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Banges Warten auf neues Merkel-Buch

Das wird der Kanzlerin nicht gefallen: Die Bestseller-Autorin Cora Stephan beschreibt Merkel in einem neuen Buch als politischen "Irrtum". Bundespräsident Wulff hat es besser. Er freute sich über einen neuen Film - der auf dem Buch eines Sozialdemokraten beruht.

Von Hans-Peter Schütz

Bundespräsident Christian Wulff war nicht zufällig auf der Berliner Premiere des TV-Zweiteilers Schicksalsjahre mit Maria Furtwängler (Teil 1: Sonntag 13. Februar, 20.15 Uhr, ZDF). Die Hauptdarstellerin und der Präsident, die Küsschen tauschten, kennen sich seit vielen Jahren und sind freundschaftlich verbunden. "Sie ist eine großartige Schauspielerin", schwärmt Wulff. Kennengelernt haben sich beide in Hannover, denn Maria Furtwängler spielt auch "Charlotte Lindholm", die niedersächsische Tatort-Kommissarin. Wulff ist ohnehin seit langem ein Film-Fan. So hat er noch als niedersächsischer Ministerpräsident an den Premieren von "John Raabe" und "Das Wunder von Lengede" teilgenommen. Bei der bevorstehenden Berlinale hat Wulff für zwei Premieren fest zugesagt.

Und was sagt der Präsident zu "Schicksalsjahre", dem jüngsten Film mit Furtwängler? Wulff zu stern.de: "Der Film 'Schicksalsjahre' hat mich emotional tief berührt. Ich wünsche mir, dass er zu vielen Diskussionen in Familien und zwischen den Generationen anregt - über das Entstehen des Nationalsozialismus, die Massenmorde und den Zweiten Weltkrieg, über die Zeit des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit. Und ich hoffe, dass gerade junge Menschen durch diesen Film die Geschichte unseres Landes - erzählt am Beispiel einzelner Leben - besser begreifen. Denn auch die heutige Generation muss - unabhängig von persönlicher Schuld - ihre Verantwortung für die Erhaltung von Freiheit und Demokratie erkennen. Darum ist 'Schicksalsjahre' ein für unser Land wichtiger Film." Also ein Film mit präsidialem Gütesiegel.

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Der Film hat im Übrigen noch einen zweiten speziellen Bezug zum politischen Berlin. Das dem Drehbuch von Thomas Kirchner zugrunde liegende Buch - "Vom Glück nur ein Schatten" - schrieb Uwe-Karsten Heye, ehemals Regierungssprecher von Gerhard Schröder. Heye ist eine Schlüsselperson des Furtwängler-Films. Die Schauspielerin spielt Heyes Mutter Ursula, die am Kriegsende mit ihren beiden Kindern Bärbel und Uwe aus Danzig über Rostock flüchten musste und glaubte, ihr Mann Wolfgang, polnischer Abstammung und daher ein konsequenter Gegner Hitlers, sei in einem Straflager zu Tode gekommen. Die kleine Bärbel hatte im Radio eine Suchmeldung von Papa gehört. Doch beim Roten Kreuz erfuhr die Familie nur, dass der Vater im Strafbataillon beim Minenlegen gefallen sei. Aber Ursula gab nie die Hoffnung auf ein Wiedersehen auf. Und dann begegnete sie ihm Ende der fünfziger Jahre tatsächlich wieder. Auch Uwe Heye war tief gerührt, als er den Film im Familienkreis erstmals sah. Beim ersten Sehen, gestand er, habe ihn der Film "sieben Taschentücher gekostet."

Maria Furtwängler muss in dem Film Klavier spielen, ein Instrument, das der Schauspielerin seit Kindertagen und Klavierunterricht verleidet ist, aber im Leben von Ursula Heye eine besondere Rolle spielte. Sie hatte sich in Berlin 1938 bei einem Klavierrauftritt des Varieté-Sängers Wolfgang Heye in den Künstler verliebt und ihn gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet. Furtwängler ließ sich zur Vorbereitung auf "Schicksalsjahre" an einen der Drehorte ihrer "Tatort"-Filme ein Klavier bringen und spielte. "Abends nach Drehschluss habe ich Klavier geübt - es gibt nichts Entspannenderes."

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Mit gewisser Nervosität blickt man im Kanzleramt auf einen Pressetermin am kommenden Donnerstag in Berlin. Präsentiert wird das Buch von Cora Stephan: "Angela Merkel. Ein Irrtum" (Knaus Verlag). In der Regierungszentrale hofft man, dass sich das Buch nicht zum Bestseller entwickelt, was Cora Stephan, promovierter Politikwissenschaftlerin und Publizistin, mit ihren Werken bereits mehrfach gelungen ist. Unter anderem mit den politischen Sachbüchern "Der Betroffenheitskult" (Lieblingslektüre von Bundesinnenminister Thomas de Maizière) und "Handwerk des Krieges". Große Erfolge waren auch ihre Krimis, etwa "Sauberer Abgang" oder "Schrei nach Stille", die sie unter dem Pseudonym Anne Chaplet geschrieben hat. Zweimal schon ist sie dafür mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet worden. Die Nervosität im Kanzleramt ist verständlich, denn Cora Stephan hat schon immer die deutsche politische Szene mit kritisch-bissigem Blick betrachtet. Vor allem Angela Merkel, die sie 2005 gewählt hat und zwar in der Überzeugung, Merkel sei "die Frau mit dem neuen Anfang. Mit dem Aufbruch". Nach Schröder, Fischer und Lafontaine, nach "Basta" und Testosteron, hätten sich viele nach einer neuen Politik gesehnt, einem sachbezogenen Regierungsstil ohne Cohiba und schwere Rotweine. Merkel habe die Hoffnung darauf geweckt. Doch alles sei beim Alten geblieben. Keine Reformen, nur Stillstand, nur Wahlgeschenke zur Machtsicherung. "An der Spitze steht eine ihre Macht bloß noch verwaltende Einzelkämpferin", heißt es im Pressetext zu ihrem Buch. In einem Essay für den Deutschlandradio wird Stephan noch deutlicher: Statt "Basta" müsse man jetzt das Unwort des Jahres ertragen, das Wörtchen "alternativlos." Das Wörtchen beschreibe den Wunschzustand eines Politikers, der sein anstrengendes Handwerk ruhen lassen will. Wer mit mit der Vokabel "alternativlos" regiere, habe das Regieren längst preisgegeben.

Ein Loblied darf die Kanzlerin also nicht erwarten. Eher ein brillant geschriebenes Handbuch für den politischen Gegner.

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Argen Spott muss die Linkspartei im Bundestag ertragen, weil sie unlängst eine Aktuelle Stunde beantragt hatte, um die böse Schlagloch-Lage auf den deutschen Straßen zu diskutieren. Thomas Opermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion lästerte, den Linken gehe es unter Führung ihrer Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch um möglichst schlaglochfreie Wege zum Kommunismus. Und der zweite Parteivorsitzende Klaus Ernst sei auch dafür - damit er in seinem 20 Jahre alten Porsche nicht mehr so durchgeschüttelt wird.

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