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4. September 2007, 06:48 Uhr

"Den Scheiß lasse ich mir nicht bieten"

Die SPD erlebt den Basta-Beck. Mit drastischen Worten hat sich Parteichef Kurt Beck gegen parteiinterne Kritiker zur Wehr gesetzt und sein Heil im Angriff gesucht. Programmatisch gehen auch andere SPD-Schwergewichte in die Offensive.

Der Basta-Beck: SPD-Chef Kurt Beck geht gegenüber seinen internen Kritikern in die Offensive© Marcus Brandt/ddp

Die SPD entdeckt: Den Basta-Beck. Parteichef Kurt Beck hat sich erstmals gegen Kritik an seinem Führungsstil massiv zur Wehr gesetzt. Vor dem SPD-Parteirat am Montagnachmittag in Berlin rief er mit deutlichen Worten dazu auf, Störungen zu unterlassen. Am Abend setzte er in den ARD-Tagesthemen dann noch einen drauf. "Wer nur von hinten, hinterm Busch vorruft, der muss sich sagen lassen: So nicht." Es gebe "einige Leute in der dritten und vierten Reihe, die hinter Büschen sitzen und mehr oder weniger Intelligentes erzählen - auf jeden Fall Unverantwortliches".

Ein Zeichen der Stärke aus einer Position der Schwäche

Offenbar hält Beck den Zeitpunkt für gekommen, an dem es nötig ist, öffentlich Stärke zu demonstrieren. Das geschieht aus einer Position der Schwäche heraus: Becks persönliche Umfragewerte sind lausig, im direkten Vergleich liegt er etwa laut Forsa mehr als 40 Prozentpunkte hinter Kanzlerin Angela Merkel. Darüber hinaus hat Beck in den vergangenen Wochen etwa mit seiner Forderung nach einem erneuten NPD-Verbotsverfahren auch die eigenen Gefolgsleute irritiert. Es gibt erhebliche Zweifel an seiner Führungsstärke aber auch an seinen programmatischen Fähigkeiten. Das alles mündet in die Frage, ob Beck tatsächlich als der geeignete Kanzlerkandidat der SPD für die nächsten Bundestagswahlen taugt. Von zentraler Bedeutung ist für Beck sein Abschneiden bei dem SPD-Parteitag Ende Oktober in Hamburg. Dabei sind es keineswegs nur Leute aus der "dritten und vierten" Reihe, sondern durchaus auch Spitzenleute, die Beck, freilich indirekt, kritisieren. Vizekanzler Franz Müntefering etwa hatte Beck jüngst in einem stern-Interview in zentralen Punkten unverhohlen widersprochen.

"So einen Scheiß lasse ich mir nicht bieten"

Beck verwahrte sich vor dem Parteirat dagegen, dass SPD-Politiker hinter den Kulissen immer wieder Zweifel an seinen Führungsfähigkeiten streuen. "So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten", zitierte ihn die "Berliner Zeitung". Mit Blick auf die Führungswahlen beim Hamburger Parteitag im Oktober und die derzeitigen Lager-Konflikte in der SPD forderte Beck, es dürfe nicht "zu kleinlichen Abrechnungen"kommen. Er habe "eine klare Vorstellung davon, wie die Sozialdemokratie ihre Aufgabe wahrzunehmen hat", sagte der SPD-Chef etwas geschliffener in der ARD. Von den derzeit ungünstigen Wahlumfragen "werden wir uns auch nicht irre machen lassen". Das von der Parteilinken heftig kritisierte neue Buch der SPD-Reformpolitiker Frank-Walter Steinmeier, Matthias Platzeck und Peer Steinbrück ("Auf der Höhe der Zeit") nannte Beck "einen wichtigen Beitrag zur Programmdebatte". Er mache sich aber nicht alles daraus zu Eigen, ebensowenig wie bei der SPD-Linken.

