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4. Februar 2010, 16:00 Uhr

Erste Selbstanzeigen gehen ein

Die Schweizer CD zeigt Wirkung: Bei den deutschen Finanzbehörden gehen vermehrt Selbstanzeigen von Steuersündern ein. Bund und Länder haben sich nun entschlossen, den Datenträger zu kaufen. In der Schweiz dagegen wird nach der Bundeskanzlerin und dem Finanzminister "gefahndet".

Steuersünder-CD, Selbstanzeigen, Linssen, Finanzminister, Schweiz

Bissige Schweizer: Nachwuchs-Liberale "fahnden" nach Merkel und Schäuble per Steckbrief© Walter Bieri/EPA

Bei den Strafverfolgungsbehörden gehen erste Selbstanzeigen wegen der CD mit Steuerdaten aus der Schweiz ein. Seit Beginn der Debatte meldeten sich allein bei Finanzämtern in Niedersachsen sieben mutmaßliche Täter, die unversteuertes Geld auf Schweizer Konten besitzen. Die Behörden nehmen nun trotz aller geäußerten Bedenken in den vergangenen Tagen konkrete Verhandlungen über den Kauf der brisanten Steuersünder-CD auf. Der für den Vorgang zuständige nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen (CDU) sagte am Donnerstag, es seien alle offenen Rechtsfragen geklärt. Das Bundesfinanzministerium befürwortete ebenfalls den Erwerb der offenbar gestohlenen Liste mit den Namen der rund 1500 Deutschen, die unversteuertes Vermögen in der Schweiz haben. Die CD soll den Staat laut Berichten 2,5 Millionen Euro kosten.

Linssen sagte im Düsseldorfer Landtag: "Das Signal ist heute Mittag an die Steuerverwaltung gegeben worden." Jetzt werde auf rechtlich einwandfreiem Weg versucht, in den Besitz der Daten zu kommen. Der CDU-Politiker betonte, der Staat sei grundsätzlich verpflichtet, jedem Verdacht der Steuerhinterziehung nachzugehen. "Würde er das nicht tun, wäre das Strafvereitelung im Amt." Die Beweismittel seien in Steuer- und Strafverfahren verwendbar. Amtsträger machten sich auch nicht strafbar, wenn es zu einem Ankauf komme. "Damit liegen die Voraussetzungen vor, in den Besitz der Daten zu kommen", sagte der Minister. Bund und Länder würden je 50 Prozent der Kosten übernehmen, wenn es zu einem Ankauf komme. "Darüber gibt es keinen Disput zwischen Bund und Ländern."

Gesucht: Merkel und Schäuble

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums wies darauf hin, dass auch Minister Wolfgang Schäuble (CDU) den Kauf für rechtlich zulässig hält und ihn schon vor Tagen im Prinzip gebilligt hat. Zudem sei der Bund bereit, sich den Kaufpreis mit den Ländern zu teilen. Gegner des Deals hatten dem Staat für den Fall eines Ankaufs der Vorwurf der Hehlerei.

In der Schweiz nimmt man Schäuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel das Vorhaben teilweise übel. So wollen liberale Schweizer Nachwuchspolitiker am Wochenende 1000 Fahndungsplakate von von dem deutschen Regierungsduo aufhängen. "Wanted for Robbery and concealment of stolen goods" ("Gesucht wegen Raubs und Unterschlagung gestohlener Ware"), steht auf dem Steckbrief in Wildwest-Manier des Nachwuchses der Freisinnig-Demokratischen Partei. In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Strafanzeigen gegen Merkel und Schäuble.

Tatsächlich haben die Anleger offenbar weit mehr Steuern hinterzogen als die zunächst geschätzten 100 Millionen Euro. Die Datensammlung betreffe nach übereinstimmenden Angaben die Züricher Bank Credit Suisse, schrieben die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Das Institut teilte dem "SZ"-Bericht zufolge aber mit, es habe keine Kenntnis von einem Datenklau. Der Zeitung zufolge handle sich um einen der größten Komplexe von Steuerhinterziehung durch Deutsche überhaupt.

Mehrere Selbstanzeigen in Niedersachsen

Die mutmaßlichen Steuersünder, die sich nun per Selbstanzeige bei den Behörden gemeldet haben, erklärten nach Angaben des Finanzministeriums, Zinseinnahmen von insgesamt 2,9 Millionen Euro in ihren Steuererklärungen nicht angegeben zu haben. "Etwa ein Drittel dieser Summe müssen sie nun als Steuern nachzahlen", sagte eine Sprecherin in Hannover.

Auch Baden-Württemberg prüft derzeit, ob es vermehrt Selbstanzeigen reuiger Steuersünder gibt. Aktuelle Zahlen würden gerade erhoben, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Stuttgart. In Thüringen und Sachsen gehen die Behörden nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass es zu einer großen Zahl von Selbstanzeigen kommt. "In Thüringen ist die Millionärsdichte nun mal nicht besonders hoch", sagte eine Ministeriumssprecherin in Erfurt.

EU übt Druck auf die Schweiz aus

In Sachsen weiß man noch nicht, ob es wegen der neuen Daten-CD Selbstanzeigen gab. In der Vergangenheit habe es im Fall einer CD aus Liechtenstein in Sachsen nur zwei Selbstanzeigen gegeben, die zu Mehreinnahmen von 80.000 Euro geführt hätten. Deswegen rechne man auch jetzt nicht mit größeren Mehreinnahmen, sagte eine Sprecherin.

