. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. Oktober 2008, 12:23 Uhr

Der Stammeskrieg der CSU

Armes Bayern. Nun prügeln sich gleich drei bis vier Kandidaten um das Amt des Ministerpräsidenten: Schmid, Herrmann, Goppel und Seehofer. Und dabei geht es nicht nur um deren Qualifikation, sondern auch um die Frage: Wer ist Bayer, wer Franke, wer Schwabe? Willkommen beim Stammeskrieg der CSU. Von Sebastian Christ

Nach der Niederlage wird bei der CSU aufgeräumt. Und alle Bezirksverbände machen mit© Johannes Simon/Getty Images

Es war am Montagmorgen um halb acht, als das politische Bayern mal wieder entlang seiner Bezirksgrenzen auseinander riss. Der CSU-Verband Oberbayern traf sich zu einer Krisensitzung - nicht etwa in der Parteizentrale, sondern 30 Meter weiter, im eigenen Haus. Mit dabei: Horst Seehofer und Edmund Stoiber. Nach einer Stunde war die Sitzung vorbei, es ging weiter zur Hanns-Seidel-Stiftung, wo die übrigen Parteispitzen schon saßen und auf Seehofer warteten. Offensichtlich hatte sich die Rest-CSU bereits zu einer Durchhaltetaktik entschlossen. Doch Stoiber war um kurz vor elf der erste christsoziale Spitzenpolitiker, der Tacheles redete. "Das ist keine Watschn oder ein Denkzettel, sondern eine Zäsur in der Geschichte der CSU", polterte er auf dem Weg zur dritten Krisensitzung des Morgens. Und es wäre naiv zu denken, dass Stoiber mit diesen Worten die Null-Konsequenz-Taktik von Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein stützen wollte.

Drei Tage später sind wir schlauer: Die Oberbayern sind zurück. Stoibers alte Parteifeinde haben ihre Posten verloren, und der Oberbayer Seehofer ist bereits designierter CSU-Vorsitzender. "Der Stoiber hat immer das Spiel der Oberbayern gespielt. Auch dann, wenn wir nur Krach deswegen bekommen haben", faucht ein ranghohes CSU-Mitglied im Gespräch mit stern.de. Auf dem Weg zum Amt des Ministerpräsidenten hat Seehofer jedoch Konkurrenz bekommen - aus allen Landesteilen. Jeder "bayerische Stamm" mischt beim Machtpoker mit.

Einer fühlt sich immer benachteiligt

In der aktuellen Führungsdiskussion innerhalb der CSU wird klar, dass der Freistaat Bayern in Wahrheit ein Vielvölkerstaat ist. Franken, Schwaben und Bayern leben seit Jahrhunderten eher neben- als miteinander. Feindseligkeiten werden offen ausgetragen, und das nicht nur in Festzelten. Bis in die große Politik reichen die Animositäten, und es gibt kaum ein Proporzsystem, das die Neid- und Wutdebatte nach der Postenvergabe nachhaltig abbinden könnte. Irgendwer fühlt sich immer benachteiligt.

Die Franken zum Beispiel, ein sehr stolzes Völkchen, dessen Sprachraum sich bis nach Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg erstreckt: Direkt nach dem Krieg stellten sie mit Hans Ehard und Hanns Seidel gleich zwei Ministerpräsidenten, die Bayern insgesamt mehr als ein Jahrzehnt regierten. Einschränkend dazu muss jedoch erwähnt werden, dass Seidel aus Aschaffenburg stammte - was zwar politisch gesehen zu Franken gehört, kulturell aber dem hessischen Raum näher steht. Nach dem Tod von Hanns Seidel und dem Abgang von Hans Ehard dauerte es über 40 Jahre, bis mit Günther Beckstein wieder ein Franke das Land regieren konnte. Eine Schmach. Alfons Goppel, Oberpfälzer. Franz Josef Strauß, Oberbayer. Max Streibl, Oberbayer. Edmund Stoiber, Oberbayer.

Franken-Wahlkampf

Renate Schmidt (SPD) machte sich in ihren Wahlkämpfen die vermeintliche Benachteiligung der Franken zunutze. In den Jahren 1994 und 1998 warf sie der Stoiber-Regierung vor, die Region München zu bevorzugen, während Armut und Arbeitslosigkeit in den ländlichen Gebieten Frankens stetig zunähmen. Sie erreichte 1994 mit 30 Prozent das beste SPD-Ergebnis der letzten 25 Jahre in Bayern.

Ein aktuelles Beispiel ist die Debatte um die Kleiderwahl von Marga Beckstein auf dem Oktoberfest. Der Münchner Boulevard forderte von der Fränkin, dass sie bei der Eröffnung der Wiesn ein Dirndl zu tragen habe. Oberbayerische Tracht also. Doch die Gattin des Ministerpräsidenten leistete bei dem Gedanken, sich als Oberbayerin verkleiden zu müssen, ausdauernden Widerstand. Nach der Wahl mutmaßte man bei der CSU im Maximilianeum, dass dieser Streit wohl einige Promille, wenn nicht gar ein oder zwei Prozent gekostet haben dürfte. Was natürlich völliger Unsinn ist, weil Marga Beckstein dafür im Gegenzug bei den Franken ordentlich gepunktet haben dürfte - sie stellen immerhin knapp ein Drittel der Bevölkerung im Freistaat.