Steinmeier will Sozialismus streichen

Die SPD sollte nach Ansicht ihres designierten Vizevorsitzenden Steinmeier nicht länger am Begriff des demokratischen Sozialismus festhalten. Er fände es richtiger, sich zum Ziel der sozialen Demokratie zu bekennen, sagte der Außenminister am Montag bei der Vorstellung des Buchs zum SPD-Kurs, das er zusammen mit Finanzminister Steinbrück und Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck herausgegeben hat. Nach Überzeugung Steinmeiers ist dieser von Willy Brandt geprägte Begriff "näher an den Leuten". Die SPD-Traditionen würden nicht verraten, wenn das Wort Sozialismus nicht mehr im Programm auftauche.

Die drei prominenten Sozialdemokraten warben ausdrücklich für eine Fortsetzung des unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder eingeleiteten Reformkurses. Die Partei müsse weiter "auf der Höhe der Zeit" bleiben, erklärten sie in Anspielung auf den von einem Brandt-Zitat entlehnten Buchtitel. Die sieben rot-grünen Jahre seien "keine verlorene Zeit" gewesen. Bei der Buchvorstellung in der Berliner SPD-Zentrale, zu der demonstrativ auch Vizekanzler Franz Müntefering kam, verwahrten sich die drei "SPD-Erneuerer" gegen Attacken der SPD-Linken.

Der Vorsitzende der Jungsozialisten, Björn Böhning, hielt Steinmeier, Steinbrück und Platzeck vor, neue Grabenkämpfe in die SPD-Programmdebatte zu tragen. "Ich warne die drei Herren sehr stark davor, jetzt neue Spaltungslinien innerhalb der SPD aufzumachen", sagte er im ARD-Internetmagazin "Tagesschau.de".

Ihre Meinung

Ist das Machtwort von SPD-Chef Kurt Beck ein Zeichen der Stärke oder ein Ausdruck der Schwäche?

