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16. Januar 2007, 09:06 Uhr

Die "Bild"-Zeitung legt nach

In der CSU-Spitze tobt ein Machtkampf, in dem auch die "Bild"-Zeitung kräftig mitmischt. Sie berichtete am Montag über eine angebliche Geliebte Horst Seehofers, eines möglichen Stoiber-Nachfolgers. Nun soll Seehofers angebliche Geliebte auch noch ein Kind von dem Minister erwarten. Von Florian Güßgen

Was darf man über ihn berichten? Dass er mit einem scheinbaren Familien-Idyll hausieren geht? Dass es dieses Familienidyll nicht gibt? Verbraucherschutzminister Horst Seehofer© AP/Fritz Reiss

Wenn's hart auf hart kommt in der Politik, dann wird das Private schon mal öffentlich: als Währung im Machtkampf, als Druckmittel. So offenbar geschehen bei dem Versuch von Edmund Stoibers einstigem Büroleiter, mehr über das Privatleben der Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli zu erfahren. In der CSU-Krise ist nun neu, dass die "Bild"-Zeitung das Privatleben eines Politikers öffentlich macht, der im Personalgerangel der CSU eine entscheidende Rolle spielt: Das Privatleben Horst Seehofers. Am Montag veröffentlichte die Zeitung einen Bericht über eine angebliche Geliebte des Verbraucherschutzministers, CSU-Vizes und inoffiziellen Kandidaten für die Stoiber-Nachfolge im Amt des CSU-Chefs, vielleicht sogar des Ministerpräsidenten. Die "Bild"-Zeitung berief sich auf "Tuscheleien" innerhalb der CSU über den Familienvater. Am Dienstag hat die Zeitung nun nachgelegt: Angeblich soll Seehofers Geliebte ein Kind von ihm erwarten, berichtete die "Bild" in großen Lettern auf Seite eins. Sie sei im vierten Monat schwanger, heißt es. Dazu druckte die Zeitung auf der zweiten Seite drei Bilder Seehofers. Eins davon zeigt ihn ihn mit seiner Ehefrau, eines am Frühstückstisch in seiner Heimat Ingolstadt.

Berichte über Privatleben sind an sich tabu

Mit ihren Berichten über Seehofer gerät die "Bild"-Zeitung mit einem ungeschriebenen Gesetz der deutschen Presse in Konflikt. Dieses besagt, dass über das Privatleben von Politikern nicht berichtet wird - zumindest nicht ohne deren Einverständnis. Die Gerüchte und harten Recherchen, wer jetzt genau mit wem pennt, mögen zur privaten Belustigung der Journalisten beitragen, veröffentlicht werden sie gemeinhin nicht, zumal wenn man Gefahr läuft, sich politisch instrumentalisieren zu lassen. Genau das droht jedoch in der Causa Seehofer. Der Minister gilt als Anwärter für den CSU-Vorsitz ebenso wie für den Posten des bayerischen Ministerpräsidenten. Die Veröffentlichungen können ihm politisch enorm schaden, anderen, etwa dem wankenden Ämterinhaber Edmund Stoiber, der gerade in Wildbad Kreuth bei der Klausur der Landtagsfraktion gegen eine Ablösung kämpft, könnten sie nutzen. Für eine mögliche Stoiber-Nachfolge im Amt des CSU-Parteivorsitzenden gibt es außer Seehofer eigentlich keinen starken Kandidaten. Und bei Teilen der CSU dürfte Seehofer schon nach diesen Berichten definitiv unten durch sein.

Horst Seehofer und seine Frau Karin© People Picture/Frank Rollitz

"Bild" rechtfertigt Berichte

Noch ist völlig offen, wer der "Bild"-Zeitung die Informationen gesteckt hat - oder sogar auf ihre Veröffentlichung gedrungen hat. Mit seiner Berichterstattung läuft das Medium dennoch Gefahr, sich zum Büttel einer Gruppe innerhalb der CSU zu machen - auch wenn die "Bild"-Redaktion die Behauptung am Montag als "blanken Unsinn" bezeichnete, dass die Informationen gezielt von der bayerischen Staatskanzlei gestreut worden seien. In einem Kommentar rechtfertigte das Blatt am Dienstag die Berichte über Seehofers Privatleben mit dem Hinweis darauf, dass Seehofer sein angeblich heiles Familienleben selbst offensiv politisch vermarktet habe. "Horst Seehofer hat sein häusliches Idyll immer vorgezeigt: das Hochglanzbild von der heilen Familie als Wahlkamfschlager für bayerische Wähler", schreibt Kommentator Nicolaus Fest. "Nun ist er als Chef der CSU im Gespräch - also der Partei, für die laut Grundsatzprogramm 'Ehe und Familie im Mittelpunkt stehen." Demzufolge hat Seehofer sein Privatleben selbst zu Politik gemacht - es also in den öffentlichen Raum gehoben. Daraus folgert Fest, dass es auch zum Gegenstand öffentlicher Berichterstattung werden dürfe: "Wer sein Privatleben groß plakatiert, wer es politisch einsetzt, muss sich daran messen lassen", schreibt Fest.

