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8. Juni 2009, 12:19 Uhr

Ein Merz macht keinen Frühling

Wer wird neuer EU-Kommissar, wenn Günther Verheugen, SPD, im Herbst aufhört? Die CDU will den Posten selbst besetzen, viele Konservative sehnen sich nach Friedrich Merz. Aber will Merz überhaupt nach Brüssel? stern.de hat die Antwort. Von Hans Peter Schütz

 
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"Alles Unsinn": CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz© Axel Schmidt/DDP

Die Europawahl ist ausgestanden, jetzt kann sich die Politik endlich wieder mit konkreter europäischer Politik befassen. Etwa mit der Frage, wer im Herbst für die CDU/CSU als EU-Kommissar nach Brüssel gehen darf. Dann hört SPD-EU-Kommissar Günther Verheugen auf. Viele führende CDU-Politiker haben in dieser Frage einen Lieblingskandidaten: Friedrich Merz. Mit ihm sei endlich wieder einmal ein wirtschaftspolitischer Frühling in der CDU zu erhoffen. Der hört zwar nach der Bundestagswahl zunächst einmal mit aktiver Politik auf, aber für Brüssel bräuchte er kein Abgeordnetenmandat. Befürwortet als Idealbesetzung wird er zum Beispiel vom CDU-Abgeordneten Georg Brunnhuber, der von einer "tiefen Sehnsucht" in der CDU nach einem Kommissar Merz berichtet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nennt Merz einen "guten Vorschlag", zumal er seine politische Karriere einst in Brüssel begonnen habe. Und endgültig schwirrt das Gerücht, Merz liebäugle auf diesem Wege mit einem politischen Comeback, seit ihm unlängst der vielfach auslegbare Satz entrutscht ist, wenn die CDU der Meinung sei, "dass sie wieder mehr Grundüberzeugung braucht, dann bin ich der letzte, der sich einer Mitarbeit, in welcher Form auch immer in dieser Partei verschließt." Sofort wurde das als indirekte Botschaft interpretiert, Merz könne bereit sein, mit seiner Intimparteifeindin Angela Merkel endlich wieder Frieden zu schließen und als EU-Kommissar zur Verfügung zu stehen.

Gegenüber stern.de gab er allerdings eine glasklare Antwort: Die Kanzlerin müsse den CDU-Kandidaten noch vor der Bundestagswahl benennen. Und er komme für sie nicht in Frage, weil sein Name die SPD zu sehr provozieren werde. Sein Satz besage nicht, dass er Anspruch auf den Posten eines EU-Kommissars erhebe. "Das ist doch alles Unsinn, was mir im Zusammenhang mit Brüssel unterstellt wird." Er habe nur mitteilen wollen, dass er zur Verfügung stünde, wenn die CDU der Meinung sei, dass "wirtschaftspolitisch etwas besser werden muss." Das Abschneiden der CSU bei der Europawahl ist für Merz vor allem ein "Ergebnis Guttenberg" und weniger ein "Ergebnis Seehofer". Wenn die CDU daraus die richtigen Schlüsse ziehe, müsse sie sich fragen, ob sie nicht auch wieder in der Wirtschaftspolitik klarer sein müsste.

Als Hoffnungsträger der Wirtschaftsliberalen scheidet er damit aus. Zum einen weil die tiefe Parteifeindschaft zwischen ihm und Merkel unüberwindbar sein dürfte. Ein CDU-Mitglied im Europaausschuss des Bundestags erläutert auch weshalb diese politische Rückkehr nicht in Frage kommt. "Angela Merkel denkt nicht in Personen, sondern nur in Optionen der Machtbehauptung." Merz eröffne ihr jedoch keine Option, allenfalls würde er mit seinen eigenständigen politischen Positionen nur "Ärger bringen."

Noch ein anderer in der CDU gehandelter Kandidat fällt aus: Wolfgang Schäuble. Er gilt ebenfalls als denkbare Paradebesetzung, der in Brüssel durchsetzungsstark und kenntnisreich operieren könnte. Aber er wäre wie auch Merz, so die Analytiker der CDU, ebenso kein Erfüllungsgehilfe und Transmissionsriemen der Kanzlerin. Daher hoffe Merkel, Schäuble nach der Wahl auf den Posten des Bundestagspräsidenten abschieben zu können, zumal er im neuen Bundestag dienstältester Mandatsträger (seit 1972 im Parlament) nach dem Ausscheiden von Herta Däubler-Gmelin(SPD) sein wird. Das könnte nützlich sein für Merkel, denn ihr treuer Gefolgsmann Roland Koch will (und muss) weg aus Hessen und hofft auf ein Schlüsselressort in einem neuen Kabinett Merkel - den Posten des Bundesinnenministers.

