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Islamisten hatten offenbar Checkpoint Charlie im Visier

Am Morgen hat die Polizei bei einer bundesweiten Razzia mehrere Islamisten festgenommen. Die mutmaßliche Terrorzelle soll einen Anschlag geplant haben - auf das Herz Berlins.

Polizisten führen in Berlin einen mit einem Tuch verdeckten Verdächtigen ab.

Polizisten führen in Berlin einen mit einem Tuch verdeckten Verdächtigen ab.

Die mutmaßlichen Mitglieder der am Donnerstag aufgeflogenen islamistischen Terrorzelle haben sich in abgehörten Telefonaten auch über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten. So berieten die Männer nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) aus Sicherheitskreisen in einem abgehörten Telefonat darüber, ob etwa der Checkpoint Charlie im Stadtzentrum ein lohnenswertes Angriffsziel sein könnte.

Die "Bild"-Zeitung, hatte zuvor berichtet, offenbar sei ein Anschlag am Alexanderplatz im Zentrum der Hauptstadt geplant gewesen. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, wollte sich dazu nicht äußern. Er bestätigte aber, dass die Islamisten einen Anschlag in Berlin geplant hatten. "Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin", sagte er der DPA.


Bei Razzien in mehreren Bundesländern hatte die Polizei am Morgen mehrere Islamisten festgenommen. Dabei operierten die Verdächtigen verdeckt und kommunizierten verschlüsselt. Der Hauptverdächtige, ein 35-jähriger Algerier, wurde im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen.

Ein zweiter, 49 Jahre alter Algerier wurde in Berlin festgesetzt. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung aus einem anderen Verfahren vor. Weiter gesucht wird laut Polizei nach einem 31-Jährigen in Berlin und einem 26-Jährigen in Hannover.

Drahtzieher von Pariser Anschlägen

Hinter den mutmaßlichen Anschlagsplanungen stecken einem Medienbericht zufolge die selben Drahtzieher wie bei den Attentaten von Paris. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete vorab, führende Mitglieder der Extremistenmiliz Islamischer Staat in Syrien hätten den Anschlag in Auftrag gegeben. 

In Berlin hat einer der Verdächtigen in einer Wohnung in der Berliner Waldemarstraße gewohnt, die Polizei führte dort eine Razzia durch. Eine Nachbarin beschreibt den Mann als groß und kräftig. "Er war immer höflich und total lieb, auch zu seinem Sohn", sagte sie dem stern. "Ich bin schockiert, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sich der Verdacht bestätigt." Der Verdächtige hat den Angaben zufolge gemeinsam mit seinem Vater in der Wohnung gelebt.

Die Ermittlungen leitet das Berliner LKA, dort ist das Fachdezernat Islamismus beim polizeilichen Staatsschutz angesiedelt. Es bestehe der Verdacht auf Vorbereitung einer Gewalttat, sagte ein Sprecher. Derzeit würde nach Informationen und Beweismitteln gesucht. Für die Berliner Polizei sind Ermittlungen in der Islamistenszene nichts Neues: Erst im November vergangenen Jahres nahm sie zwei Männer in Charlottenburg fest und führte eine Razzia in einer Moschee durch.

Hauptverdächtiger kam als Flüchtling

Inzwischen wurde bekannt, dass der 35-jährige Hauptverdächtige im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist ist. Der Mann kam nach DPA-Informationen über die sogenannte Balkanroute und wurde in Bayern als Flüchtling registriert. Nach ersten Hinweisen auf Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden.

Gegen den 35-Jährigen hatten die algerischen Behörden zuvor einen Haftbefehl erlassen. Wie Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich mitteilte, habe die Polizei dem Festnahme-Ersuchen der algerischen Seite gegen den Verdächtigen wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entsprochen. Der Anlass der Durchsuchung sei aber ein anderer gewesen: der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Deutschland. 

Kontakte nach Molenbeek

Der in Hannover weiterhin gesuchte 26-jährige Terrorverdächtige hatte nach Informationen der DPA aus Sicherheitskreisen Verbindungen zur belgischen Islamistenszene. Er sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud, gelebt. Molenbeek gilt als Islamistenhochburg.

car/DPA/AFP
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