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3. Oktober 2008, 13:36 Uhr

Seehofer ist der Favorit

Die Würfel scheinen gefallen: Nach einem Geheimtreffen der CSU-Spitze kristallisiert sich der designierte Parteivorsitzende Horst Seehofer als Favorit für die Beckstein-Nachfolge heraus. Offiziell bleibt er aber vorerst nur Ersatzkandidat.

Lächelnde Rivalen: Der designierte CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer und der bayerische Wirtschaftsminister Thomas Goppel beim Gedenkgottesdienst zum 20. Todestag von Franz-Josef Strauß© Oliver Lang/DDP

CSU-internen Rennen um die Nachfolge des bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein ist der designierte Parteichef Horst Seehofer klar in Führung gegangen. In vier CSU- Bezirksverbänden gibt es inzwischen eine klare Präferenz für Seehofer, darunter die beiden größten Gliederungen in Oberbayern und der Oberpfalz. Seehofer ist auch in der Niederbayern-CSU und dem Münchner Bezirksverband Favorit. Landtagsfraktionschef Georg Schmid zog seine Kandidatur am Freitag wegen mangelnder Chancen zurück.

Damit sind neben Seehofer noch Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Innenminister Joachim Herrmann im Rennen. Seehofer ist offiziell nur Ersatzkandidat, falls sich seine Konkurrenten nicht einigen können. Dennoch gilt er bei vielen CSU-lern mittlerweile als Favorit. Ein Spitzentreffen Seehofers mit Herrmann, Goppel und Noch-CSU-Chef Huber führte am Freitag nach Angaben aus CSU-Kreisen zu keinem Ergebnis. Inhalt des Gesprächs sei das Vorgehen in den nächsten Tagen gewesen, hieß es.

Offen für Seehofer sprachen sich bereits der oberbayerische Bezirkschef und Kultusminister Siegfried Schneider sowie die Oberpfälzer Bezirkschefin und Wirtschaftsministerin Emilia Müller aus. Dahinter steht die Hoffnung, dass die CSU mit einem starken Mann an der Spitze besser fährt als mit der bei der Landtagswahl gescheiterten Doppelspitze aus Beckstein und dem ebenfalls zurückgetretenen Parteichef Erwin Huber. Sympathien gibt es aber auch - vor allem in Franken - für Innenminister Herrmann. In Unterfranken wird die Kandidatur von Wissenschaftsminister Goppel favorisiert - parteiintern "ThoGo-Lösung" genannt. Goppel warb für eine Doppelspitze: "Ein starkes Argument für eine Doppelspitze in der derzeitigen Situation sind die Bundestagswahlen im kommenden Jahr. Demgegenüber muss sich der Ministerpräsident um einen gerechten Ausgleich in Bayern kümmern, in dem sich alle Regionen wiederfinden", schrieb er in einer Erklärung.

Der gestürzte Ministerpräsident Günther Beckstein will als einfacher Abgeordneter im Landtag bleiben. Einen Spitzenposten strebt der 64-Jährige nicht mehr an. "Ich habe mich dafür entschieden, dass ich das Mandat annehmen werde", sagte Beckstein der Deutschen Presse- Agentur dpa. "Ich werde aber selbstverständlich keinem Kabinett angehören."

Beckstein will keinen Streit mit Stoiber

Beckstein will keinen Streit mit seinem Amtsvorgänger Edmund Stoiber anzetteln. Ein Hauptgrund für Becksteins Rücktritt am Mittwoch war ein Rücktrittsultimatum aus dem CSU-Bezirksverband Oberbayern, dem Stoiber angehört. "Es ist aber nicht so, dass ich irgendwelche Rachegelüste gegenüber Stoiber empfinde. Schließlich haben wir über Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet", sagte Beckstein.

Sowohl Beckstein als auch drei aufstrebende Bezirksvorsitzende richteten einen dringenden Appell an die Partei, möglichst schnell zur Geschlossenheit zurückzufinden. Die Aufgabe der neuen Führung werde sein, "ganz schnell alles zu tun, die Partei wieder zusammenzuführen und zusammenzuhalten", sagte Beckstein. "Die CSU muss zu Geschlossenheit zurückfinden. Ich bin optimistisch, dass das klappt."

Erste Gespräche mit der FDP

Nach ihren erdrutschartigen Verlusten bei der bayerischen Landtagswahl am vergangenen Sonntag ist die CSU erstmals seit einem halben Jahrhundert wieder auf einen Koalitionspartner angewiesen. Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass dies die FDP sein wird. Der scheidende CSU-Chef Huber bewertete die erste Runde der Sondierungsgespräche positiv. "Wir haben Übereinstimmung in einer ganzen Reihe von Punkten. Die Schnittmenge ist groß", sagte Huber der dpa. "Es gibt aber auch einige Punkte, die noch einer vertieften Diskussion bedürfen." Die FDP habe bestätigt, dass sie mit keiner anderen Gruppierung Gespräche führe. "Wir werden in der kommenden Woche aber auch Sondierungsgespräche mit den Freien Wählern führen", sagte Huber. Die Verhandlungsteams von CSU und FDP hatten sich am Vortag im Münchner Hotel Bayerischer Hof getroffen.

DPA
 
 
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