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18. Juni 2008, 09:02 Uhr

Treffen zwischen SPD und Linken

Allen offiziellen Beteuerungen zum Trotz hat es ein erstes Treffen zwischen jungen Vertretern der SPD und der Linkspartei gegeben. Bei dem Meinungsaustausch ging es darum, "Gegensätze wie Gemeinsamkeiten" zu diskutieren. Aus der SPD selbst kam Kritik an dem Treffen

Mitglieder von SPD und Linken haben sich in Berlin getroffen© Axel Schmidt/DDP

Trotz des Abgrenzungsbeschlusses ihrer Partei haben sich junge SPD-Bundespolitiker zu einem Meinungsaustausch mit der Linkspartei getroffen. Einige Bundestagsabgeordnete der SPD-Linken, die sich selbst als "Denkfabrik" der Fraktion bezeichnen, kamen am Montag zu einem Gespräch mit Vertretern der Linkspartei zusammen, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Die "Denkfabrik" widersprach einem Zeitungsbericht, es habe sich um ein Geheimtreffen gehandelt. Tatsächlich hatte die Gruppe um den früheren Juso-Chef Niels Annen im Mai angekündigt, dass sie das Gespräch mit der Linkspartei suchen werde, um "Gegensätze wie Gemeinsamkeiten" zu diskutieren. Zur "Denkfabrik" gehört auch Vizeparteichefin Andrea Nahles, die an dem Treffen allerdings nicht teilnahm.

Abgrenzungsbeschluss der SPD

Brisanz erhält das Treffen durch die Debatte in der SPD über den Kurs gegenüber der Linkspartei. SPD-Chef Kurt Beck hatte mit seinem Schwenk nach der Hessen-Wahl, dem Landesverband trotz vorheriger Absagen nun doch eine Kooperation mit der Linkspartei freizustellen, scharfen Widerspruch ausgelöst. Der Parteivorstand fasste daraufhin Ende Februar einen Abgrenzungsbeschluss zur Linkspartei, in dem auf "unüberbrückbare Gegensätze" zwischen beiden Parteien im Bund hingewiesen wird. Eine Zusammenarbeit im Bund nach der Bundestagswahl 2009 hat Beck stets ausgeschlossen.

Neue Nahrung bekam die Debatte mit dem Beschluss der SPD, Gesine Schwan als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl im Mai 2009 aufzustellen. Ohne Stimmen der Linkspartei dürfte sie kaum Chancen haben, da sich Union und FDP auf eine Wiederwahl von Horst Köhler festgelegt haben. Aus der Union zog die SPD daher den Vorwurf auf sich, ihr Abgrenzungsbeschluss von der Linkspartei sei unglaubwürdig.

Klarstellung von Nahles verlangt

Das Treffen befeuerte auch den innerparteilichen Streit über den Umgang mit der Linken. Die reformorientierten "Netzwerker" in der SPD kritisierten das Treffen und forderten von Nahles eine Klarstellung, ob sie die von ihrer Mitarbeiterin organisierte Begegnung gutheiße. Es müsse klar sein, ob sie sich davon distanziere oder sich dazu bekenne, sagte "Netzwerk"-Chef Christian Lange. Co-Chefin Nina Hauer sagte: "Wer das macht, muss entweder naiv sein oder etwas im Schilde führen."

An dem Treffen nahmen für die SPD unter anderem Annen, Frank Schwabe, Christine Lamprecht und die Geschäftsführerin des Arbeitskreises "Denkfabrik", Angela Marquardt, teil. Marquardt saß bis 2002 für die damalige PDS-Fraktion, der Vorgängerin der Linksfraktion, im Bundestag. Sie arbeitet seit längerer Zeit für Nahles und war in diesem Jahr in die SPD eingetreten.

Die SPD war bemüht, die Bedeutung des Treffens herunterzuspielen. Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sprach von einem Treffen mit "privatem Charakter".

Die Linkspartei war bei dem Treffen unter anderem vertreten durch Stefan Liebich, Jan Korte, Barbara Höll und Vizeparteichefin Halina Wawzyniak. Die Idee, unter jungen Abgeordneten über verschiedene Themen jenseits der Tagespolitik zu sprechen, sei nicht neu, sagte Wawzyniak Reuters. Es handele sich um eine "völlige Normalität". Beispielsweise sei erörtert worden, was an unterschiedlichen Konzepten zur nachhaltigen Entwicklung, zur sozialen Sicherung und zur Energiepolitik auf dem Markt sei. Um Koalitionserwägungen oder die Bundespräsidentenwahl sei es nicht gegangen.

