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Brüderle und die Peerchenfrage

Die Nominierung des SPD-Kandidaten Steinbrück hat Hormonschübe bei den Liberalen ausgelöst. Denn mit ihm könnten sich viele eine Ampel-Koalition vorstellen. Doch Fraktionschef Brüderle schweigt.

Von Hans Peter Schütz

  Ampel? Ja? Nein? Och. Fraktionschef Rainer Brüderle (FDP)

Ampel? Ja? Nein? Och. Fraktionschef Rainer Brüderle (FDP)

Ein peinlicher Auftritt steht der Bundesregierung am 22.Oktober bei einer geplanten Anhörung zum Thema "Geldwäsche in der Bundesrepublik" bevor. Der sizilianische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, Italiens erfolgreichster Mafia-Jäger, wird als Sachverständiger in einer Anhörung vor dem Bundestags-Finanzausschuss erwartet, der über eine Verschärfung des Geldwäsche-Gesetzes diskutiert. Er wird auf Wunsch der Grünen dort auftreten. Das kann nur blamabel für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble enden, der in der Bundesrepublik für den Kampf gegen die Geldwäsche durch Kriminelle zuständig ist. Denn Scarpinato hat unlängst in einem Interview auf die Frage gesagt, wie und wo die Mafia ihr Geld wäscht: "Wenn ich Mafioso wäre, würde ich in Deutschland investieren." Eingeladen hat den Mafia-Experten der grüne Abgeordnete Gerhard Schick. Zu stern.de sagte er: "Wir wollen mit der Benennung des italienischen Experten dazu beitragen, dass in Deutschland die Lücken in der Geldwäsche-Prävention endlich geschlossen werden." Denn leider gehe die Bundesregierung gegen die kriminellen Geldwäscher immer noch nur in "Trippelschritten vor". *

Besuch im Büro des FDP-Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle. Ein Zeitungsstapel türmt sich zu seiner Linken. Und obenauf ein Artikel aus dem "Handelsblatt" mit der Überschrift: "Schach der Königin". Geschrieben hat ihn sein Kieler FDP-Freund Wolfgang Kubicki. Der schmachtet den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück darin förmlich an. Einen "Ausnahmepolitiker" nennt er Steinbrück, "intelligent, messerscharf analysierend". Und der Schlüsselsatz Kubickis, der Steinbrück seit mehr als 40 Jahren und aus Studententagen in Kiel kennt, lautet: "Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat eröffnet nicht nur thematisch, sondern auch perspektivisch neue Optionsräume nicht nur für die FDP, sondern auch für die Menschen in unserem Land." Wie das gemeint ist, will Brüderle im Gespräch mit stern.de nicht interpretieren. Das tun jedoch andere FDP-Abgeordnete unter Zusicherung, dass ihr Namen nicht genannt wird: "Steinbrück ist interessant, da er die FDP aus dem Netz mit der CDU herausführen kann." Womit klar ist, wie viele Liberale sich in der schwarz-gelben Koalition fühlen: als Gefangene. *

Im nächsten Bundestag wird der Mann mit der schärfsten konservativen Zunge fehlen. Norbert Geis, genannt der "CSU-Scharfrichter", ist von der eigenen Partei nicht mehr nominiert worden. Er unterlag in Aschaffenburg der CSU-Dame Andrea Lindholz mit 87 zu 71 Stimmen. Sie ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Ehescheidung. Das passt zum Kampf gegen Geis. Der hatte öffentlich moniert, dass Bundespräsident Gauck sich nicht mit dem Ehering an seine langjährige Lebenspartnerin, die Journalistin Daniela Schadt, gebunden hat.* *

Es ist eine immer wieder begehrte Einladung, wenn die baden-württembergische Landesvertretung in Berlin bittet: "Machen Sie doch ihre Mittagspause in Baden-Württemberg." Kommende Woche ist es wieder einmal so weit. Bundesratsminister Hans-Peter Friedrich bittet zu hausgemachten Schupfnudeln, nicht zu Spätzle, woran der "Badener" in ihm zu erkennen ist, und zu einem Dessert mit Bodenseeäpfeln, was für ihn als Konstanzer spricht. Als geistige Nahrung wird ein Vortrag von Hartmut Jenner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Firma Kärcher (Reinigungsgeräte) aus Winnenden geboten. Er referiert über "Erfolgsfaktoren eines nachhaltigen Wachstums". *

Die Gerüchteküche meldete im Zusammenhang mit dem überraschenden Rücktritt des Mainzer Regierungschefs Kurt Beck, Anlass sei eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse. Sofort spekulierte Berlin: Krebs? Gute Freunde Becks dementieren das hart. Er leide zwar an einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse, die aber aus der Sicht der Ärzte durch eine Phase der Regeneration geheilt werden könne.

*In der ersten Version dieses Texts stand, dass Herr Geis von seiner Ehefrau getrennt sei. Diese Information war falsch. Wir bitten ausdrücklich, den Fehler zu entschuldigen, Red.

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