006 auf nur noch 92 Millionen Euro im Jahr 2007 gefallen. Gleichzeitig stiegen die Risiken, auf faulen Krediten und Investitionen sitzen zu bleiben. Aktuell werden die möglichen Ausfälle auf rund sechs Milliarden Euro geschätzt - die Summe aus der drohenden Abschreibung des Engagements bei Lehmann Brothers nicht mit eingerechnet.

Doch ob die Bayern LB durch die Lehmann-Pleite tatsächlich Geld verlieren wird, steht nicht fest. "Wir prüfen momentan Aufrechnungsmöglichkeiten" sagt Bayern-LB-Sprecher Matthias Lücke im Gespräch mit stern.de. Es werde untersucht, ob das finanzielle Engagement bei Lehmann Brothers nicht durch eine Ausfall-Versicherung gedeckt sein könnte. Auch der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Heinrich Haasis, versucht zu beruhigen. Neben der Bayern LB hätten auch die anderen Landesbanken Geschäftsbeziehungen mit Lehmann Brothers unterhalten. Man gehe "im Augenblick davon aus, dass jedes Haus das selber verkraften kann."

Die Opposition im bayerischen Landtag lässt sich von solchen Argumenten nicht beeindrucken. Ihr ist Huber wegen seiner Haltung zur Bayern-LB-Krise schon länger ein Dorn im Auge. "Huber ist unfähig, sich an demokratische Gepflogenheiten zu halten", schimpft Rupp. "Schon im Untersuchungsausschuss [zu den Finanzlöchern der Bayern LB im Frühjahr, Red. ] hat er alles getan, um die Probleme zu vertuschen." Auch Pappert schlägt in dieselbe Kerbe: "Jeden Popel muss man ihm einzeln aus der Nase ziehen." Und Sepp Dürr, Fraktionsvorsitzender der bayerischen Grünen, fordert: "Huber muss endlich für Transparenz sorgen und offen legen, welche Folgen die aktuellen Entwicklungen für die Steuerzahler und das Vermögen des Freistaats nach sich ziehen."

Kaum Gefahr für Erwin Huber

Genau das wird Huber aber nicht tun. "Wir geben keine Zahlen an die Öffentlichkeit" sagt eine Sprecherin seines Ministeriums zu stern.de. Das sei Angelegenheit der Bayern LB, "wenn überhaupt". Tatsächlich muss die Bank einmal im Quartal ihre Zahlen offen legen - der nächste Termin liegt jedoch nach den bayerischen Landtagswahlen Ende des Monats. Erwin Huber, der für ein Gespräch mit stern.de nicht verfügbar war, muss hingegen gar nichts. Ob er sich äußert oder nicht, steht ihm frei. Derzeit sieht es so aus, als wolle Huber den neuerlichen Finanzskandal der Landesbank einfach aussitzen.

Auch wenn sich die Opposition auf die Hinterhufe stellt - ihre Chancen, Huber jetzt zu attackieren, sind gering. Bis zur Landtagswahl wird es keine Parlamentssitzung mehr geben, bei der die Opposition Huber zur Rede stellen könnte. Aktuelle Stunden, kleine und große Anfragen - das alles scheidet aus. Um Drohungen ist man indes nicht verlegen in der bayerischen SPD: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es bald einen neuen Untersuchungsausschuss geben wird", sagt Adelheid Rupp. Doch dann wird die Wahl bereits gelaufen sein.

