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4. Oktober 2008, 15:18 Uhr

Mächtiger CSU-Bezirk für Seehofer

Im Rennen um die Beckstein-Nachfolge deutet sich eine rasche Entscheidung an: Der mächtige CSU-Bezirk Oberbayern hat ohne Gegenstimme für den designierten Parteichef Horst Seehofer als neuen Ministerpräsidenten gestimmt. Wissenschaftsminister Thomas Goppel will seine Kandidatur nun überdenken.

Bayerns Wirtschaftsminister Thomas Goppel (r.) mit dem designierten CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer© Oliver Lang/DDP

In Bayern hat sich der mächtige CSU-Bezirk Oberbayern für Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer als neuen Ministerpräsidenten ausgesprochen. "Der CSU-Bezirksverband Oberbayern spricht sich in der aktuellen Situation dafür aus, dass das Amt des Parteivorsitzenden und des Ministerpräsidenten wieder in einer Person zusammengeführt wird", teilte Bezirksgeschäftsführer Christian Kopp am Samstag nach einer Tagung des Vorstandes des größten CSU-Bezirks mit. Die Entscheidung sei mit "sehr, sehr großer Mehrheit", ohne Gegenstimmen und bei einigen Enthaltungen gefallen.

Mit Seehofer stehe eine Persönlichkeit zur Verfügung, die die politische Erfahrung und das Durchsetzungsvermögen habe, um die Interessen Bayerns und der CSU bestmöglichst zu vertreten.

Damit deutet sich im CSU-internen Rennen um die Beckstein-Nachfolge ein rasches Ende mit Seehofer als Sieger an. Wissenschaftsminister Thomas Goppel sagte in Brunnthal bei München, das Votum der Oberbayern-CSU für Seehofer sei ein "sehr ernsthafter Grund", gemeinsam zu überlegen, "ob man das nicht von vornherein auf einen Kandidaten zulaufen lässt". Er werde sich nun umgehend mit Innenminister Joachim Herrmann über das weitere Vorgehen beraten. Auf die Frage nach einem Zurückziehen der beiden Kandidaturen sagte Goppel: "Ich fände es gut, wenn wir es gemeinsam machen."

Neben Seehofer bewerben sich bislang auch Goppel und Herrmann um den Chefposten in der bayerischen Staatskanzlei.

Ministerpräsident Günther Beckstein hatte nach der verheerenden Wahlniederlage angekündigt, sein Amt niederzulegen. Der gestürzte Regierungschef will als einfacher Abgeordneter im Landtag bleiben. Einen Spitzenposten strebt der 64-Jährige nicht mehr an. "Ich habe mich dafür entschieden, dass ich das Mandat annehmen werde", sagte Beckstein. "Ich werde aber selbstverständlich keinem Kabinett angehören."

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
DasBertl (05.10.2008, 06:46 Uhr)
@steinhaus
ähm demokratie? bayern? CSU? Gab es nicht erst "jüngst" (knapp ein jahr ist es her) einen RIESENSKANDAL weil sich gleich zwei Parteimitglieder erdreistet haben, gegen Herrn Huber bei der Wahl zum Parteichef anzutreten? Eine Demokratie ohne einen Opponenten ist so weit ich weiß keine. Und eine Partei die demokratisch sein will sollte sich darüber doch nicht all zu sehr aufregen müssen. Aber naja, mit Demokratie hat man es in der Parteienlandschaft eh nicht so. Die Abgeordneten einer Partei haben schließlich gefälligst so zu wählen und entscheiden, wie die Partei(-bosse) es vorgeben. Eine Partei die demokratisch im inneren ist, gilt doch immer gleich als "zerrissen", besonders in Bayern...
DasBertl (05.10.2008, 06:39 Uhr)
@elderoldman
Nein, bei uns in Bayern heisst das Spezlwirtschaft und ist ca. 43% der Bevölkerung immer noch sehr beliebt. (Bis nach Ede waren es sogar über 60% die Spezlwirtschaft sehr zu schätzen gewusst haben). Denn eine Hand wäscht bekanntlich die andere... und zu waschen gibts in Bayern viel...
elderoldman (04.10.2008, 23:05 Uhr)
Oberbay. CSU
Es kann doch wohl nicht angehen das ein paar bay. Schluchtenjodler den Ministerpräsidenten bestimmen wolle.
Nennt man sowas nicht Vetternwirtschaft?
Reality (04.10.2008, 20:18 Uhr)
Ich kann mir gut vorstellen...
dass nun einige CSU - Maulwürfe ganz intensiv zu graben beginnen in der Hoffnung, dass noch so einiges zu Tage kommt von Lobbyistenfreund - Seehofer.
TT2007 (04.10.2008, 18:41 Uhr)
@steinhaus: Danke für den Kommentar.
Für mich ist die CSU bei der nächsten Wahl vermutlich das erste Mal nicht mehr wählbar. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass man Herrn Beckstein wenigstens den Hauch einer Chance gegeben hätte.
Ich hoffe, dass Herr Stoiber wirklich zur Europawahl als Spitzenkandidat antritt, damit durch einen weiteren deutlichen Denkzettel an der Wahlurne die Richtung der Partei noch vor der Bundestagswahl korrigiert werden kann.
steinhaus (04.10.2008, 18:08 Uhr)
Schade...!
Es ist echt erstaunlich, wie demokratische Prozesse, unverändert seit dem Mittelalter, in Bayern stattfinden. Ein Heeresführer wurde damals auch nicht anders ernannt. Das ist ein mehr an Demokratie als es sie in den anderen Bundesländern gibt. Das ist kein Chaos, das ist ein basisdemokratischer Prozess, auch wenn das Nordlicher, oder auch Preussen anders sehen. Für Preussen ist das ein gefährlicher Prozess. "Platzhirsche" können so schnell kalt gestellt werden, besonders wenn sie nicht abtreten wollen...
Auf der anderen Seite stand Ministerpräsident Beckstein trotz seines Alters für die Erneuerung der Partei und des Landes. Mit der sich abzeichenden Wahl von Herrn Seehofer wird dieser Prozess jäh unterbrochen. Die Traditionalisten in der Partei werden die "Schlacht" gewonnen haben. Die Erneuerung ist für das Erste unterbrochen. Von Herrn Seehofer kann nur ein "Weiter so" kommen. Das ist der Auftrag der Leute, die ihn auf ihren Schild gehoben haben. Persönlich bedauere ich das zu tiefst, zumal ich die Erfolge von Herrn Seehofer in der Vergangenheit nicht sehen kann. Die Zukunft wird zeigen, ob die CSU so geschlossen wie Oberbayern hinter Herrn Seehofer stehen wird.
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