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Mehrin kann nicht kochen

Nach ihrer plagierten Doktorarbeit trauen CDU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin nicht einmal mehr die Hausarbeit zu. Dabei macht sich die Union gerade selbst zum Gespött mit ihrem Slogan "C wie Zukunft".

Von Hans Peter Schütz

Erst haben alle gelacht, nun entwickelt der bizarre Slogan "C wie Zukunft" der CDU in Mecklenburg-Vorpommern Zugkraft. Weiterhin gelacht werden darf über Silvana Koch-Mehrin. Sie werde nach dem Doktortitel auch ihren Doppelnamen verlieren, ätzen Spötter.

Heftig wird im Netz gespottet über den Slogan "C wie Zukunft", mit dem die CDU in Mecklenburg-Vorpommern für sich Reklame macht, um bei der Landtagswahl am 4. September gut abzuschneiden. In der Berliner CDU-Zentrale jedoch hält man den Slogan für kreativ - und freut sich darüber, dass Satireseiten wie c-wie.de eifrig geklickt werden. Der Name des CDU-Spitzenkandidaten Lorenz Caffier sei aufgrund des Slogans nun weit über Meck-Pomm hinaus bekannt. Vincent Kokert, Generalsekretär der dortigen CDU, hält die Werbeaktion ebenfalls für einen Erfolg: "Wir haben gehofft, in die Diskussion zu kommen. Es hat funktioniert." Die Missverständnisse mit dem Slogan sind sozusagen einprogrammiert und sollen die Menschen auf die Fährte locken: Natürlich beabsichtigt die Konservativen nicht, Zukunft künftig "Cukunft" zu schreiben, das "C" im Slogan steht für CDU steht und für Caffier. Der Hype um den Slogan hinterließ allerdings auch negative Spuren. Denn zahlreiche Interpreten lasen ihn als "C wie 10 Prozent", was ein verdammt schlechtes Wahlergebnis wäre. Tatsächlich liegt die CDU in Umfragen bei 30 Prozent, eine Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition mit der SPD, derzeit in Umfragen bei 34 Prozent, scheint durchaus möglich.

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Ein Frank Henkel, Berliner CDU-Spitzenkandidat für die Wahl Ende September, könnte etwas pfiffigere Slogans sehr gut brauchen. Bei dessen Wahlkampfauftakt nahe der Gedächtniskirche trat CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder als eine Art Sarrazin-Verschnitt auf und machte die Türken in Berlin indirekt an. Er warb für Henkel, weil mit dem eine bessere Bildungspolitik verknüpft sei und sagte: "Die Politik dieser Stadt hat sich an der Jugend versündigt. Es kann nicht jeder nur türkischer Taxifahrer oder Gemüsehändler werden." Das soll's bei der Berliner CDU programmatisch gewesen sein? Dann verstünde man, wieso sich das CDU-Wahlprogramm, für 50 Cent pro Stück an Kiosken feilgeboten, ziemlich schlecht verkauft. Später schenkte die CDU Kauder ein Buch über Berlin. Damit er ein bisschen mehr lernt über diese Stadt? Nützliches Präsent! Ob sie ihm nicht besser ein Wahlprogramm gekauft hätte?

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Mit Geschenken wird im nicht gerade mitreißenden Berliner Wahlkampf ohnehin gerne Politik gemacht. So bot die derzeit an der Spree mitregierende Linkspartei bei ihrem Wahlkampfauftakt dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit an, zwischen zwei Geschenken auszuwählen: entweder zwei Flaschen guten Rotweins - also Rot-Rot - oder eine Flasche giftgrüne Waldmeisterbrause. Wowereit hat natürlich den Rotwein genommen. Die Anfrage bei der Linkspartei, ob "Wowi" denn erst betrunken gemacht werden müsse, damit er die Koalition mit der Linkspartei und nicht mit den Grünen fortsetzt, wollte Spitzenkandidat Harald Wolf nicht beantworten.

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Die bislang eher blässliche Polit-Karriere des neuen Gesundheitsminister Daniel Bahr könnte alsbald mehr Farbe bekommen. Denn er ersetzt seinen bisherigen Sprecher und Chef des Pressereferats im Bundesgesundheitsministerium, Christian Lipicki, zum ersten August durch Christian Albrecht, 46. Nein, natürlich nicht durch den ehemaligen Fürstbischof und Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf. Der ruht seit 1695 in der Gruft. Sein Namensvetter kommt indes ebenfalls aus Schleswig-Holstein, war bisher der Dienststellenleiter der Landesvertretung in Berlin und zuvor einige Jahre Pressesprecher von Wolfgang Kubicki, den er zum einzigen FDP-Fraktionsvorsitzenden in einem Landesparlament (Kiel) mit bundesweiter Bekanntheit gemacht hat. Ob ihm solche Popularitätserfolge auch im Fall Daniel Bahr gelingen werden? Albrecht fällt es jedenfalls schwer, "meine Tätigkeit für Schleswig-Holstein aufzugeben". Gemeint ist wohl: Nicht mehr Sprachrohr eines FDP-Manns vom Format und der Lautstärke eines Wolfgang Kubicki zu sein.

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Worüber lacht das politische Berlin in der Sommerpause? Über den Scherz, dass FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin nach ihrem Doktortitel auch noch den Doppelnamen verlieren werde. Sie soll nur noch Frau Mehrin heißen dürfen. Weshalb? "Weil man gehört hat, dass sie auch nicht kochen kann." Gelacht wird darüber vor allem in der CDU-Ecke.

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