Sowohl "Denkfabrik" als auch Linkspartei wiesen einen Zeitungsbericht zurück, dass an einem der nächsten Treffen auch Linkspartei-Geschäftsführer Dietmar Bartsch teilnehmen werde.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
ganzbaf (19.06.2008, 14:37 Uhr)
Seeheim...

wird kurz- bis mittelfristig als großer Irrtum in die Geschichte der SPD eigehen!
Und Lafontain als derjenige, der die "Sozialistische Arbeiter Partei", SAP (später SPD) wieder zum Demokratischen Sozialismus, und auf die richtige Seite der Mitte gebracht hat!
MamfredBuchholz (19.06.2008, 13:26 Uhr)
warten wir mal ab
wie das in Hamburg läuft. In Frankfurt und anderen Kommunen klappt schwarz-grün schon hervorragend. Und die Wähler schauen schon hin, welchen Bundesländern es am besten geht. Sind keine rot regierten dabei ;-)
ganzbaf (19.06.2008, 12:16 Uhr)
Ach was, Manni...

Ich habe ja auch nicht behauptet, dass die Linkspartei 100% ihres Wahlprogramms wird umsetzten können...
Auch so eine "Feinheit" ;-Pp
.
Für Jamaika werden (1.) die Stimmen gar nicht langen!
2. Sieht man ja in Hessen, wie "gut" Grün und SPD mit Konservennaiv können... ;-)
Is2a3bella (19.06.2008, 07:39 Uhr)
HINWEIS
Offensichtlich ist kein Verlaß auf das gesprochene Wort der derzeitigen "Politik-Elite" bzw. EU, kein Verlaß auf das geschriebene Wort der derzeitigen "Politik-Elite" bzw. EU.
Wie soll also Verlaß auf die Gedanken oder Ideen der derzeitigen "Politik-Elite" bzw. EU sein?
MamfredBuchholz (19.06.2008, 01:15 Uhr)
@ganzbaf
auch wenn ich Sie mit solchen Feinheiten wahrscheinlich überfordere: Zwischen der SPD und Ihren geliebten Linken gibt es gewaltige programmatische Unterschiede. Allein schon, was das wirre außenpolitische Gedankengut der Linken betrifft. Auch wenn ich persönlich der FDP angehöre, ist mir die SPD nicht unsympathisch. Kurt Beck hat z.B. lange mit uns sehr erfolgreich regiert. Und die Zukunft heißt Ampel oder Jamaika. Zu beiden ist die FDP inzwischen bereit (sofern die Partnerin nicht gerade Ypsilanti heißt). Also wird sich die Linke in Bälde von selbst erledigt haben.
ganzbaf (19.06.2008, 00:30 Uhr)
Die SPD...

KANN nur mit Links koalieren, wenn sie aus der großen Kopulation rauskommen will. Oder halt Oppositionsbank drücken... ;-P
Das wird den Genossen sicher noch allen klar werden, wenn es denn nicht schon längst so ist.
.
Immerhin kann die SPD 100% ihres Wahlprogramms mit der Linkspartei umsetzen.
Wer biete mehr?... ;-ß
manesse (18.06.2008, 23:05 Uhr)
@mamfredbuchholz
Und wieder meine Zustimmung. Das Problem ist, dass leider auch Willy Brandt einmal einen dummen Satz sagte, und das war in den 80-er-Jahren. Damals meinte er: "Es gibt eine Mehrheit links der Mitte." Diesen Glaubenssatz tragen seitdem die Linken wie eine Monstranz mit sich herum. Freilich haben Brandt selbst(seinerzeit als Kanzler), Schmidt und Schröder ihre Politik nach einer anderen Wahrheit ausgerichtet, und die lautet: "Es gibt nur eine linke Mehrheit mit der Mitte." Immer wenn die SPD diese Tatsache vergisst, bekommt sie Schwierigkeiten, oder sie landet sogar in der Opposition.
MamfredBuchholz (18.06.2008, 22:46 Uhr)
es gibt keine linke Mehrheit
die SPD verlöre bei einer offenen Zusammenarbeit mit der SED einen großen Teil ihrer Wähler. Und die Grünen sind längst eine bürgerliche und sehr vernünftige (größtenteils zumindest) Partei geworden. Nach der nächsten Wahl gibt es Jamaika. Aber träumt mal schön weiter, Ihr lieben Linken.
fuchs0202 (18.06.2008, 22:44 Uhr)
linke kommen zusammen
nun, warum sollen sie keinen kontakt aufnehmen. nachdem schröder nun seinen lohn bei gazprom und clement den seinigen bei dussmann geniest, können die jungen, die von den beiden vorsätzlich zerschlagene spd, wieder aufbauen. auch wen es hier einige nicht wahrhaben wollen, es gibt eine linke/soziale mehrheit im lande.
manesse (18.06.2008, 21:09 Uhr)
@mamfredbuchholz
Was den Radikalenerlass anbelangt, so sehe ich das genauso wie sie, das war damals ok und wäre es auch heute noch. Den rechten und den linken Feinden der Demokratie wird heutzutage ein zu großer Freiraum gegeben. Und die Anbiederung der SPD an diese Linkspartei macht die Sozis bis auf weiteres unwählbar.
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