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Warum Merkels Union lieber Jamaika will - und nicht nochmal eine Große Koalition

In der Union sprechen sich die ersten offensiv für ein Dreierbündnis aus Union, FDP und Grünen nach der Bundestagswahl aus. Eine Jamaika-Koalition wäre allemal besser als die Wiederauflage der Großen Koalition.

Die Kanzlerin will keinen Koalitionswahlkampf führen. Da ist sie eisern. Muss sie ja auch nicht. Dafür werben schon andere.

Die beiden, nun ja, CDU-Nachwuchspolitiker Daniel Günther und Jens Spahn sind Anfang dieser Woche auffällig geworden mit einem Doppelschlag in der "Rheinischen Post". Sie  werben dort für eine sogenannte "Jamaika-Koalition", ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen. Günther, 44, ist seit ein paar Wochen Ministerpräsident in Kiel. Ein Mann von eher unscheinbarem Äußeren, den Merkel aber ganz besonders im Auge hat, weil er eine eben solche schwarz-gelb-grüne Koalition anführt.

Merkels Auftragskiller sind die beiden nicht

Spahn, 38, sitzt im Präsidium. Den hat Merkel auch im Auge. Allerdings aus anderen Gründen. Spahn will mal ihr Nachfolger werden (der aktuelle stern widmet dem ambitionierten Nachwuchs-Konservativen vier Seiten) und lässt keine Gelegenheit aus, sich als konservativer Rebell zu positionieren. Auf der Merkelschen Beliebtheitsskala von 1 - 10 steht Günther etwa bei 8, Spahn bei 2.

Die beiden sind also nicht als Auftragskiller einer künftigen großen Koalition unterwegs. Das nicht, so viel Hintertür muss sein. Doch sie beleben mit ihrem Vorstoß  zumindest den zäh angelaufenen Wahlkampf um die Sinnfrage, nämlich: Was soll das alles?

Es hat ja durchaus Sinn über eine Dreierkoalition rechtzeitig in einer anderen Weise nachzudenken, als handele es sich dabei um einen Auffahrunfall. Merkels Union ist der SPD als Partner überdrüssig, vier weitere Jahre quälerischer Regierungskoexistenz strebt lustvoll niemand an.  Merkels Union ist aber auch skeptisch gegenüber der runderneuerten Lindner-. Dazu ist die Erinnerung an die schwarz-gelben Trümmerjahre von 2009 bis 2013 noch zu frisch.   Und, nicht zuletzt, fremdelt Merkels Union in starken Teilen immer noch mit den Grünen. Nicht mit allen. Aber mit denen, die mit der Union fremdeln.

Günther glaubt, dass in Deutschland "die Zeiten der Blockbildungen vorbei sind." glaubt, dass "eine große Koalition nicht gut für das Klima im Land wäre." Damit liegen sie beide nicht falsch. Als hinreichender Begründungszwang für ein Dreierbündnis reicht das aber nicht aus. Da darf es schon ein bisschen mehr sein. Auch  - und gerade - bei Angela Merkel.

Die Kanzlerin, die im vergangenen Herbst lange in sich gegangen ist, ob sie sich eine weitere Amtszeit überhaupt noch einmal antun will, hat am Montag noch einmal erzählt, dass die entscheidende Frage gewesen sei, ob sie noch "neugierig" genug sei. Die innere Merkel hat das für sich selbst mit Ja beantwortet. Die äußere Merkel könnte, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet, dies nach der Wahl auch schnell tun. Auf was anderes soll man denn neugierig sein, als ein auf Bundesebene noch nie dagewesenes Dreierbündnis? In Kingston, der Hauptstadt von Jamaika, ist es übrigens mehr als 33 Grad. Ganz cool eigentlich, das Klima dort. 

 

 

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