Optionen eröffneten Merkel dagegen zwei andere CDU-Politiker mit der Tugend der Vasallentreue. Erstens Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze, seit vielen Jahren ein enger Vertrauter und linientreuer Gefolgsmann der Kanzlerin. Zweitens der Innen-Staatssekretär Peter Altmaier, der ebenfalls seit 20 Jahren brav an ihrer Seite CDU-Politik macht. Mit Hintze, der aus NRW kommt, könnte Merkel die sich seit langem bei der Verteilung von Machtpositionen vernachlässigt fühlende nordrhein-westfälische CDU endlich befriedigen. Altmaier kommt aus dem Saarland, spricht aber fließend Niederländisch, Französisch und Englisch und kennt das Europa-Geschäft und die EU-Kommission erstklassig. Als Empfehlung in der Augen der Kanzlerin könnte ihm auch dienen, dass er viele Jahre gegen Helmut Kohl Politik gemacht hat.

*

Der Bundestagswahlkampf macht in Berlin möglich, was viele Jahre unmöglich war: Zum Beispiel dieser Tage eine gemeinsame Sitzung der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe und der liberalen Abgeordneten aus dem Ländle. Bei Wurstbroten diskutierten sie die Frage, wie man in Baden-Württemberg gegeneinander antreten könnte, um dann später doch in einer schwarz-gelben Koalition harmonisch miteinander in Berlin zu regieren. Die "schwarzen" Schwaben appellierten dabei an die "gelben", doch bitte liberalen Wählern zu sagen, die Erststimme stets dem CDU-Kandidaten zu geben und die FDP nur mit der Zweitstimme zu wählen, denn als Direktkandidat komme doch kein einziger FDP-Mann durch. Auf diesem Wahlweg werde es mindestens vier so genannte Überhangmandate für die CDU in Baden-Württemberg geben. Und die könnten im September vielleicht darüber entscheiden, ob es zur schwarz-gelben Mehrheit reicht. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel gab sich sehr zögerlich. Er wollte wissen: Wenn es nicht zu Schwarz-Gelb reicht, was macht ihr dann mit den Überhangmandaten? Die lächelnde Antwort eines CDU-Vertreters: "Wir stärken dann die Große Koalition damit." Niebel lächelte auch – säuerlich.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
utospatz (09.06.2009, 19:27 Uhr)
Eigentlich möchte ich als fast 70jähriger
nicht zusehn, wie ein parteipolitisch,-öffentlich angeblich rechtlich verdummtes Volk ins Nirwana entledigt wird!
Da aber das Fußvolk hirnmäßig schon verblödet, hast du niemals eine Chance!(Gewerkschaftsbeiträge, Partei-Mitgliedsbeiträge ect.)
Im Rahmen der Mitbestimmung fliegen die mit Familie in alle Welt, mein Gott was für soziale Beitragskonten!
Wenn ich 20Jahre meine Beiträge auf ein Sparkonto gelegt hätte, könnte ich heute meine Frau zum Leben erwecken, und mit Ihr eine Weltreise beginnen. Was für ein verblödetes Volk! Und nach jedem Vollmondmorgen steht ein Möchtegernpolitiker oder dessen Obergewerkschafter auf!
Wie leicht ist es wohl ein Neugeborenes gewerkschaftlich zu verarschen zu Gunsten meines Kontos?
Angel_of_Mercy (08.06.2009, 18:55 Uhr)
Hab noch zwei vergessen
Anwaltssozietät Mayer, Brown, Rowe & Maw LLP, Berlin/Frankfurt,
Rechtsanwalt
Piper Verlag GmbH, München,
Autorenvertrag, September 2007, Stufe 3
Angel_of_Mercy (08.06.2009, 18:51 Uhr)
denn ihr treuer Gefolgsmann Roland Koch will (und muss) weg aus Hessen und hofft auf ein Schlüsselressort in einem neuen Kabinett Merkel - den Posten des Bundesinnenministers.
Ich such mir schon mal ein Land in das ich dann auswandern kann.
Wenn Koch Innenminister der BRD wird, dann erscheint die Sharia bald als ein Ausbund an Menschenrechten.
Der Merz hat gar keine Zeit für Brüssel:
AXA Konzern AG, Köln,
Vorsitzender des Beirates und des Aufsichtsrates, jährlich, Stufe 3
AXA Versicherung AG, Köln,
Mitglied des Aufsichtsrates (bis 19.4.2007), jährlich, Stufe 3
BASF Antwerpen N.V., Antwerpen,
Mitglied des Verwaltungsrates, jährlich, Stufe 3
Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH, Dortmund,
Mitglied des Beirates, ehrenamtlich
Commerzbank AG, Frankfurt/Main,
Mitglied des zentralen Beirates, jährlich, Stufe 3
DBV-Winterthur Holding AG, Wiesbaden,
Mitglied des Aufsichtsrates, jährlich, Stufe 3
Deutsche Börse AG, Frankfurt/Main,
Mitglied des Aufsichtsrates, jährlich, Stufe 3
Interseroh AG, Köln,
Mitglied des Aufsichtsrates (bis 28.02.2009), jährlich, Stufe 3
IVG Immobilien AG, Bonn,
Mitglied des Aufsichtsrates, jährlich, Stufe 3
Stadler Rail AG, Bussnang/Schweiz,