Böse Witze

Franken und Bayern: Es kursieren bösartige Witze über die jeweils anderen. Zwischen Donau und Alpenrand erzählt man sich: "Die Bayern und die Schwaben/ schissen in den Graben/ Und aus dem Gestank/ entstieg der Frank." Andersherum fragt man weiter nördlich: "Wie Bayern entstanden ist? Als Hannibal die Alpen überquert hatte, befahl er: 'Fuß- und Geschlechtskranke, links raus!'"

Auch die politische Feindschaft zwischen Bayern und Schwaben ist legendär. Theo Waigel (Schwabe) war elf Jahre lang CSU-Vorsitzender. Als solcher wollte er 1993 auch die Nachfolge des glücklosen Max Streibl als bayerischer Ministerpräsident antreten. Doch stattdessen setzte sich Edmund Stoiber durch - und fortan ist keiner von Waigels schwäbischen Gefolgsleuten je wieder in den Genuss von höheren Weihen innerhalb der bayerischen Landespolitik gekommen.

Stoibers Sturz indes wurde maßgeblich durch die Fürther Landrätin Gabriele Pauli eingefädelt - eine Fränkin. Zwar waren auch die Oberbayern immer unzufriedener mit der Regierungsarbeit von Stoiber, doch die enge Bande aus landsmannschaftlicher Verbundenheit, persönlicher Loyalität und gemeinsamer Bezirksverbandsangehörigkeit trug einen wesentlichen Teil dazu bei, dass der Aufruhr zwischen Eichstädt und Inzell ausblieb. Erst, nachdem die Pauli-Diskussion den Ministerpräsidenten schon beschädigt hatte, wagten sich führende CSUler - mit Erwin Huber war sogar ein Niederbayer dabei - an Stoibers Stuhl zu sägen. Nutznießer war schließlich der Franke Beckstein.

