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Ansturm auf "Zug der Erinnerung"

Der Streit wzwischen der Bahn und dem Projekt "Zug der Erinnerung" um den Stopp im Berliner Hauptbahnhof hat offenbar auch sein Gutes: Die Publicity hat den Veranstaltern am Eröffnungstag einen Besucheransturm beschert.

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Berlin den "Zug der Erinnerung" begrüßt - nach einer Kontroverse mit der Bahn um einen Halt mitten in der Hauptstadt. Dicht gedrängt standen die Besucher schon am Mittag auf Gleis 1 des Ostbahnhofs, wo der Zug mit einer Dokumentationsausstellung über Deportationen von Kindern und Jugendlichen in der NS-Zeit nun zunächst hielt. Mit Blick auf den wochenlangen Streit mit der Deutschen Bahn zeigte sich der Vorsitzende des Trägervereins, Hans-Rüdiger Minow, versöhnlich. Die Ausstellung solle nicht "überlagert werden durch Konflikte, die das Ziel in Vergessenheit geraten lassen könnten." Die Reichsbahn, einer der Vorläufer der Deutschen Bahn, war an den Deportationen während des NS-Regimes entscheidend beteiligt gewesen.

Minow betonte: "Wir haben den Konflikt nicht gesucht". Die Bahn hatte mit Verweis auf mögliche erhebliche Verspätungen und Verkehrsprobleme einen Halt im neuen Hauptbahnhof unweit des Regierungsviertels abgelehnt. Der Gedenkzug wird bis Montagabend am Ostbahnhof, dem einstigen Hauptbahnhof im Ostteil der Stadt, stehen. Danach geht es bis zum 22. April zu den anderen Berliner Bahnhöfen Lichtenberg, Schöneweide, Westhafen und Grunewald. Nach weiteren Stationen in Ostdeutschland soll er Anfang Mai im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz in Polen eintreffen.

In einem bewegenden Vortrag schilderte am Sonntag der Zeitzeuge Herbert Schenkmann seine Erlebnisse bei den Bahntransporten in die Konzentrations- und Vernichtungslager, unter anderem nach Theresienstadt und Auschwitz. "Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, viermal mit der Reichsbahn befördert worden zu sein", sagte er.

Ströbele: Weigerung der Bahn "schamlos"

Auch der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) war am Sonntag zum Ostbahnhof gekommen. "Es ist etwas völlig anderes, ob ich etwas über die Deportationen lese oder man es bildlich vor Augen geführt bekommt. Da schaudert es mich", sagte er. So müsse es damals auch gewesen sein, als die Züge Richtung Auschwitz in den Berliner Bahnhöfen bereitgestellt worden seien. Als "schamlos und völlig unverständlich" bezeichnete Ströbele die Weigerung der Deutschen Bahn AG, den "Zug der Erinnerung" im Hauptbahnhof halten zu lassen. Die Bahn blockiere anstatt zu unterstützen.

Am Samstagabend hatten rund 600 Menschen auf einer Veranstaltung des Trägervereins am Brandenburger Tor der Opfer von Deportationen gedacht. Die Kundgebung richtete sich auch gegen die Bahn und deren Umgang mit ihrer Geschichte. Anschließend wurden vor der Bahn- Zentrale am Potsdamer Platz 4646 Kerzen zur Erinnerung an die Zahl der deportierten Berliner Jugendlichen angezündet. Dabei kam es zu einem Zwischenfall: Ein 17-Jähriger hatte nach Polizeiangaben Teilnehmer mit antisemitischen Äußerungen beschimpft. Er wurde festgenommen.

Zug rollt noch bis zum 8. Mai

Bisher haben nach Angaben des Trägervereins rund 160.000 Menschen an europaweit 50 Stationen die rollende Ausstellung besucht. Der Zug fährt seit November durch Deutschland. Nach dem Aufenthalt in Berlin soll er noch in Brandenburg an der Havel, Potsdam, Cottbus, Dresden, Bautzen und Görlitz Station machen, bevor er die Grenze nach Polen überquert. Die letzte Etappe endet am 8. Mai in der Gedenkstätte von Auschwitz.

DPA/DPA
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