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
Roy05441 (06.09.2007, 15:50 Uhr)
Recht hat Er!
So viel Scheiß wie derzeit in der SPD kursiert, gibt es auf dem gesamten Globus nicht!
Ich stelle mir ganz einfach vor, wie viele Radikale entstehen wohl, wenn die sogenannte christliche, oder sozialdemokratische Polititik
in dieser Richtung weiter voranschreitet?
Nach langem Überlegen komme ich zu der Überzeugung, dann kommt wieder ein Gebäuderreiniger der mit einem Wisch, Alles radiert verstehst du mich!
-Dagegen- (04.09.2007, 15:07 Uhr)
Projekt 18
Mal sehen, wann die 18 % in den Umfragen erreicht werden.
Mit ihrem Buch haben die Zöglinge von Ex-Kanzler Schröder der SPD einen Bärendienst erwiesen. Und dann gibt es noch weitere Genossen, um deren Gesundheit man sich mitlerweile Sorgen machen muß.
Zitat Johannes Kahrs: „Man kann als Sozialdemokrat fröhlich und stolz auf das Erreichte sein. Wir regieren seit neun Jahren dieses Land. Wir tun das gut" Au weia!
RBrunnerHH (04.09.2007, 14:43 Uhr)
@Frei_Talk
...hast es ja nicht lange ausgehalten ;-))
ja, es fehlen Visionen und eine Politik, die einzig und allein darauf abgerichetet ist, die Probleme dieses Landes zu beseitigen, ganz egal wie radikal die Schritte auch sein müssen, ganz egal, wie vielen man auf den Schwanz treten muss, denn eines ist völlig sicher, Everybodies Darlin kann man heutzutage nicht sein, wenn man effektiv sein will, aber genau das ist seit geraumer Zeit die einzige Zielrichtung (und natürlich als willkommener Nebeneffekt, sich die eigenen Taschen zu füllen) allen politischen Strebens.
Frei_Talk (04.09.2007, 12:40 Uhr)
Visionen
Hallo
mir ist Herr Beck absolut unsympahtisch. Ich wähle ihn nicht. U.a. auch weil er mir vor kommt wie ein fetter clown (wie hier schon mal verwendet). Was mir aber absolut fehlt, was ich vermisse in der heutigen Politik ist der wirkliche rote Faden, das Ziel. Es regen sich Parteichefs auf weil ein "Untergebener""" den Mund auf macht. Die Kanzlerin bereist den Globus....Und hier wird darüber diskutiert. Merkt ihr eigentlich nicht das wir hier über die Arbeit einer Verwaltungsdienstelle reden und nicht über die Visisonen und die Ziele für unser Land, für unsere Gesellschaft. Denn dann würden alle sehr schnell merken das so Menschen wie Beck und Merkel und wie sie alle heisen total überfordert sind. Gibt es diese Visionäre nicht mehr? Lieber Stern kannst du nicht mal suchen und einige vorstellen. Und lass uns, zumindest mich, mit diesen Poltikdinos in Ruhe. Mir wird körperlich schlecht wenn ich die höre und sehen muss..Wobei ich jetzt wieder bei Herr Beck bin...Scheiß Laden...!
hardrain (04.09.2007, 12:29 Uhr)
Kann sich irgendjemand vorstellen,
daß eine solche Äußerung von W. Brandt oder H. Schmidt gefallen wäre? Man muß kein Intellektueller sein, um den geistigen Niedergang der SPD mit Schmerzen zu registrieren - vom Zustand der anderen Parteien ganz zu schweigen!
Was fehlt? Der Schwung der 68er!!!
Da brannte die Luft und die Köpfe rauchten. Die Pappnasen, die jetzt an den Hebeln der Macht rumhängen, werden unsere Zukunft nicht gestalten. Erbärmlich!!!
starmax (04.09.2007, 12:16 Uhr)
Spektrum an Meinungen - ja; aber nicht
innerhalb einer Partei ! Sonst ist es keine mehr, sondern ein zusammen gewürfelter Haufen wie die SPD derzeit...
Nicht einer von denen ist sein Geld wert
webner (04.09.2007, 10:44 Uhr)
Der groesste Clown
Beck ist ein vollgefressener Clown den niemand benoetigt.
BajoSajonia (04.09.2007, 10:08 Uhr)
Die Missverstandenen
Viele Kommentatoren innerhalb der SPD haben mit vielem Recht, leiden aber an der Schwäche in den Argumenten des Anderen einen Widerspruch zu ihrer eigenen Logik zu sehen. Etwas Empathie ist gefragt. Und es ist für Kurt Beck eine Chance zur Mediation und Führung. Die SPD ist eine gute Partei, weil sie ein breites Spektrum an Meinungen hat. Das wollen wir in der Demokratie.
Leider missverstehen sich manch´ eigene Genossen. Und andere missverstehen die SPD sowieso – schade.
mramorak (04.09.2007, 10:07 Uhr)
Sieben Jahre keine verlorene Zeit?
Im alten Ägypten gab es sieben fette und sieben magere Jahre, die dann alles weislich aufbewahrte Lebensmittel aufzehrten.
Jahrzehnte haben deutsche Regierungen unseren Lebenstandart geschaffen, was inerhal sieben Jahren durch die Politik des Herrn
Schröder abgebaut wurde.
provocateur (04.09.2007, 09:34 Uhr)
Sozialismus...
Ehrlich gesagt, ich wußte nicht, dass das Wort "Sozialismus" noch in irgendeinder Form im Parteiprogramm auftaucht. Da sich die SPD auch kaum viel weiter von den Idelaen dieser Gesellschaftsform entfernen kann, ist hier eine Änderung sicherlich sinnvoll. Ich würde vielleicht sogar noch weiter gehen und mich zu den Prinzipien des plutokratischen Globalismus bekennen, das würde der Realität eher entsprechen.
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