Von Tiemo Rink
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
mackeldei (20.09.2008, 11:14 Uhr)
Aufsichtsrat
Auch Lafontaine , der Millionen durch seine Bücher und seine Pensionen verdient hat, sitzt im Aufsichtsrat mancher angeschlagenen Bank. Deshalb ist er auch so ruhig, entgegen seiner sonstigen Geflogenheit.
Gisella (20.09.2008, 11:05 Uhr)
Diese Zocker
stehen für wenige Tage in den Zeitungen und dann wächst wieder Gras über diese Angelegenheit. Wenn wir ehrlich sind, haben wir doch gar nichts mehr in diesem Land-unserem Land zu sagen-über MITBESTIMMUNG will ich hier absolut nicht reden, da nicht vorhanden.Wie schon so oft von mir gesagt-LINKS wird gewählt und dann warten wir mal ab. -Dieses verlorene, verzockte Geld hätte soviel besser verwendet werden können.
sjm2000 (20.09.2008, 07:36 Uhr)
Perverse Politik
Eine Mutter muss Harz4 Abzuege hinnehmen nur weil der Sohn in den Schulferien gearbeitet hat, hier setzen Bankdirketoren und Minister hunderte von Millionen in den Sand und erfreuen sich weiter eines verschwenderischen Lebens. Fur mich nur noch eine Frage ob ich die Linke oder die NPD waehlen soll. Und wenn dann alles den Bach runtergegangen ist bekommen wir wieder einen frischen Neuanfang wie 1945.
Schlammschwimmer (20.09.2008, 07:00 Uhr)
Also
man kann ja dem Huber im Grunde keinen Vorwurf machen. Er wird wohl selbst gar nicht wissen, welche Aufgaben er in der bairischen Landesbank überhaupt hat. Das Desaster werden ihm wohl seine Lakaien uns Stiefellecker eingebrockt haben, die über die selben intellektuellen Fähigkeiten verfügen, wie er selbst.
Ich fand heute morgen im Artikel den Terminus, die LB sei bei Lehman "engagiert" recht erheiternd. Das ist eine sehr würdevolle Formulierung für das Zocken mit Steuergeldern auf dem amerikanischen Markt, wenn es nicht barer Sarkasmus war.:-)
Dass aber immer noch 48% in diesem meinen Bundesland diese Verbrecher wählen wollen, ist für mich ein Hinweis darauf, dass Dummheit einfach nicht ausstirbt. Je doofer man wählt, umso doofer kommt's. So ist es. Leider.
n8g8 (19.09.2008, 23:32 Uhr)
Gemach, Gemach!!!
Huber ist doch intellektuell gar nicht fähig zu bemerken, wenn er gefehlt hat - Stichwort: RATIO!
Was heißt das nun für die Wahl?
Je doofer man wählt, umso doofer kommts. :-)
Ich als FRANGE wähle am Sonntag Die.Linke!!! Dümmer als Beckstein ist die sicher NICHT!
In Bayern wird halt sonst (leider!) auf "niedrigem" Niveau gewählt - Dank sei der Pizza-Studie!
Die Linke hat eine Chance verdient, schon allein, weil sie seit 2005 im Bund soooo geniale Oppositionsarbeit geleistet hat (& vorher die zwei Damen natürlich auch)!
Solidarische Grüße
Euer Wieder-Wähler
gmathol (19.09.2008, 23:32 Uhr)
Das erklaert...
...das Vorhandensein eines sogenannten Reptilienfonds im bayrischen Budget (ca. 600 Millionen). Dieses Budget ist als Spielgeld fuer schiefgegangene Transaktionen der bayrischen Landesbank vorgesehen.
Hab da mal als Berater gearbeitet: nach 12:00 (Brotzeit) sind die Herren meistens besoffen, waehrend die Damen sich zu Kaffekraenzchen einfinden.
hannes_schinder (19.09.2008, 23:24 Uhr)
Die Bayern LB war
schon zu Zeiten Stoibers in einige Sauereien verwickelt.
tagora-sagittara (19.09.2008, 22:14 Uhr)
Früher hatten Politiker noch ein Rückrad,..
und haben Ihren Hut genommen wenn Sie Sch... gebaut haben...
Heute hat man das Gefühl,... alles Pattex-Besitzer!!..ehrloses Pack!!
Westerle.Merkwelle (19.09.2008, 21:24 Uhr)
Und die Opposition außerhalb des Parlamentes?
Die Partei die Linke fordert ebenfalls den Rücktritt der Finanzminister von Bayern und Baden-Württemberg. „Huber und Stächele sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und schnellstmöglich zurücktreten“, forderte gestern Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, als Konsequenz aus den gigantischen Verlusten der Bayrischen und der Baden-Württembergischen Landesbank nach Geschäften mit der Pleite gegangenen Lehman-Bank.
Es sei auffällig, dass gerade die unionsgeführten Länder Bayern und Baden-Württemberg über ihre Landesbanken bis zum Hals im Lehman-Sumpf stecken würden. Früher "strotzten die Unionsfürsten dieser Länder vor Arroganz " wegen ihrer angeblichen finanzpolitischen Kompetenz. Heute müssten die Finanzminister Erwin Huber und Willi Stächele kleinlaut zugeben, dass die von ihnen kontrollierten Landesbanken fahrlässig zig Millionen Steuergelder verbrannt haben.
Der BayernLB drohten wegen des Zusammenbruchs der Investmentbank Lehman Brothers Ausfälle in dreistelliger Millionenhöhe. Sie soll bis zu 350 Millionen Euro in Geschäftsbeziehungen mit dem US-Institut investiert haben. Die Landesbank Baden-Württemberg habe ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr angesichts der Finanzmarktkrise zurückgezogen.
Ich hoffe sehr, dass die Linke am nächsten Wochenende auch in den bayrischen Landtag als notwendiges Korrektiv gegen selbstgefällige Politiker einzieht.
Is2a3bella (19.09.2008, 21:10 Uhr)
Herr Huber,
bemerken Sie, daß Sie einen schlechten Job machen?
Ach stimmt ja. Diejenigen, die keinen guten Job machen, bleiben zur Zeit in den meisten Fällen im Amt.
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