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Berliner Politik mit "Wiener Blut"

Politik wurde dieses Wochenende in Berlin im Dreivierteltakt getanzt. Die Beobachtung personeller Beziehungen auf dem Bundespresseball kann sich dabei schon lohnen.

Von Hans Peter Schütz

  Bundespräsident Joachim Gauck und seine Partnerin Daniela Schadt drehen ihre Runden auf dem Bundespresseball

Bundespräsident Joachim Gauck und seine Partnerin Daniela Schadt drehen ihre Runden auf dem Bundespresseball

Politik fand dieses Wochenende in Berlin beim Tanz statt. Gemacht wurde sie auf dem Bundespresseball, der mit dem Walzer „Wiener Blut“ eröffnet wurde. Getanzt haben ihn Bundespräsident Joachim Gauck und Sonja Mayntz, die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz. Anschließend drehte Gauck seine Lebensgefährtin Daniele Schadt im Dreivierteltakt.

Manche der 2500 Gäste erinnerten sich dabei noch an die Tanzerei im vergangenen Jahr. Sie wurde von Bettina und Christian Wulff eröffnet, eleganter als viele Jahre zuvor. Und der damalige Bundespräsident Christian Wulff blickte weit voraus in eine Zukunft, die wenig später nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Er schwärmte, erst kurz im Amt, schon von dem Gedanken, eine zweite Amtszeit könne er sich gut vorstellen. Wenige Wochen danach war es dann plötzlich aus.

An eine zweite Amtszeit denkt Gauck nicht, wie aus dem Präsidialamt zu hören ist. Wollen würde er schon, aber er ist immerhin Jahrgang 1940. Und vor allem: Geflüstert wird in der SPD bereits davon, jetzt müsse endlich mal eine Frau ins höchste Staatsamt. In Frage kommt im Jahr 2017 für die Genossen dabei nur eine: Hannelore Kraft, derzeit noch Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen.

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Wie seit vielen Jahren fehlte auch dieses Jahr der bekennende Ballmuffel Angela Merkel, die den Ball nicht für einen politischen, schon gar nicht für einen kulturellen Höhepunkt hält. Bayreuth und Wagner findet sie besser als Walzer und Schampus.

Aber die Beobachtung personeller Beziehungen auf dem Bundespresseball kann sich schon lohnen. Hätten sich die Sozialdemokraten, deren Führungs-Troika dieses Jahr durch Abwesenheit glänzte, auf dem Ball im Jahr 2009 darum bemüht, wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass dort der von Kanzlerkandidat Steinbrück jetzt für wenige Tage als Online-Manager engagierte und dann schnell wieder gefeuerte Roman Maria Koidl noch mit der Grünen-Chefin Claudia Roth liebevoll getanzt und sich glänzend amüsiert hat.

Und die Genossen hätten auch lernen können, dass sich Koidl gerne in nächster Nähe zu FDP-Chef Philipp Rösler aufhielt. Überhaupt suchte Koidl, wie jetzt bekannt wurde, stets ganz enge Tuchfühlung mit den Liberalen, ganz besonders zu Guido Westerwelle. Er soll sogar kurzfristig Mitglied der FDP gewesen sein. Nie habe er etwas mit der SPD am Hut gehabt berichten gute Kenner dieses Mannes. Wie er zu Steinbrück kam oder wie Steinbrück auf ihn kam, darüber wird immer noch gerätselt in der SPD.

Wie man flüstert soll die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, die an der Universität im schweizerischen St. Gallen arbeitet, eine wichtige Rolle gespielt haben. Sie sei mit Koidl eng befreundet, heißt es. Meckel war früher schon mal Staatssekretärin in der NRW-Regierung unter Führung von Wolfgang Clement, dem später Steinbrück gefolgt ist.

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Claudia Roth war dieses Mal wieder dabei, obwohl sie einen "Schatten" über dem Ball erkannte – das Zeitungssterben. Die grüne Parteivorsitzende selbst gab sich freilich ungetrübter Laune hin. "Ja ich habe was zu feiern, meine gute Wiederwahl."

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