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16. Dezember 2008, 15:17 Uhr
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Arme sollen Ratten jagen

Kein Scherz, sondern eine ernst gemeinte Idee: Aus der FDP kommt ein Vorschlag, wonach sich arme Menschen dadurch Geld dazu verdienen sollen, dass sie in der Hauptstadt auf Rattenjagd gehen. Für jedes tote Tier soll es einen Euro geben. Der Vorschlag erntete sofort harsche Kritik - auch aus der FDP.

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In Berlin sollen Arme auf Rattenjagd gehen, so ein FDP-Politiker© Bayer CropScience/ddp

Der Fraktionsvize der Berliner FDP hat mit der Forderung für Empörung gesorgt, arme Menschen sollten sich mit dem Töten von Ratten etwas dazu verdienen. "Vor allem Leute, die sonst auch Flaschen sammeln, könnten dann für jede tote Ratte einen Euro bekommen", sagte der FDP-Chef des Berliner Bezirks Mitte und stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Henner Schmidt, dem "Berliner Kurier". Einen entsprechenden Antrag will die FDP demnach am Donnerstag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Mitte einbringen.

Das Erwerbslosen Forum Deutschland forderte FDP-Chef Guido Westerwelle auf, Schmidt zur Räson zu bringen. "Es ist nur noch menschenverachtend und zynisch, wenn dieser arme Menschen zur Jagd auf Ratten schicken will, damit Berlin seine Rattenprobleme gelöst bekommt", erklärte die Organisation.

"Sollte die FDP tatsächlich ihren absurden und menschenverachtenden Vorschlag am Donnerstag in die BVV einbringen, können wir eigentlich nur noch Berliner Hartz-IV-Bezieher dazu auffordern, dass sie anstatt Jagd auf Ratten zu machen, besser Jagd auf Berliner FDP-Politiker machen", erklärte der Sprecher des Forums, Martin Behrsing.

Der Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner pfiff seinen Stellvertreter am Dienstag postwendend zurück. "Ich halte den Vorschlag des Vorsitzenden der FDP Mitte, Henner Schmidt, zur Bekämpfung der Rattenplage für äußerst unglücklich und ungeeignet. Hinzu kommt, dass von Teilen der Medien der falsche Eindruck erweckt wurde, dem Kollegen Schmidt sei es um den gezielten Einsatz von Armen zur Bekämpfung der Rattenplage gegangen. Ich bin aber froh, dass er den entstandenen falschen Eindruck sehr schnell korrigiert hat."

Korrektur: Liebe Leser, wir haben diesen Artikel ursprünglich mit der Zeile "Hartz-IV-Empfänger sollen Ratten jagen" überschrieben. Dabei ist uns ein Fehler unterlaufen: Der Vorschlag des FDP-Politikers Henner Schmidt bezieht sich laut Zitat "vor allem [auf] Leute, die sonst auch Flaschen sammeln." Diese Gruppe kann nicht gleichgesetzt werden mit der Gruppe der Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Wir haben diesen Fehler nachträglich korrigiert und bitten um Entschuldigung dafür. Ihre stern.de-Redaktion

AFP
KOMMENTARE (10 von 76)
 