"Ich verurteile das aufs Schärfste"

Die CSU-Führung, inklusive Edmund Stoiber, ist da demonstrativ anderer Ansicht. Sie empörte sich bereits am Montag bei der Klausur der Landtagsfraktion in Kreuth über die Veröffentlichungen über das Privatleben Seehofers. Auch in Berlin war sie quer durch alle Parteien einhellig verurteilt worden. Der Fraktionschef der SPD im bayerischen Landtag, Franz Maget, hatte den Bericht mit dem Fall Theo Waigel verglichen. 1993, als Waigel und Stoiber um die Nachfolge des bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl rangen, wurde an die Presse durchgestochen, dass der verheiratete Waigel ein Verhältnis mit der Skirennläuferin Irene Epple unterhielt, die er später heiratete. Am Dienstag prasselte erneut Kritik auf die "Bild"-Zeitung ein: Es sei "ein unglaublicher Vorgang, hier private Dinge in die Politik hinein zu tragen", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger laut Nachrichtenagentur AP dem Deutschlandradio Kultur. "Ich verurteile das aufs Schärfste." Fraktionschef Joachim Herrmann sagte am Dienstag, er hoffe, dass niemand aus der Partei an der Indiskretion gegenüber Seehofer beteiligt sei. Es sei aber sicher kein Zufall, dass der Bericht genau zum Beginn der Klausur in Wildbad Kreuth veröffentlicht worden sei. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein stellte sich vor Seehofer. Das Privatleben Seehofers spiele für seine politische Zukunft keine Rolle, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Vor 50 Jahren seien außereheliche Affären vielleicht ein Stein des Anstoßes gewesen, heute jedoch nicht mehr. "Nur derjenige, der nie Fehler macht, darf Steine werfen."

Seehofer sagt Termine ab

Laut AP sagte Seehofer am Dienstag alle seine Termine in Berlin ab. Bei der Kabinettssitzung am Vormittag ließ er sich von seinem Staatssekretär Gerd Müller vertreten. "Der Minister hat eine Reihe von Gesprächen zur Entwicklung in Bayern zu führen", sagte ein Sprecher seines Hauses. "Das ist für ihn wichtiger im Moment." Zurzeit wolle er "keine öffentlichkeitswirksamen Termine" wahrnehmen, hieß es.

