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Der Blutdurst der Guttenberg-Fans

Zwei prominente Konservative hatten Guttenberg öffentlich kritisiert: Bundestagspräsident Lammert und Bundesbildungsministerin Schavan. Nun sinnen ihre Parteifreunde auf Rache.

Von Hans Peter Schütz

Die Aufträumarbeiten der Guttenberg-Affäre sind in vollem Gange. Doch dabei werden neue Fragen aufgeworfen. Etwa diese: Weshalb nur hat Bundestagspräsident Professor Dr. Lammert (CDU) so lange gebraucht hat, um ein Zitat klarzustellen? Tagelang war in der Presse zu lesen, Lammert habe die Plagiatsaffäre Guttenbergs als "Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie" bezeichnet. Mit dem "Sargnagel", so berichtet CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe jetzt, sei allerdings nicht die Affäre selbst, sondern die Online-Votings der Medien über Guttenberg gemeint gewesen. Aha. Und weshalb nun die plötzliche Neudeutung? In der Union wird vermutet, Lammert habe den "Sargnagel" deshalb aus Guttenberg herausgezogen, weil CSU-Chef Horst Seehofer beklagt hatte, dass diese Bemerkung einen erhöhten Blutdruck bei ihm ausgelöst habe. Zugleich hatte Seehofer Rache geschworen: "Ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt." Stefan Müller, Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe hatte sogar gesagt, Lammerts angebliche Aussage sei "ein Sargnagel für das politische Miteinander unter Parteifreunden" gewesen. Auch Fraktionschef Volker Kauder, der sich im Gespräch mit stern.de energisch vor Guttenberg gestellt hatte, beklagte mit Blick auf Lammert Worte, "die nicht nötig waren". Spätestens da muss Lammert begriffen haben, dass es Zeit für eine Neuinterpretation wird.

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Wie geflüstert in der Berliner Unionsszene geflüstert wird, wurde daran gedacht, auch den Professorentitel, den Sozialwissenschaftler Lammert überaus stolz trägt, öffentlich zu hinterfragen. Das sei doch nur ein "Schmalspur-Professor", den Lammert da spazieren führe. Tatsächlich hat Lammert keine Habilitationsschrift schreiben müssen, er ist seit 2008 Honorarprofessor der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

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Gerne liefert die CDU/CSU-Ecke auch gleich noch ein interessantes Zitat mit. Lammert, der 1969 in Bochum zu studieren begann, erinnert sich: "Es gab regelmäßig die schiere Fassungslosigkeit, dass ein ausgewiesener Schwarzer ausgerechnet Sozialwissenschaften studierte." Aber er habe sich auch gut getarnt - mit einem Vollbart, der das Klischee des linken Sozialwissenschaftlers bediente. Für einen Linken halten die Unionskollegen Lammert bis heute, weil er als Präsident im Bundestag die Interessen der CDU ständig vernachlässige, als Erster gegen Guttenberg gemosert habe und der FDP eifrig schöne Posten zuschiebe. Etwa als er im August 2010 Harro Semmler zum Bundestagsdirektor machte. Der höchste Parlamentsbeamte ist ein Liberaler und war lange Leiter des Büros von FDP-Vizepräsident Hermann-Otto Solms.

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Auch Bildungsministerin Annette Schavan ist damit beschäftigt, Schuldzuweisungen zu bewältigen. Energisch lässt sie dementieren, dass sie aus eigener Initiative der "Süddeutschen Zeitung" ein Interview zum Fall Guttenberg gegeben habe - und dieses auch noch mit der Kanzlerin abgestimmt gewesen sei. In dem Interview sagt sie, dass die Aberkennung von Guttenbergs Doktortitel richtig gewesen sei. Und dass sie sich "nicht nur heimlich schäme". Auch diese Äußerung wirkte sich nicht günstig auf Seehofers Blutdruck aus, der später polterte: "Das war nicht solidarisch!" Die Süddeutsche erklärt, man habe einen halben Tag auf Schavan einreden müssen, um das Interview zu bekommen. Wie auch immer Schavan sich jetzt heraus windet: Klar ist, dass viele Parteifreunde ihre Äußerungen als Verrat empfinden. Obwohl sie eigentlich nur Selbstverständliches gesagt hat.

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