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28. Mai 2009, 17:28 Uhr
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Gorleben längst ein Endlager?

Während draußen die Atomgegner protestierten, wurden innen offenbar still und heimlich Tatsachen geschaffen: Einem Zeitungsbericht zufolge ist das umstrittene Atommülllager Gorleben illegal zu einem Endlager ausgebaut worden, das gehe aus einem internen Papier der zuständigen Behörde hervor. Doch das Bundesamt für Strahlenschutz dementiert.

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Wird angeblich bereits als Endlager ausgebaut: der Salzstock in Gorleben© Hans-Jürgen Wege/DPA

Neuer Wirbel um das Atommülllager Gorleben: Der Salzstock soll nach einem Zeitungsbericht bereits seit Mitte der 80er Jahre illegal zu einem Endlager für hochradioaktive Abfälle ausgebaut worden sein. Das gehe aus einem internen Bericht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hervor, schreibt die "Frankfurter Rundschau". Das Amt in Salzgitter widersprach am Donnerstag jedoch dieser Darstellung und hob hervor, eine solche Erklärung des BfS gebe es nicht. Ob Gorleben als Endlager geeignet sei, könne erst in etwa 15 Jahren beurteilt werden.

Mit dem Bericht über einen angeblichen Gorleben-Ausbau sieht sich die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg in ihrer Skepsis bestätigt und erklärte: "Die Erkundungslüge ist aufgeflogen." Ihr Sprecher Wolfgang Ehmke sagte der Zeitung, offenbar habe der Bau des Endlagers entgegen aller offiziellen Darstellungen bereits nach Abschluss der Tiefbohrungen Mitte der 80er Jahre unter Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. Die Errichtung eines Endlagers ohne Eignungsaussage und ohne Planfeststellungsbeschluss sei klar rechtswidrig.

Parallel zur Erkundung habe der Ausbau begonnen

Laut "FR" heißt es in dem nichtoffiziellen, sogenannten "Non Paper" des Strahlenschutzamtes, die Erkundungskosten hätten außerordentlich hoch gelegen, "was jedoch darin begründet liegt, dass hier parallel zur Erkundung bereits der Ausbau zum Endlager begonnen wurde". Bisher gibt es für Gorleben nur Genehmigungen zur Erkundung unter Tage, ob der Salzstock für ein Endlager geeignet ist. Das BfS ist Betreiber der Anlage.

Das Amt erklärte, die Entscheidung, den Salzstock Gorleben im Rahmen des Bergrechtes zu erkunden und mit hohem Aufwand auszubauen, sei damals von der Politik getroffen worden. Der Umfang des Ausbaus sei durch das Bergrecht genehmigt und 1990 vom Bundesverwaltungsgericht für zulässig erklärt worden. "Gorleben ist ein Erkundungsbergwerk und kein Endlager für radioaktive Abfälle", betonte die Behörde. Bis zu einer Aussage darüber, ob Gorleben für ein Endlager geeignet sei, seien noch umfangreiche Arbeiten notwendig. Eine Aussage darüber werde erst mit dem Planfeststellungsbeschluss im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren getroffen. "Es kann sie nach derzeitigem Stand frühestens in etwa 15 Jahren geben."

Was weiß Merkel über Probleme in Asse?

Unterdessen berichtete das ARD-Magazin "Kontraste", dass die frühere Umweltministerin und heutige Kanzlerin Angela Merkel zu ihrer Amtszeit in den 90er Jahren vor Gefahren im Atomlager Asse gewusst habe. Wissenschaftler warnten demnach 1996 vor einer Verseuchung des Wassers. Merkel habe die Öffentlichkeit nicht informiert. Ein Sprecher der Bundesregierung gab auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte Merkel wegen ihres Umgangs mit dem Endlager Asse in den 90er Jahren. Die niedersächsischen Grünen kündigten an, sie wollten versuchen, Merkel vor den Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags in Hannover zu zitieren.

In dem ehemaligen Salzbergwerk wurden von 1967 bis 1978 über 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert. In das Bergwerk fließt seit Jahren Salzlauge ein. Im vergangenen Sommer machte das Atommülllager Schlagzeilen, weil radioaktiv verseuchte Lauge illegal im tiefsten Stollen des Bergwerks entsorgt wurde.

AP
KOMMENTARE (4 von 4)
 
utospatz (29.05.2009, 21:20 Uhr)
Armleuchter haben die Asse noch
nicht verdaut. Was Dir heute von Lemuren verwehrt wird, ist in ein paar Jahren schon realität!
Die denken, ich hab im Steuerparadies meine Yacht, und zu meiner Villa es gebracht. Jedoch haben die einiges vergessen,ihre Enkel werden Krüppel über Nacht! Wie schön für das Fußvolk!
balldurian (28.05.2009, 19:31 Uhr)
Von einer FDJ-sekretärin ...
... was anderes zu erwarten wäre auch naiv. Es zeigt sich eben immer und überall: Gelernt ist gelernt und die stasi methoden erst einmal im westen eingeschleppt sind kaum wieder loszuwerden. Gorleben muss weg, das Merkel muss weg .... oder besser: Gorleben soll leben
aeternitas (28.05.2009, 18:32 Uhr)
Ob die Experten auch so unabhängig waren
sollte geklärt werden. Man denke nur an die Notwendigkeit der Drittmitteleinwerbung der Universitäten und Forschungseinrichtungen. Woher kamen denn die Gelder für die Erkundung? Liebe Stern-Redaktion, wäre das nicht eine Aufgabe für einen von euch?
Wieso hat Frau Merkel die Öffentlichkeit nicht informiert, obwohl 1996 bereits seit mehr als 20 Jahren solche Dinge wie Wassereinbruch in der Asse bekannt sind? Ist es so unwahrscheinlich, dass ein wasserführendes Salzbergwerk zu einer Gefahr für die Anwohner wird? Oder dass Einlagern der Fässer durch stürzen (wie in den schönen alten Videos gut zu sehen ist) eventuell die Gesundheit der Arbeiter beeinträchtigt, bzw. dass bei der rohen Behandlung der Fässer eins kaputt gehen könnte?
Für die Asse gibt es noch nicht einmal eine praktikable Idee, wie man die Katastrophe aufhalten könnte, und in Gorleben wird gleich die nächste Baustelle aufgemacht.
Mein Vorschlag: Es ist ja bekannt welches AKW wie viele Brennstäbe pro Jahr verbraucht. Also pro Brennstab mit ein paar Millionen zur Kasse bitten bis das Problem gelöst ist! Am besten noch rückwirkend wenn möglich. Diese Kraftwerke sind Lizenzen zum Gelddrucken, also sollten sie auch etwas zur Beseitigung beitragen. Jeder andere Unternehmer muss seinen Müll schließlich auch entsorgen...
Angste (28.05.2009, 17:43 Uhr)
Der Bericht ist nicht ganz richtig
Das BfS dementiert nicht den Ausbau, sondern das "illegal". Ausgebaut wurde für den Fall, daß Gorleben genehmigt würde. Was noch gaaar nicht feststeht!!???
Was allerdings unglaubwürdig ist: Man behauptet, Mio für den Ausbau ausgegeben zu haben, obwohl das vielleicht rausgeschmissenes Geld ist, Gorleben vielleicht gar nicht geeignet ist? Wer soll das nach all dem Versagen, den Lügen bei Morsleben, Asse noch glauben? Und wer kann noch an unabhängige Untersuchungen glauben, wenn Gorleben schon feststeht?
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