gormiti (18.12.2008, 18:15 Uhr)
gabs schon mal
Im Wilden Westen gabs das schon mal. Es endete damit, daß die Leute anfingen Ratten zu züchten und so ordentlich Geld verdienten. Das würde ich den hartzIV Leuten gerne erlauben. Wer so behandelt wird vom Staat, der soll sich auch erlauben dürfen solche Neunmalklugs hinters Licht zu führen.
Jeder der hier dafür ist, würde ich gerne sehen wie es ihm ganz schnell so geht, wie manchem Akademiker der plötlich die Wahl hat zwischen Rattenjäger und Hundekoteinsammler.
Michel-Svennson (18.12.2008, 10:45 Uhr)
Bin für den Antrag der FDP
Merkwürdig, daß Haßtiraden auf Politiker hier veröffentlich werden dürfen und scheinbar nur solche Artikel, die den "Volkszorn" auf die Politik thematisieren. Artikel der steuerzahlenden Bevölkerung, die Schritte gegen den massenhaften Missbrauch von Sozialleistungen wünscht, sind wohl nicht opportun und passen nicht in das Weltbild der Seitenbetreiber. Es ist halt unbequem und schmerzhaft, wenn jemand an der sozialen Hängematte rüttelt. Zumindest für die die drin liegen. Man sollte aber auch an die denken, die die Hängematte an beiden Seiten halten. Solidarität hat immer zwei Seiten, eingefordert wird sie aber nur von den fleißig Zahlenden. Pflichten für Leistungsempfänger zu definieren ist scheinbar menschenverachtend. Da braucht man sich nicht zu wundern über diejenigen, die diesem Land den Rücken kehren. Und das sind diejenigen die bisher die Matte mit gehalten haben.
kralli19 (17.12.2008, 21:01 Uhr)
2beinige Ratten
Ich wüsste, welche Ratten ich jagen würde: Besonders die 2beinigen, in berlin ist man da ja dann auch noch zufällig direkt an der Quelle. Würde wahrscheinlich im Bundestag anfangen zu jagen und mich dann zu den Parteibüros durcharbeiten....das würde ich dann sogar ohne 1.-€ machen.
riothamus (17.12.2008, 16:15 Uhr)
@h harlekin
Danke,Sie sind einer der wenigen Kommentatoren die dieses Menschenverachtende Wort Hartz 4 nicht benutzt hat. Daran sollten sich alle, vor allem Politiker ein Beispiel nehmen.
Michel-Svennson (17.12.2008, 15:51 Uhr)
Zensur
Habe einen Kommentar verfasst zu "Sedanon", welcher nicht erscheint. Augenscheinlich werden hier nur redaktionsgenehme Schreiben veröffentlicht. Auch eine Form der Pressefreiheit !
hharlekin (17.12.2008, 15:48 Uhr)
Toller Vorschlag - keine Ausnahme (leider)
Vor ca. 12 Jahren schlug ein damaliger Hamburger FDP-Vorständler vor, die Bettel-Einnahmen der Obdachlosen der Einkommensteuer zu unterwerfen, und die Polizei solle per Streife den Steuerbescheid zustellen (selbst die eigene Partei hat gelacht). Etwa zur gleichen Zeit
forderte der damalige HH-BM Voscherau, die Obdachlosen per Bus einzusammeln, und am Stadtrand wieder rauszulassen ("Gesindelfreie Zonen")- darüber lachte innerhalb der SPD niemand.
In Hessen forderte vor einiger Zeit der CDU-Justizminister, ALG2-Empfängern elektronische Fußfesseln anzulegen, um immer kontrollieren zu können, wo sie sich aufhalten. Von CSU-Glos und Söder kamen Vorschläge wie: Grundsätzliche Vollzeitarbeits-PFLICHT bei gleichzeitiger Streichung der Mehrbedarfssätze für ALG2ler, oder auch die tägliche zwangsweise Einbestellung von ALG2lern aufs Amt - Begründung: Wer sich melden muß, kann nicht schwarz arbeiten.
Jetzt die Ratten-Nummer aus Berlin.
Oder sollte ich sagen: Ratten-"Linie"? Wobei: Das Zeug für die "Linie", die sich dieser FDPler möglw. reingezogen hat, kann er sich nicht legal erworben haben.
Meine Aufzählung ist unvollständig,
dieser kranke, asoziale Wahnsinn
ist parteiübergreifend. Seit vielen Jahren. Was die FDP nicht besser macht.
sedanon (17.12.2008, 13:56 Uhr)
Man muß ja schon froh sein,
dass über derartige Ungeheuerlichkeiten noch berichtet wird.
Der schwarz-gelbe Hofberichterstatter "Focus" verkneift sich eine Berichterstattung zu Henner Schmidts "Vorschlag" gänzlich.
sedanon (17.12.2008, 13:36 Uhr)
@Michel-Svennson
Wieder ein Maulheld, der vermutlich unterbeschäftigt in einer Amtsstube hockt.
Michel-Svennson (17.12.2008, 11:07 Uhr)
Warum denn nicht
Mein Großvater hat Ratten gejagt und von der Gemeinde dafür einen Obulus bekommen, bei 6 Kindern. Warum soll das heute schlecht sein ? Es hat ihm nicht geschadet und es würde mir nicht schaden, genausowenig wie es einer(m) der hier schreibenden EmpörungsweltmeisterInnen schaden würde. Aber Kuschelsozialpolitik ist leider ein Erbe der 68er und so schnell nicht rückgängig zu machen. Die Weltwirtschaft wird es uns aber bald lehren was wir uns noch leisten können an sozialen falsch verstandenen Streicheleinheiten. Und dann werden manche froh sein über gesammelte Flaschen, aufgelesene Äpfel, abgegebene Ratten und auch Tauben (Luftratten). Die Verhätschelungen haben dann ein Ende. Ich habe keine Angst davor.
Blacky007 (16.12.2008, 21:50 Uhr)
Dass Typen wie dieser H.Schmidt
auf Kosten meiner Steuern Diäten und eine saftige Pension erhalten, bringt mich mehr und mehr in Rage. Vollspasten wie diesen Schmidt sollte man öffentlich steinigen oder zur allgemeinen Belustigung in einen Glaskäfig voller hungriger Ratten sperren.
Dachte bis jetzt, dass ich mein Kreuz 09 bei der einzig noch wählbaren Partei machen werde. Angesichts solcher menschenverachtender Subjekte wird der Stimmzettel diesmal garantiert mit mehreren Kreuzen versehen - nur von der Wahl fernbleiben werde ich trotz aller Politverdrossenheit nicht. Ich gönne keiner Partei den Gelbetrag, den sie für jede ordentlich abgegebene Stimme, wie auch für jeden Nichtwähler, erhalten.
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