16. Januar 2013, 16:28 Uhr

Berliner Flughafenchef muss seinen Hut nehmen

Der Geschäftsführer des Berliner Großflughafens muss gehen. Wegen der Verzögerung beim Airport-Bau wurde Rainer Schwarz abberufen. An der Führungsspitze soll es Änderungen geben.

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Rainer Schwarz ist nicht länger Manager der Betreibergesellschaft des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg©

Das Desaster um den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg kostet nun auch Flughafenchef Rainer Schwarz das Amt. "Herr Schwarz hat sein Dienstzimmer geräumt und den Betrieb verlassen", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als neuer Aufsichtsratsvorsitzender am Mittwoch am Rande einer Sondersitzung des Kontrollgremiums in Schönefeld. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Horst Amann die Betreibergesellschaft übergangsweise allein führen. Wann das Milliardenprojekt angesichts massiver Baumängel eröffnet werden kann, bleibt weiter ungewiss.

Nach Einschätzung Amanns wird der Pannenflughafen wahrscheinlich erst 2015 fertig. Er sagte in einem ZDF-Interview, das am Mittwochabend ausgestrahlt werden sollte: "Ich gehe eher von 2015 aus". In den kommenden Monaten solle zunächst der aktuelle Bauzustand des Gebäudes ausführlich untersucht werden. Erst danach könnten die Restarbeiten wieder aufgenommen werden. Ein Termin im Herbst 2014 sei unter diesen Umständen nur noch unter optimalen Bedingungen einzuhalten, sagte Amann und wiederholte damit seine frühere Einschätzung.

Auch Platzeck rechnet noch mit langwierigen Schwierigkeiten. "Ich bin mir ganz sicher, dass wir noch einige Monate brauchen, um die Planungsgrundlage zu haben.". Erst dann könne ein Terminplan seriös benannt werden. Die zuletzt auf 27. Oktober 2013 verschobene Eröffnung war Anfang Januar geplatzt.

Bewerber für Chefposten gesucht

Platzeck war zuvor einstimmig zum Chefaufseher bestimmt worden. Er folgt auf Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der diese Funktion unter massivem Druck abgegeben hatte. Er ist nun Stellvertreter Platzecks.

Auf eine Ablösung von Schwarz, der die Flughafengesellschaft seit 2006 führte, hatte vor allem der Mitgesellschafter Bund gedrängt. Das Unternehmen soll künftig von einer Dreierspitze geleitet werden. Neben Technikgeschäftsführer Amann werden ein Vorsitzender der Geschäftsführung und ein Finanzgeschäftsführer gesucht, wie Platzeck mitteilte. Platzeck kritisierte auch die Vorgehensweise von Amann vor der neuerlichen Verschiebung der Eröffnung, betonte aber: "Herr Amann hat mein Vertrauen."

Für den Chefposten werde ein Bewerber gesucht, der möglichst Vorerfahrungen bei Flughäfen habe. Die neue Führungsspitze müsse erreichen, dass der Flughafen "in absehbarer Zeit genehmigungsfähig an das Flugnetz kommt", sagte Platzeck. Bei der Personalsuche wolle man sich nicht unter falschen Druck setzen lassen. Einen Zeitplan nannte er nicht. Zur Frage, ob Schwarz wegen seiner vorzeitigen Abberufung eine Abfindung bekommt, äußerte sich Platzeck nicht.

Der Aufsichtsratschef kündigte an, dass der alte Flughafen Berlin-Tegel für den nun länger notwendigen Übergangsbetrieb aufgerüstet werden soll. Nach Angaben der Flughafengesellschaft geht es um Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe.

mlr/DPA
 
 
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