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Clements Bierstopp und Merkels "Duzis"

Während Günther Beckstein mit Kanzlerin Angela Merkel nun offiziell "Duzis" austauschen darf, unterhält Bundeswirtschaftsminister Michael Glos die deutsch-finnische Handelskammer mit schwarzem Humor. Derweil verzichtet Wolfgang Clement auf sein gelbes Lieblingsgetränk.

Von Hans Peter Schütz

Günther Beckstein hat es geschafft. Kanzlerin Angela Merkel hat ihm unlängst das "Du" angeboten, eine Ehre, die nur den in ihren Augen ganz wichtigen Männern der Republik zuteil wird. Bemerkenswert an dem politischen Ritterschlag: Er erfolgte, nachdem man sich bis in die Nacht hinein über die Gesundheitsreform und den Gesundheitsfonds gefetzt hatte. Vielleicht kam es Merkel merkwürdig vor, wenn der Unionsmann sie siezend ständig erinnerte: "Sie, Frau Bundeskanzlerin, müssen dafür sorgen, dass Bayern beim Fonds nicht mehr als 100 Millionen Euro verliert!" Allerdings: Wen Merkel duzt, ist noch lange nicht sicher vor ihr. Siehe Friedrich Merz, mit dem sie einst auch erst Duzis und ihn anschließend fertig gemacht hat.

Für die Zukunft vorgemerkt bei der Bundeskanzlerin könnte jetzt Erwin Huber sein. Er stand ja früher einmal in so hohem Ansehen, dass sie ihn sogar als Chef des Bundeskanzleramts zu sich holen wollte. Mittlerweile dürfte sie froh sein, dass Huber abgesagt und sie Thomas de Maizière genommen hat. Die jüngsten Vorschläge Hubers zur Steuerentlastung werden in der Berliner Regierungszentrale nur noch mit Kopfschütteln kommentiert. "Eine reine Panikattacke, weil die CSU unter 50 Prozent in den Umfragen liegt", sagt ein befugter Merkel-Interpret. Ausgerechnet der Huber, schimpfen sie unisono in CDU und SPD. Der habe beim letzten Koalitionsgipfel noch dafür plädiert, den kommenden Bundestagswahlkampf auf ein Vierteljahr zu begrenzen. Jetzt eröffne er ihn schon anderthalb Jahre zuvor. Und ausgerechnet der Huber sei es gewesen, der im Hintergrundkreis Politik als "Kunst des Möglichen" definiert habe. Und nun versuche er sich am Unmöglichen. Das dürfte Folgen haben.

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Noch vor einer Woche hatte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer mit Blick auf den umstrittenen Vorschlag von Jürgen Rüttgers, Geringverdienern höhere Renten zu verschaffen, gehofft: "Wir setzen uns hin und sehen zu, wie die sich CDU fetzt." Daraus wird nichts werden: Die Methode des Wählerfangs schweißt die CDU zusammen - gegen die CSU.

Der politische Spielplatz von CSU-Landesgruppenchef Ramsauer in Berlin ist klar vorgegeben: Die Interessen der CSU und Bayerns an der Spree vertreten. Aber der politische Ehrgeiz des sprachgewandten Abgeordneten reicht weit darüber hinaus. Ist sozusagen global. In Albanien, Serbien, Litauen und Zypern war er dieses Jahr bereits. Besuch in Iran, Ägypten, USA, Afghanistan, Russland, Griechenland, Portugal und England sind für 2008 noch geplant. Er findet die Außenpolitik zur Unterfütterung "der praktischen Arbeit wahnsinnig wichtig." Einfach so? Oder will er das Fach wechseln? Ramsauer dementiert: "Ich will nie Außenminister werden!"

Aber politische Dementis sind nie für die Ewigkeit gemacht. Und wer weiß: EU-Kommissar wäre ja auch was Schönes. Und nächstes Jahr wird der Job von Günther Verheugen frei. Noch eine schöne Gelegenheit für Zoff zwischen der CSU und der CDU, zumal nicht sicher ist, ob Edmund Stoiber vielleicht doch noch Lust auf den Posten bekommt, den ihm Merkel schon einmal angeboten hatte. Aber auch hier baut Merkel vor. "Nicht im Alleingang" ließ sie verlauten, werde diese Personalie nächsten Sommer entschieden. Das klingt, als ob auch die SPD dann mitreden dürfe.

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Glaube keiner, Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sei beeindruckt von der Kritik der Genossen an seinen politischen Äußerungen in Richtung SPD. Bei der Vorstellung des Buchs "Mut zum Handeln" in Berlin, zusammen mit Altbundespräsident Roman Herzog, murrte Clement: "Deutschland befindet sich in einer Reformstarre." Er selbst schlurfte allerdings auch ziemlich ungelenk zu der Buchvorstellung. Das lag allerdings nicht am Frust über die SPD, die ihn dieser Tage sogar aus der Partei hatte ausschließen wollen, weil er in Hessen vor der Wahl von Andrea Ypsilanti gewarnt hatte. Er hatte hart trainiert für den Düsseldorfer Marathon am vergangenen Sonntag, bei dem er mitgemacht hat. Ein Fall von überzogenem Altersehrgeiz? "Nein," sagt Clement, "ich mache das nur, um mal wieder ein bisschen vernünftiger zu leben." Seit fünf Wochen hat er an keinem Pils mehr auch nur geschnuppert. Das fiel dem bekennenden Biertrinker gewiss schwer. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen: Clement - Startnummer 9999 - erreichte sein selbst gesetztes Ziel ("Unter fünf Stunden") locker. Er trabte 4 Stunden 33 Minuten und drei Sekunden. Nicht schlecht für einen 68-Jährigen. Und überhaupt kein Grund, sich in der Ergebnisliste als "Wolfgang C." zu verstecken.

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Der Humor von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ist sehr gewöhnungsbedürftig. Als er unlängst zu Besuch war in Helsinki versicherte er vor der deutsch-finnischen Handelskammer, nie sei er versucht gewesen, sein Nokia-Handy wegen der Schließung des Bochumer Nokia-Werks wegzuwerfen, wie viele gefordert hätten. Die Herren strahlten. Ein wenig zu früh. Denn ohne eine Miene zu verziehen, fügte Glos an: "Ich telefoniere von je her mit einem Siemens-Mobiltelefon."

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