Mitglied des Verwaltungsrates, jährlich, Stufe 3
WEPA Industrieholding SE, Arnsberg,
Vorsitzender des Aufsichtsrates
5. Funktionen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen
Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund, Dortmund,
Mitglied des Wirtschaftsrates, ehrenamtlich
Council on Public Policy
Verein zur Förderung der vergleichenden deutsch-amerikanischen Politikberatung e.V., Bayreuth,
Mitglied des Kuratoriums, ehrenamtlich
Gesellschaft zum Studium strukturpolitischer Fragen e.V., Berlin,
Stellv. Vorsitzender, ehrenamtlich
Hilfskasse des IPV e.V., Varel/Berlin,
Mitglied des Verwaltungsrates (bis 30.06.2007)
Industrie-Pensionsverein IPV e.V., Varel/Berlin,
Mitglied des Verwaltungsrates (bis 30.06.2007)
Wirtschaftsrat der CDU e.V., Berlin,
Mitglied des Präsidiums, ehrenamtlich
UR63 (08.06.2009, 16:44 Uhr)
Mensch Merz..
gründe eine eigene Partei!
Ohne FDJ-Merkel!
20% aus dem Stand!
Dazu Paule Kirchof und dann geht die Post ab!
Merkel go Home!
Bebuquin (08.06.2009, 16:20 Uhr)
Weiß jemand, was mit Verheugen passiert?
Gibt es schon Informationen darüber, ob er irgendwo einen Posten in der Pharmaindustrie bekommen wird? Wäre ja unfair, wenn nicht. Immerhin hat er mit viel Einsatz daran mitgearbeitet, dass auch über verschreibungspflichtige Medikamente in den Medien informiert, manche nennen es auch geworben, werden darf.
knilch_59 (08.06.2009, 16:17 Uhr)
Mehr Korruption in die EU-Kommission!
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Es gibt wohl keinen anderen Abgeordneten, der höhere Zusatzbezüge zu seinem – angeblichen – Vollzeitjob als Abgeordneter kassiert als Friedrich Merz. Für ihn sind die rund 10.000 € monatlich an Abgeordnetenbezügen nur die Lizenz zum unbeschränkten Zuverdienst. Die Liste seiner Nebentätigkeiten siehe unter:
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http://www.bundestag.de/mdb/bio/M/merz_fr0.html
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Stufe 3 besagt jeweils, dass die jährlichen NEBEN-Einkünfte über 7.000 € liegen, er hat davon 15!!!! So nebenher macht er also locker – mindestens – 100.000 €. Das macht ihn natürlich zum unabhängigsten Abgeordneten, den wir jemals hatten. So einer kann doch gar nicht – schon gar nicht im Geiste – korrupt sein.
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Das schreit doch förmlich nach der EU-Kommission! Und dann machen wir einen Mafiosi zum Justizminister!
emeinung (08.06.2009, 15:22 Uhr)
Schöööön für ihn
Nachdem seine "Mehr Kapitalismus wagen"-Schwarte dank Finanzkrise (sooo ein Pech aber auch) zurecht wohl ein Mißerfolg wurde und wohl eher auf den Reste-Grabbeltischen der Buchhandlungen landen wird, braucht der arme, arme Friedrich doch jetzt einen finanziellen Ausgleich! Damit er weiter wieder so schön grinsen kann!
Sternchen2020 (08.06.2009, 15:07 Uhr)
Letzlich geht es doch nur ein Pöstgeschiebe.
Ob Merz da "nein" sagen kann?
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Andererseits, nach der Koch-Mehrin-Diskussion über mangelnde Anwesenheit würde es für Merz schwer werden. Bei den vielen Pöstchen käme er vielleicht auf eine Anwesenheit von 10 Prozent und die schlafenden Hunde sind leider inzwischen wach geworden.
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Ansonsten wäre er doch eine Ideal-Besetzung. Die Reinkarnation des Turbokapitalismus sozusagen. Und da die Bundesregierung die gesamte Krisenbekämpfungs-Strategie auf ein "Weiter so" ausgerichtet hat, passt es doch.
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Ich mag auch sein Grinsen, wenn er sich für die Leih- und Zeitarbeit ausspricht. Die armen Teufel am untersten Limit und im ständigen Schleudersitz zahlen mit ihren Steuern sogar noch seinen Salär. Da sag noch einer, Merz könne sich nicht gut verkaufen.
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Und eins ist doch auch klar. Niemand wird wohlhabend, weil er sich mit lästigen Gewissensfragen herumschlägt. Im EU-Parlament ist sogar weit vom Schuss und das Gewissen sozusagen anonymisiert.
Serst (08.06.2009, 15:06 Uhr)
Na,
der hat uns gerade noch gefehlt...
utospatz (08.06.2009, 14:47 Uhr)
Es wird auch niemals Sommer, selbst
wenn ich meine Wäsche im September aprilfrisch spüle!
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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