Ihre Meinung

Sollte das Privatleben von Politikern auch privat bleiben? Wären für Sie die persönlichen Lebensentscheidungen eines Politikers für eine Wahl entscheidend?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (14)
Von Florian Güßgen
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
wallmann (18.01.2007, 02:01 Uhr)
Wie viel Elterngeld bekommt Seehofers Baby?
Im Bundeskabinett verzeichnet Frau von der Leyen den ersten Erfolg mit Ihren Dauertiraden gegen zu wenige neue Kinder. Mitder Aussicht auf ein fettes Elterngeld hat sie den Minister für Landwirtschaft, Fortpflanzung und Verbraucherschutz, Horst Seehofer, überzeugt.
Da Frau von der Leyen und seine eigene ihre Pflicht für das Vaterland bereits getan haben - zusammen zehn Kinder - suchte er sich eine Leyhmutter in der Zielgruppe des Elterngeld-Projektes: eine berufstätige Akademikerin, Anfang dreißig.
Wer weiß, ob die junge Frau ohne das zu erwartende Elterngeld "ja" zu dem neuen Erdenbürger gesagt hätte. Ich schätze, sie wird als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag so um die 1.400 bis 1.600 Euro monatlich im ersten Lebensjahr des Kindes erhalten.
Natürlich könnte auch Herr Seehofer ein Jahr lang pausieren. Da es höchstens 1.800 Euro Elterngeld im Monat gibt, wäre sein Einkommensverlust allerdings sehr hoch. Außerdem hat er noch seine Zweitfamilie in Bayern zu versorgen. Wenigstens könnte er die zwei Partnermonate beanspruchen, um mit gutem Beispiel für Bayern und Deutschland voranzugehen.
kaotixx (17.01.2007, 11:32 Uhr)
BILD Bibel des Bösen
Das ist vielleicht eine Drecksgesellschaft in diesem verfluchten Land!Pfui Deibel!
Und die Bibel der GUTEN DEUTSCHEN ist das Mistblatt BILD
emil_beuth (17.01.2007, 07:38 Uhr)
Seehofer ist auch nur ein Mensch mit allen Schwächen
Sicher ist das alles für ihn und seine Familie, vor allem für seine Frau, ein Schlag aber es immer noch Privatsache wie man sein Leben gestaltet. Diese Hetzjagd ist typisch für diese Zeitung. Es geht dabei doch nur um Auflage, kann doch die betroffene Person und die Familie daran zu Grunde gehen. Wer ist hier der größere Schweinehund ? Das alles zeigt doch was man von dieser Zeitung zu halten hat. Und wenn es alles doch nicht stimmt, dann erfolgt wie so oft ein kleiner Abschnitt auf Seite 5.
IndianerJoe (16.01.2007, 16:56 Uhr)
Mafia-Methoden
Diese Mafia-Methoden gehören zur CSU, seitdem ich denken kann. Am Schlimmsten war es, als in meiner Jugend Strauß um das Amt des Ministerpräsidenten kämpfte: mit welchen Mitteln dies geschah, blieb mir bis heute traumatisch in Erinnerung!
Bitte wenden Sie den Blick vom Opfer ab, und dem Täter und seinen Gehilfen zu: das Verborgene, das uns hier als Einziges (!) zu Interessieren hat, ist doch nicht irgendjemandes Liebesleben, sondern einzig und allein *die Person*, die hinter dieser Schmutzkampagne steht!
Ich fordere die Presse auf, *diese Person* und ihre Machenschaften ans Tageslicht zu zerren und rückhaltlos zu outen!
HelmutWarner (16.01.2007, 16:28 Uhr)
Seehofer
Wie war das noch mit Kanzler Willy Brandt? Hatte der nicht auch „außereheliche“ Beziehungen? Hatte man ihm daraus einen Vorwurf gemacht? Hat man deswegen seine politischen Qualitäten in Frage gestellt? Gibt es nicht andere unter den Politikern, die sich manchmal vergessen und etwas getan haben, was sie später bereuten?
Natürlich gibt es sie. Namen können genannt werden.
Um es klar zu sagen; Einigen ist kein Nachteil daraus entstanden. Herr Seehofer war für mich eine soziale Lichtgestalt unter den führenden Politikern der Gegenwart, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Daran wird sich nichts ändern.
Trotzdem ist die Sache sehr bedauerlich. Es ist jedoch die Privatsache von Herrn Seehofer, seiner Ehefrau und einer dritten Person.
Erfreulich an der Sache ist – wenn die Gerüchte wahr sind – , dass der „demographische Faktor“ reduziert wird. Das ist dringender als alles andere
Hasso_Waldner (16.01.2007, 16:23 Uhr)
Das Privatleben eines Politikers ist nicht egal
Privat hat sich ein Politiker so zu verhalten, dass er nicht erpressbar wird. Wer Geliebte und uneheliche Kinder verheimlicht, wird angreifbar und erpressbar. Genau das zeigen die aktuellen Reaktionen auf die Meldung der Bild-Zeitung. Insbesondere die CSU trägt zu einer Stimmung in der Gesellschaft bei, die eher zur Ächtung solcher Leute auffordert. Es kann aber nicht sein, dass eine Partei nach aussen Wasser predigt und intern Wein säuft. Diese Art der Heuchelei ist für mich als Wähler unerträglich. Dehalb begrüße ich die Meldung der Bild-Zeitung. Allerdings setze ich weiter auf Seehofer, den ich für einen fähigen und mutigen Politiker halte. Ich hoffe, dass er nun auch den Mut hat, sich zu dieser Affaire zu bekennen und seine Ziele trotzdem erreicht. Wenn er sie erreicht, muss er sich anschließend nicht mehr fürchten.
