11. November 2005, 15:12 Uhr

Maget setzt auf Stoibers Demontage

Die CSU ist schwach wie nie - und dennoch dümpelt Bayerns SPD bei schlappen 21 Prozent. Im Interview mit stern.de erklärt Franz Maget, Fraktions-Chef im Landtag, wann und wie die Genossen an die Macht kommen wollen.

"Stoiber ist nicht mehr der, der er noch vor zwei Jahren war", sagt Franz Maget©

Herr Maget, die CSU ist derzeit so schwach wie nie - in einer Forsa-Umfrage fällt sie von 60 auf 49 Prozent. Offenbar kann die bayerische SPD davon nicht profitieren. In derselben Umfrage verbessern Sie sich lediglich von 19 auf 21 Prozentpunkte. Weshalb ist die SPD in Bayern so hoffungslos schwach?

Die Wählerbindung an die CSU nimmt ab - und das wird sich mittelfristig auch positiv für die SPD auswirken. In einem ersten Schritt gehen die Wähler weg von der CSU aus Enttäuschung, aber noch nicht hin zur SPD. Das ist dann erst der zweite Schritt, der aber kommen wird.

Müssen Sie nicht darum flehen, dass die CSU mit einem geschwächten Stoiber 2008 in den Wahlkampf zieht? Bei einem neuen, stärkeren CSU-Kandidaten können Sie ja sofort wieder einpacken.

Man wird sehen, was bis 2008 tatsächlich passieren wird. Ich gehe davon aus, dass Herr Stoiber Ministerpräsident bleibt und die CSU auch wieder in den Landtagswahlkampf 2008 führen wird. Aber es wird nicht mehr der Stoiber sein, der er vor ein bis zwei Jahren gewesen ist. Und auch deswegen wird die CSU nicht mehr die hohen Wahlergebnisse erzielen wie in der Vergangenheit. Bei einer direkten Auseinandersetzung SPD gegen CSU werden sich die Wähler dann stärker zur SPD hin orientieren. Unsere Ausgangsposition hat sich deutlich verbessert.

Wen wollen Sie 2008 als Kandidaten aufbieten - gegen Stoiber oder einen neuen CSU-Bewerber?

Das entscheidet die Partei, wenn es so weit ist. Das kann entweder jemand aus der Landtagsfraktion sein - zum Beispiel der Vorsitzende der Landtagsfraktion. Das kann jemand aus der Riege der erfolgreichen sozialdemokratischen Kommunalpolitiker sein. Das kann aber auch jemand aus der Bundespolitik sein.

Sie selbst werden aber doch auch als Kandidat für die Nachfolge des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude gehandelt. Wäre dann Ludwig Stiegler, der bayerische SPD-Chef und Fraktions-Vize im Bundestag, der Mann der Zukunft?

Ich kann in der Tat, wenn überhaupt, nur eines von beiden machen. Die Frage des Amtes des Oberbürgermeisters in München stellt sich im Augenblick nicht, weil wir einen sehr erfolgreichen OB haben. Ob er im Jahr 2008 noch einmal kandidiert, ist offen. Das ist alleine seine Entscheidung. Deswegen gehe ich davon aus, dass ich in der Landespolitik bleibe - und dass ich meiner Partei dafür auch zur Verfügung stehe.

Der bayerischen SPD geht es in Berlin wie der CSU - sie verliert an Einfluss. Sie stellen keinen Minister, die prominenteste Figur ist Stiegler. Nimmt auch die Bundespartei die schwachen Bayern nicht mehr ernst?

Die Bayern sind nicht schwach, sondern sie stellen die drittstärkste Gruppe im Bundestag - und von der Stimmenzahl her ist das Gewicht der bayerischen SPD durchaus beachtlich. Wir haben mit Ludwig Stiegler einen herausragenden bundespolitischen Kopf, dessen Fachkompetenz über die Parteigrenzen hinweg sehr geschätzt wird. Er gilt zwar bei einigen Beobachtern als Poltergeist, aber er ist ein hervorragender und sehr sachkundiger Politiker. Wir haben mit Frau Kastner noch die Bundestags-Vizepräsidentin. Und bei der Verteilung der Minister-Ämter hatten wir im Grunde genommen Pech. Hätte die SPD das Familienministerium und nicht etwa das Gesundheitsministerium bekommen, dann hieße die Ministerin zwar auch Schmidt - aber Renate, und sie käme aus Bayern.

Wann wird die SPD in Bayern denn einmal die Regierung übernehmen?

Ich hoffe, ich erlebe es noch und ich arbeite daran. Für mich ist entscheidend, die Regierungsfähigkeit der SPD herzustellen. Das ist nach 50 Jahren in der Opposition nicht so einfach, weil Sie einfach auch ein Negativ-Image haben. Dieses zu beseitigen und Vertrauen in die SPD zu gewinnen, das ist die erste Aufgabe - und in einem nächsten Schritt 2008 in den Vorhof der Macht zu gelangen, also die CSU unter die 50 Prozent zu drücken. Ab diesem Zeitpunkt wird es in Bayern interessant und wir nähern uns normalen demokratischen Verhältnissen.

Zur Person Als SPD-Fraktionschef im bayerischen Landtag ist Franz Maget Oppositionsführer gegen die CSU-Regierung von Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der 52-Jährige ist zudem Chef der Münchner SPD und Mitglied des SPD-Parteivorstandes - jenes Gremiums, dessen Votum zum überraschenden Rückzug Franz Münteferings aus dem Amt des Partei-Vorsitzenden führte. Auf dem Karlsruher SPD-Parteitag will sich Maget wieder in den Bundesvorstand wählen lassen. Bei der Landtags-Wahl 2003 war der Sozialwissenschaftler, der seit 1990 den Münchner Wahlkreis Milbertshofen vertritt, SPD-Spitzenkandidat. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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