Die Schweiz gerät einem Zeitungsbericht zufolge unterdessen unter den Druck der EU. Im Europäischen Parlament gebe es Pläne, den Zugang der Schweiz zum gemeinsamen Binnenmarkt zu beschränken, falls Bern in Steuerfragen nicht besser kooperiere, schreibt die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Vorsitzenden des Rechtsausschusses, Klaus-Heiner Lehne (EVP).

AP/dho
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
tannebaum (05.02.2010, 12:03 Uhr)
die regierung als hehler...
...der täter per selbstanzeige frei.

kostet alles nur etwas geld und gut ist. erinnert mich stark an den ablasshandel!

abschrecken würde es doch nur, wenn die regierung solchen leuten 5 jahre ohne bewährung gibt, deren firmenkonten sperrt und ihn so mal für einige jahre total trockenlegt. mal schauen, ob dann steuerhinterziehung noch so angesagt wäre.

ist doch albern, wenn denen nix passiert und dann der schweiz die schuld gegeben wird.
Mikeorganizer (05.02.2010, 09:03 Uhr)
Wer erwartet bei....
diesen Vorbildern eigentlich noch einen Sinn für Recht ? Mit diesem Schritt hat diese Regierung den letzten Rest an Glaubwürdigkeit und Gesetzverständis verkauft. Welcher Bürger soll sich bei diesen Vorbildern eigentlich noch auf Recht, und Gesetze berufen ? Zumindest keiner mehr der halbwegs etwas in der Birne hat. Mein unrechtsbewußtsein ist mit dieser Tat auf jedenfall gestorben. Jedes Mittel ist recht - genau wie der Regierung !
Dieter37 (05.02.2010, 08:10 Uhr)
Bei den jährlichen Verschwendungen
an Steuergeldern durch Politiker, kann ich es gut verstehen, dass man diesen unfähigen Stümpern in unserer Politik kein Geld mehr anvertrauen möchte !
LaoLu (05.02.2010, 01:54 Uhr)
Das Risiko ist überschaubar, oder?
Ich verstecke meine Euros in der Schweiz.

Und wenn dann jemand mit Enttarnung droht, zeige ich mich schnell selbst an und entrichte, jetzt, die Steuern, die ich bei ehrlichem Verhalten von Anfang an gezahlt hätte.

Aber keinen Cent mehr.

Wo, bitte, liegt für mich das Risiko?

OttoB (04.02.2010, 22:41 Uhr)
Ich finde die von Angst um das
Geld das sie uns allen gestohlen Geld lustig.
Ich wünsche allen Schwerverbrechern die sich nicht selber anzeigen gute Erholung da wo sie hin gehören.
Denn ein Leistungsträger der für sein Geld arbeiten muß kann kein Geld in der Schweiz haben oder hat Charakter.
Es handelt sich meist um Menschen die andere mit Sklavenlöhne ausbeutet. Auch ein ehrlicher Mittelständler der auch Respekt vor seinen Mitarbeitern hat gehört hier sicher nicht dazu.
Wer einen Tippfehler findet bitte beim Fundbüro abgeben, er wird noch gebraucht.
leboz (04.02.2010, 21:04 Uhr)
Ich habe aus meinem privaten
Bereich zahlreiche Beispiele, dass sich Beamte nicht an die deutschen Gesetze halten. Das wird inzwischen beunruhigend. Früher waren deutsche Beamte korrekt. Jetzt haben wir eine DDR-light. Die Datenhehlerei ist ein Beispiel dafür
Nummer1729 (04.02.2010, 20:46 Uhr)
Alles nicht neu!
Das der Staat Straftaten unterstützt, um an Geld zu kommen ist doch nicht neu. Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass die horrende Verprovisionierung von GEZ-Spitzeln nicht anderes ist, als eine Anstiftung zu Hausfriedensbruch, übler Nachrede und Betrug.
Der qualitative Unterschied liegt in den Opfern. Die "schwarzen" Rundfunkteilnehmer begehen eine Ordnungswidrigkeit. Wer Steuern hinterzieht begeht in der Regel eine Straftat.
leboz (04.02.2010, 19:57 Uhr)
Dass Politiker und Beamte in Deutschland
immer weniger geltendes Recht beachten, wird jetzt immer mehr üblich: Ougadougou läßt grüßen. Früher waren deutsche Beamte korrekt.
Sternchen2020 (04.02.2010, 19:52 Uhr)
Erste Selbstanzeigen gehen ein,
genau! Und eine deftige Strafanzeige ging ebenfalls ein. Gerichtet gegen Angela Merkel, wegen Verdacht der Anstiftung zu Straftaten, insbesondere Hehlerei, Begünstigung, Ausspähen von Daten sowie der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat.

Tolles Schauspiel, was hier in der BRD abläuft. Vielleicht entspringt die CD auch nur der reinen Phantasie - quasi als Druckmittel für Selbstanzeigen. Zuzutrauen ist das allemal. und zu sehen bekommen wir Bürger das Material ja nicht.

Meine Güte, wo führt das alles noch hin?
leboz (04.02.2010, 19:44 Uhr)
Na ja,
Diebe zu unterstützen ist in Ougadougou vielleicht üblich, aber langsam wachsen bei uns auch die Bananen
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