Randy007 (16.01.2007, 15:46 Uhr)
Man mag es kaum Glauben...
..Man kann sich da doch nur fragen auf welchem Level in Deutschland mittlerweile Politik gemacht wird. Natürlich zeugt es nicht gerade von der moralischen Verlässlichkeit eines Christlich Sozialen Politikers wenn der heimlich seine Frau betrügt, auf der anderen Seite soll sowas öfters vorkommen als man denkt. Das aber diese Geschichte gerade dann auf den Tisch kommt wenn sich ein anderer Christlich Sozialer Politiker in Gefahr sieht seine Ämter zu verlieren, und zwar aus politisch durchaus nachvollziehbaren Gründen, verschlägt einem doch glatt die Sprache. Ob der amtierende bayrische Ministerpräsident direkt involviert ist oder nicht- hier versucht doch jemand politische Entscheidungen gezielt durch Intrigen und Gerüchte zu manipulieren und zwar auf platteste und übelste Art. Wie weit ist das politische Niveau in Deutschland eigentlich gesunken? Man hat das Gefühl es gibt keinen einzigen Politiker mehr in Deutschland der ein Interesse oder ein Verantwortungsgefühl für den Staat und das Volk hat, sondern es geht anscheinend nur noch um das Erreichen persönlicher Vorteile und die dazu erforderliche Macht. Jeder klammert sich an seinen Posten solange es geht, dazu ist jedes Mittel recht. Ob es eine demokratische Mehrheit dafür gibt oder nicht interessiert anscheinend überhaupt keinen. Es ist doch komisch, dass sich ein Altbundeskanzler wie Helmut Schmidt heute noch in Interviews wie ein kompetenter, verantwortungsvoller Politiker anhört, der weiss wovon er spricht, wogegen die meisten der gegenwärtigen Akteure wirklich beim Niveau der einschlägigen Nachmittagstalkshows im TV unter der Gürtellinie angekommen sind. Bild lässt Grüßen
QJHG (16.01.2007, 15:29 Uhr)
Seehofer
Warum diese Aufregung in der bayerischen Partei. Ob CSU oder CDU, persönliche Diffamierungen gehörten m.E. bei diesen Parteien immer dann zum politischen Geschäft, wenn es an Argumenten fehlt. Ob es ein Herr Glos ist, der den damaligen Aussenminister Fischer einen Zuhälter nannte; ob es eine CDU Ministerpräsidenten Kandidatin Schavan ist, der man lesbische Neigungen vorwarf,um sie zu desavouieren; ob es ein CDU Generalsekretär ist, der den damaligen Kanzler Schröder in eine Reihe mit Verbrechern stellte. Auch die Amtsübernahme durch Herrn Stoiber war von gewissen Informationen über Herrn Weigel begleitet. Ja, und schon der CDU Bundeskanzler Adenauer warf Herrn Brandt seine uneheliche Geburt vor. Also nichts neues in diesen politischen Formationen.
wwbernd (16.01.2007, 14:26 Uhr)
Privatleben ist wichtig
Mir ist wichtig, dass eine Politikerpersönlichkeit in geordneten privaten Verhältnissen - wie auch immer - lebt. Dabei kommt es mir nicht darauf an, ob er schwul ist, ob er zwei Frauen bzw. zwei Männer hat, oder ob er als Single lebt. Wer heimlich ein Doppelleben lebt, mit anderen Worten: Wer sein Privatleben nicht im Griff hat, läuft für mich Gefahr, seine Arbeit nicht mit der gebotenen Konzentration bewältigen zu können.
Daher will ich wissen, ob die Person, die ich wählen soll, in diesem Sinne hinreichend zuverlässig ist. Wenn Zweifel aufkommen, will ich dies wissen - ggf. durch eine entsprechende Presseveröffentlichung.
Wer sich öffentlich anbietet, um gewählt zu werden, muss dies hinnehmen. Er kann sich - notfalls gerichtlich - wir sind doch in einem Rechtsstaat - dagegen wehren. Den Wahrheitsgehalt einer üblen Nachrede muss derjenige beweisen, der die ehrenrührige Tatsache in die Welt gesetzt hat, sonst macht er sich strafbar (§ 186 Strafgesetzbuch).
karo4ever (16.01.2007, 14:12 Uhr)
Es ist doch vollkommen egal
wie sich unsere gewählten Politiker in ihrem privaten Umfeld verhalten.
Wichtig ist was sie in dem Job tun für den sie gewählt wurden.
Macht es ihn zu einem schlechten Verbraucherschutzminister weil er "möglicherweise" eine Affäre hat?
Macht es, als Beispiel, unsere Familienministerin zu einer besseren weil sie keine hat?
Das private eines Menschen, egal wessen, hat privat zu bleiben und geht niemanden etwas an.
Außerdem ist das was die BILD gerade betreibt reine Meinungsmache um den an die Spitze der CSU zu bekommen den sie dort haben wollen.
Denn dass er eine Affäre hat ist doch gar nicht raus. Es werden Gerüchte als Wahrheiten kundgetan.
Die Leute lesen es und wenn es nicht stimmt wird es ganz klein auf Seite 2 irgendwann einmal auftauchen. Und keiner wird es lesen.
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