Und so schließt sich der Kreis: Mit Horst Seehofer (Ingolstadt) steht bald wohl wieder ein Oberbayer an der Spitze der CSU. Und auch nach dem Amt des Ministerpräsidenten im Freistaat griff er eilig und ohne Umscheife. Aber halt! Schon nach einigen Stunden standen seine Mitbewerber fest: Georg Schmid (Schwabe), Thomas Goppel (gebürtiger Aschaffenburger, aber in Oberbayern politisch sozialisiert) sowie Joachim Herrmann (Franke). Seitdem gilt Seehofer nur noch als "Reservekandidat". Willkommen beim Stammeskrieg in Bayern.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
h.morun (03.10.2008, 10:37 Uhr)
Ein FJS muss her
Einer, der bei den Nzis ein un dausgeht und Freunde hat in der ganzen Welt- zumindst in Südamerikanischen Nazizentren. Einer der die kommunisten bekämpft und zugleich Milliarden westdeutscher Steuergeelder nach Ostberlin verschiebt. Einer , der Millionen Schmiergeld von der Rüstungsindustrie kassiert. Nur mit einem FJS kann es aufwärts gehen. Noch mehr lobeshymnen? ein toller Mann den die Presse da hofiert.
L.Gleichmann (02.10.2008, 15:02 Uhr)
Der Weg
DerWeg dieser CSU ist konsequent, er führt in den Arsch der Geschichte.
Sukram71 (02.10.2008, 14:38 Uhr)
Ich find die Aufregung übertrieben...
Ich freue mich ja sehr, dass die CSU endlich mal so richtig einen auf den Deckel bekommen hat ...
Aber in der Presse lese ich jetzt überall was von "meucheln", "Stammeskrieg", "Stippenziehen", "Machtkampf" usw.
--
Dabei ist es doch relativ normal, dass nach so einer Wahl die Führung zurück tritt.
Und es ist doch eben so normal, dass es mehrere Kandidaten für die CSU-Führung gibt. Und die müssen das jetzt halt unter sich ausmachen und Mehrheiten für sich organisieren.
Und da müssen die natürlich vor der Abstimmung erstmal hinter den Kulissen abchecken, wer ne Chance hat und wer nicht.
--
Das ist doch bei wirklich jeder Partei so und ein völlig normales demokratisches Verhalten. Zum Schluss steht dann ja auch die demokratische Wahl der neuen Führung.
--
Aber für die Presse ist das alles natürlich ein gefundenes Fressen für schöne "Meuchel-Machtkampf-Schlammschlacht"-Titelzeilen und es wird aufgebauscht ohne Ende.
Das schürt doch nur Politik-Verdrossenheit, wo gar kein Grund dazu besteht.
DrMunzert (02.10.2008, 14:15 Uhr)
Lieber Stoibers Versprecher als Becksteins Verbrecher
Lieber Stoibers Versprecher als Becksteins Verbrecher
Absolut beweisbar:
http://www.findefux.de/forum/read.php?84,10158,10158#msg-10158
Übrigens ich bin Franke
AchazIII. (02.10.2008, 13:37 Uhr)
Das ist voll zu bestätigen... Rosinen für Münchener
Das kann jeder bestätigen , der nur ein paar Jahre in diesem Freistaat lebte, am besten noch, wenn er mal im bayerischen Landesdienst war und miterlebte.
Und das Schlimmste schreibt dieser Bericht nicht: Der Umgang der Bayern gegen alle, die nicht aus dem Freistaat stammen.
Wer sich schon innerhalb der Stämme in Bayern sich nicht grün ist, der gönnt dem "Zugezogenen" nicht die Butter vom Brot. Die Pfründe wird immer zunächst unter sich aufgeteilt.
Im bayerischen Staatsdienst ist das bis heute ein ehernes Gesetz, da gilt folgende Reihenfolge bei guten Posten (ab etw A 16 aufwärts):
Erst kommen die Münchener, dann die Oberbayern, und dann die Franken. Letztere nur deshalb, damit sie zumindest einen Trostfranken dabei haben. Der Rest geht an Schwaben, Niederbayern und Oberpfälzer.
Und wenn dann immer noch niemand gefunden ist, dann kommen die "Zuagroastan". Für sie sind die Brosamen übrig.
So sind die Zustände eben auch im heutigen Bayern.
seelenflieger (02.10.2008, 12:58 Uhr)
Rassismus
Ich komme nicht nur aus Bayern, sondern habe schon in mehreren Regierungsbezirken gelebt und gearbeitet. Und ich kann mit Stolz behaupten, dass in den Kreisen, in denen ich verkehre, in diesen Kategorien nicht gedacht wird. Darauf zu schauen, ob ein Kandidat aus Franken oder Oberbayern kommt, ob er katholisch (Stoiber) oder evangelisch (Beckstein) ist, grenzt für mich an Rassismus und ist in meinen Augen nicht mehr zeitgemäß. Aber bitte, wenn die CSU diesen Weg bestreiten will, gerne. Sie braucht sich dann aber nicht darüber zu wundern, dass sie gerade bei den jungen Wählern kein Boden findet, wie die vergangenen Wahlen ja auch gezeigt haben.
keinheiliger (02.10.2008, 12:55 Uhr)
Ick lach mir n'Ast
Ich sag’s ja, diese Partei braucht keiner, ausser sie sich selbst. Ist halt ein herrlicher Quasselclub fuer ein paar Politclowns in Krachledernen. MfG
hannes_schinder (02.10.2008, 12:40 Uhr)
Wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte.
Gut möglich dass die Linke Zulauf bekommt. Was wäre eigentlich das Problem? Der Finanzmarkt geht nach Asien, da kann dann die Deutsche Abzockerelite gleich mit verschwinden, sonst werden wir denen sowieso Beine machen. Und wir können endlich wieder produzierende Firmen aufbauen.
kaisergarten (02.10.2008, 12:37 Uhr)
Bayernkunde 6!
Ihr Schlaumeier. Seid Ihr Bayern oder habt mal dort gelebt? Natürlich wird auch in diesen Kategorien gedacht. Und was ist daran bodenlos, wenn mehrere Kanidaten für eine Wahl (!!!) zur Verfügung stehen? Erst immer nach mehr Demokratie schreien, aber dann den Stechschritt fordern? Ich glaub Ihr seid hier die Witzbolde.
seelenflieger (02.10.2008, 12:30 Uhr)
Weiter so!
Nur weiter so, liebe CSU. Die einzige Partei in Bayern sein, die noch in den Kategorien Schwaben, Oberbayern & Franken denkt und gleichzeitig sich als Garant für eine moderne Zukunft des Landes präsentieren wollen. Hoffentlich vergessen die Wähler diese bodenlose Nummer, die sie gerade abziehen und die jeder Vernunft spottet, nächstes Jahr zur Bundestagswahl nicht. Sie sind eine Schande nicht nur für unser Bundesland, sondern auch für Deutschland.
MEHR ZUM ARTIKEL
CSU-Krise Stoiber gibt sich unschuldig

Für die geschassten CSU-Größen Günther Beckstein und Erwin Huber ist die Sache klar: Ihr Vorgänger Edmund Stoiber ist für die herbe Wahlniederlage maßgeblich mitverantwortlich. Stoiber selbst will davon nichts wissen - und wehrt sich gegen die Kritik. mehr...

CSU-Krise Vier Erben für Beckstein

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Nach dem Rücktritt von Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein gibt es jetzt eine steigende Zahl an Kandidaten für das Amt. Neben Parteivize Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann haben sich zwei weitere Kandidaten ins Spiel gebracht. mehr...

Franz Josef Strauß Der Säulenheilige der CSU

43 Prozent! Für die CSU! Was würde Franz Josef Strauß wohl dazu sagen, die Ikone der CSU. Gerade dieser Tage lässt sich darüber trefflich spekulieren, denn vor 20 Jahren starb der Übervater der einst stolzen Bayern-Partei. Ein Porträt. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe